| von Wolfgang Gomoll

Darf's ein bisschen mehr sein? Beim Skoda Octavia Scout ist die Antwort auf diese Frage klar: ja, gerne! Das fängt schon bei der Optik an. Der Crossover kommt 15 Millimeter höher daher und ein paar Anbauteile wie der Unterbodenschutz verleihen dem Tschechen eine "SUV-ige" Optik. Wer also gerne etwas höher sitzt und nicht ganz so rustikal in einem ausgewachsenen Geländewagen durch die Innenstädte rollen will, liegt beim Scout richtig. Schließlich ist der Kombi mit einer Länge von 4,70 Metern immer noch genug Trumm von Auto.

Das Plus von rund einem Zentimeter gegenüber dem Normalo-Combi ist den Stoßfängern an Front und Heck geschuldet. Damit der Scout nicht zu einem stelzigen Papiertiger mutiert, haben die Skoda-Manager dem Wagen den Zweiliter-Diesel mit 147 kW / 200 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern spendiert, den es aktuell beim Combi weder für Geld noch gute Worte gibt. Laut Datenblatt soll das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern zwischen 1,750 und 3.500 U/min anliegen. Klingt gut und verspricht eine entspannte Fahrbarkeit. Die Realität ist eine andere: Das aufgeladene Triebwerk leidet offenbar unter den streng regulierten Abgasemissionen. Beim Anfahren ist unterhalb von 2.500 U/min eine deutliche Antrittsschwäche zu spüren. Auch unterwegs ist die etwas zugeschnürte Kraftentfaltung aus dem Drehzahlkeller heraus vorhanden. Gut Ding will eben Weile haben.

Der Malus wird am besten durch den Sport-Modus kaschiert, in dem das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aggressiver agiert, die Gänge weiter ausdreht und so das Drehzahlniveau generell höher ist. Das geht natürlich auf Kosten des Verbrauchs, den Skoda mit 5,1 l/100 km angibt. Wir kamen bei unserer Testfahrt auf 6,6 l/100, waren sowohl auf Autobahnen, Landstraßen, aber mit einem etwas größeren Anteil in der Stadt unterwegs. Da schlägt sich der Scout ähnlich souverän wie der Combi mit den genannten Einschränkungen.

Entspanntes Reisen

Damit der Fährtenleser zumindest einen Hauch von böhmischer G-Klasse verströmt, bringt ein Allradantrieb die Kraft auf den Boden, der auch unbefestigt sein darf. Wenn es ins Gelände geht, ist der Offroad-Fahrmodus eine gute Wahl, bei dem zum Beispiel das ABS mit anderen Bremsintervallen eingreift, damit sich vor den Rädern ein bremsender Erdkeil bildet und die Antriebsschlupfregelung ASR erlaubt einen größeren Schlupf. Dass vier Räder angetrieben werden, hilft auch im Alltag, auf rutschigem Untergrund oder in schnellen Kurven. Eine leichte Untersteuerneigung gehört beim Scout zum gutmütigen Geschäft. Die Stärke des Stelzen-Kombis liegt aber eher im engagiert entspannten Kilometerfressen, da fällt auch die etwas synthetische Lenkung nicht allzu sehr ins Gewicht. Die adaptiven Dämpfer können in bekannter VW-Manier feinjustiert werden und sorgen so für den gewünschten Komfort. Wenn man alles aus den 200 PS rausholt, ist in 6,8 Sekunden Landstraßentempo erreicht und weiter geht es bis 230 km/h.

Im Scout lässt sich genauso gut und entspannt reisen wie im Combi. Platz ist ohnehin genug vorhanden, der Kofferraum ist mit einem Volumen von 640 Litern bis 1.700 Litern opulent groß und hat auch in Maximalkonfiguration eine ebene Ladefläche. Die Sitze sind bequem und der Stoffbezug namens Thermoflux verbreitet zusammen mit dem Holzdekor eine angenehme Atmosphäre. Das Material auf den Sitzbahnen soll luftdurchlässig sein, also sollten auch an heißen Sommertagen Schwitzanfälle nicht allzu häufig vorkommen.

Das Infotainment mit dem 10-Zoll-Touchscreen, dem 10,25 Zoll großen virtuellen Cockpit sowie dem Head-up-Display entspricht dem der anderen Octavia-Varianten. Das Gleiche gilt für die Fahrassistenten wie ein adaptiver Tempomat, der Tote-Winkel-Warner oder der Spurhalte-Assistent. Serienmäßig ist der Octavia Scout mit Voll-LED-Matrixscheinwerfer und LED-Nebelscheinwerfer ausgestattet. Allerdings hat die Top-Version des Skoda Octavia Scouts mit 41.230 Euro auch einen strammen Basispreis, unser gut ausgestatteter Testwagen schlägt mit 47.799,03 Euro zu Buche. Wer unbedingt einen Benziner will, muss sich noch etwas gedulden, dann kommt der Skoda Octavia Scout 2,0 l TSI 4x4 mit DSG-Getriebe und 140 kW / 190 PS in den Handel.

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