| von Wolfgang Gomoll

Der Skoda Octavia RS ist in Deutschland alles andere als ein Nischenmodell - schließlich beträgt der Anteil der sportlichen Versionen hierzulande über 20 Prozent. Dementsprechend groß war die Freude der Fangemeinde, als Skoda verkündete, eine Plug-in-Hybridversion des Familiensportlers auf Kiel zu legen. Die Daten lesen sich vielversprechend: Die Kombination aus dem 1,4-Liter-TSI (EA 211) mit 110 kW (150 PS) und dem Elektromotor (85 kW / 116 PS) kommt auf eine Systemleistung von 180 kW / 245 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern. Rein elektrisch sollen bis zu 60 Kilometer (WLTP) und bis zu 140 km/h drin sein. Als Gegenleistung bringt die Elektrifizierung des Antriebsstrangs rund 180 Kilogramm mehr Gewicht ins Auto. Da der reine Elektrikmodus bei unserem Fahrzeug nicht zu aktivieren war, absolvierten wir die Testfahrten im Modus "Auto-Hybrid", probierten die verschiedenen Fahrprogramme aus, waren hin und wieder flotter, aber nicht ständig mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs und erreichten einen Durchschnittsverbrauch von 5,5 l/100 km sowie 9,4 kWh/100 km. Skoda gibt 1,5 l/100 km und 11,4 kWh/100 km an.

Beim Octavia RS iV geht es nicht um Sprintduelle, sondern der Familiensportler soll auch sonntags unkompliziert Spaß machen. Damit der 1.707 Kilogramm schwere Combi dynamisch um die Kurven geht, haben die Ingenieure die Lenkung gegenüber dem Basismodell direkter abgestimmt. Das Sportfahrwerk legt die Karosserie um zehn Millimeter tiefer, als das beim Serienbruder der Fall ist. Wie beim VW Arteon und Passat kann man die Abstimmung des Fahrwerks beziehungsweise der variablen Dämpfer in 15 Stufen dem eigenen Geschmack anpassen. Aber selbst in der sportlichsten Einstellung ist der Octavia RS iV kein Bandscheiben-Killer. Geschalten wird mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das diese Aufgabe unaufgeregt verrichtet.

Bei den Fahrmodi gibt es bei dem Octavia RS iV die bekannte Auswahl: Evo, Comfort, Normal, Sport und Individual. Die einzelnen Programme unterscheiden sich deutlich und wenn man das Sport-Fahrprogramm anwählt, fühlt man sich fast wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, der den berüchtigten Party-Modus seines Hybrid-Renners aktiviert und seine Konkurrenten verbläst. Dann zeigt der Octavia RS iV, dass er den Namen zurecht trägt. Der Antritt ist so fulminant und die Beschleunigung so linear, dass selbst Fahrern bayerischer Businesslimousinen die Augen übergehen. Nach 7,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht und es geht weiter bis 225 km/h. Allerdings ist das künstlich aufgebohrte Motorengeräusch ziemlich nervig und kann Gott sei Dank deaktiviert werden. In den Kurven stellt der frontgetriebene PHEV-Athlet den Piloten vor wenig Probleme und bleibt lange neutral, ehe er langsam anfängt, über die Vorderräder zu schieben.

Wertig im Innern

Allerdings hat das flotte Zusammenspiel zwischen alter und neuer Antriebswelt einen Haken. Die Batterie hat eine Brutto-Kapazität von 13 Kilowattstunden, davon sind rund 10,4 kWh nutzbar. Dennoch gibt es keine nennenswerte Boost-Reserve, sobald die Energiespeicher aufgebraucht sind. "Leer ist leer", erklärt Skoda-Ingenieur Michal Kruta. Bei Bedarf kann der Fahrer über das Infotainment-Menü eine prozentuale Stromreserve festlegen oder den Verbrennungsmotor dazu nutzen, um die Akkus wieder zu füllen. Was aber energetisch wenig Sinn ergibt, zumal so aus dem quicklebendigen RS iV ein RS-chen wird, der mit gebremstem Schaum unterwegs ist. An einer 230-Volt-Steckdose dauert es fünf Stunden, bis die Akkus wieder voll sind, und an einer 3,6-kW-Wallbox sind es drei Stunden und 33 Minuten. Solange Saft vorhanden ist, ist der Elektromotor ein elementarer Teil des gelungenen Antriebskonzepts. Ohne Strom ist das PHEV-Modul nur dynamikbremsender Ballast. Wer stetes RS-Gefühl will, greift zum klassischen RS mit 2.0-Liter-Benziner, der es ebenfalls auf 180 KW / 245 PS bringt - ohne Elektrounterstützung.

Besonders stolz sind sie bei Skoda auf den Innenraum, der opulent mit Alcantara ausstaffiert ist. Beim Infotainment gibt es ebenfalls die neue Umgebung, die den Fahrer auch bei den konventionellen Modellen mit allen nötigen Informationen versorgt. Das bedeutet einen Zehn-Zoll-Touchscreen über der Mittelkonsole, ein virtuelles Cockpit und ein Head-up-Display, dessen Anzeigeinhalt ebenfalls konfiguriert werden kann. Bei den Assistenzsystemen bietet auch die Plug-in-Hybrid-Version des tschechischen Golf-Bruders aktuelle VW-Technik. Der intelligente adaptive Tempomat holt sich Daten aus dem Navigationssystem und arbeitet mit dem Radarsystem zusammen. Wenn also ein Auto vor einem fährt, bittet der Skoda den Fahrer vom Gas zu gehen, und verzögert mittels Rekuperation. Ähnliches gilt, sobald man sich einer Stadtgrenze nähert und das Auto die Elektromotorbremse einsetzt, da eine Geschwindigkeitsbegrenzung ansteht.

Beim Platz schöpft der Skoda Octavia Combi aus dem Überfluss, da kann die Plug-in-Hybridversion durchaus auf ein paar Liter für das Ladekabel und die anderen Gerätschaften verzichten. Der Kofferraum fasst 490 Liter und bis zu 1.555 Liter, wenn man die Lehnen der Rückbank umlegt. Zum Vergleich: Im konventionell angetriebenen Octavia Combi sind es 640 bis 1.700 Liter Volumen. Im Fach unter dem Boden sind dann die Elektro-Utensilien verstaut. Der Skoda Octavia Combi RS iV kommt im Herbst in den Handel und kostet ab 42.949 Euro. Die Limousine startet bei 42.267 Euro.

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