| von Stefan Grundhoff

Abgesehen von dem kleinen G-Tec-Schriftzug am Heck deutet nichts auf den bivalenten Antrieb des tschechischen Kompaktklassemodells hin, denn die Tanks liegen versteckt im hinteren Unterboden. Bei genauerem Hinsehen ist in der rechten oberen Ecke der Heckscheibe noch ein CNG-Aufkleber zu erkennen, dessen nähere Bedeutung sich einem kaum erschließt. Und bei der Vielzahl an wirren Nomenklaturen muss man zunächst überlegen, was G-Tec im Detail bedeuten könnte. Doch wer dachte, die Erdgasära sei auch im Hause Volkswagen und den verschiedenen Konzernmarken im Rahmen der gewaltigen Elektroinitiative beendet, irrt.

Skoda bietet seine beiden vergleichsweise neuen Modelle Scala und Kamiq ab dieser Saison nunmehr auch mit Erdgasantrieb an und verleiht ihnen hierfür die Bezeichnung G-Tec. An sich ist der Erdgasantrieb ein Relikt aus einer vergangenen Zeit der automobilen Fortbewegung. Von vielen insbesondere durch geringe Kosten und die günstige Umweltbilanz immer wieder als ernsthafte Alternative zu Benzinern und Diesel heraufbeschworen, bekamen die Erdgasantriebe weder bei Privatkunden noch im Flottengeschäft eine echte Chance. Opel versuchte es vor zwei Jahrzehnten, seine Erdgas-Zafiras bei den Taxlern unterzubringen. Doch selbst üppige Tankgutscheine brachten die Taxifahrer zwischen Kiel und Garmisch nicht dazu, langfristig vom Diesel auf Erdgas umzusteigen; von den Privatkunden ganz zu schweigen. Selbst BMW und Mercedes versuchten sich in kleinen Auflagen mit Erdgasmodellen - der Erfolg war kein solcher und so verabschiedete man sich davon, obschon es in einigen südeuropäische Ländern bessere Marktdurchrdringungen für die Gasmodelle gab.

Als einer der letzten war Volkswagen übrig und bot einzelne Modelle von VW, Seat, Skoda und Audi in kleinen Volumina mit Erdgasantrieb an. Die Fahrzeuge waren mit einem Benzin- und einem entsprechenden Gastank ausgestattet. Vorrangig fuhr man im Erdgasbetrieb durch de Lande und wenn dieser Kraftstoff verbrannt war und eine Erdgastankstelle fehlte, war man durch den normalen Benzintank weiterhin mobil. Ebenso sieht es beim neuen Skoda Scala aus. Auch dieser hat zwar nicht wie ein Hybridmodell die Kraft der zwei Herzen, aber zumindest die Möglichkeit, im Motor wahlweise Erdgas oder Superbenzin zu verbrennen.

Kaum eine Alternative zu Diesel und Benziner

Für den Antrieb sorgt der bekannte ein Liter große Dreizylinder, der im Skoda Scala G-Tec überschaubare 66 kW / 90 PS und ein maximales Drehmoment von 160 Nm leistet. Wer flott oder gar schnell auf längeren Strecken unterwegs ist, sollte vom Scala G-Tec daher die Finger lassen, denn der Dreizylinder ist insbesondere unter Lastanforderungen nicht nur laut, sondern auch deutlich zäher als vergleichbare Dieselmotoren. Zudem sind 90 PS das geringste der Gefühle, wie man in dieser Klasse unterwegs sein sollte. Weniger als 120 PS sollten es nicht sein, denn der 4,36 Meter lange und knapp 1,4 Tonnen schwere Skoda Scala bietet mehr als genügend Platz für vier Insassen (notfalls auch fünf) und mit entsprechender Beladung möchte man mit dem rauhen Dreizylinder nicht unterwegs sein. Darüber hilft einem auch der sparsame Verbrauch von 3,5 Kilogramm auf 100 Kilometern nicht weg, was einem CO2-Ausstoß von 95 g auf 100 Kilometern entspricht. Die Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h. Was kaum überraschen mag: ab 150 km/h wird es zäh. Die Tanks im Unterboden schlucken 13,8 Kilogramm Erdgas und notfalls hilft der zusätzliche Benzintank, der jedoch nur neun Liter Rückfallreserve bietet.

Zudem hat man keine Wahlmöglichkeiten, wenn man auf G-Tec setzt. Es gibt nur 90 müde PS und eine Sechsgang-Handschaltung. Mehr Leistung oder ein automatisiertes Getriebe wie die beliebte Siebengang-Doppelkupplung sucht man aufgrund der gering gehaltenen Varianz vergeblich und so sollte man sich sehr schnell darüber einig sein, dass ein sparsamer Benziner oder gar ein Diesel die bessere Wahl ist. Den gibt es wahlweise mit ebenfalls schmalen 90 PS oder deutlich besser mit 115 oder gar 150 PS. Und wer noch effizienter unterwegs sein will, kann sich auch für den Scala 1.6 TDI mit 85 kW / 115 PS entscheiden, der wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe gerade einmal 4,0 Liter Diesel auf 100 Kilometern benötigt und deutlich mehr Durchzug und Drehmoment bietet.

Wie seine Brüder mit Benzin- oder Dieselantrieb bietet der Skoda Scala ein gefälliges Äußeres, Platz für bis zu fünf Personen und ein Ladevolumen zwischen 467 und 1.410 Litern. Die vergleichsweise karge Serienausstattung des mindestens 22.200 Euro teuren Skoda Scala G-Tec lässt sich mit Ausstattungspaketen wie Dynamic und Emotion (489 bzw. 1.330 Euro) sowie verschiedenen Einzeloptionen aufwerten, sodass ein gut ausgestatteter Scala G-Tec sogar die 30.000-Euro-Marke durchbricht. Sinnvoll sind dabei allemal Details wie anklappbare Außenspiegel (180 Euro), elektrische Heckklappe (350 Euro), 17-Zoll-Alufelgen (190 Euro) oder die verschiedenen Fahrerassistenzsysteme, die es einem im Alltag sicherer und komfortabler machen. So kann es Scala locker mit Kompaktklassemodellen der Konkurrenz wie Opel Corsa, Renault Megane, Opel Astra oder selbst dem übermächtigen VW Golf aufnehmen, mit dem er sich Antrieb und Komponenten teilt. Doch ob es beim Skoda Scala unbedingt ein Gasantrieb sein muss, das sollte sich jeder Kunde gut überlegen.

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