| von Wolfgang Gomoll

In Texten, die ein Automobil beschreiben, liest man ja oft von einem Spagat. Diese Metapher beschreibt den Zielkonflikt der Fahrwerkstechniker, einen Kompromiss zwischen sportlich-straffer Abstimmung und Komfort zu erreichen. Die Frage stellt sich bei einem Auto, das für Indien bestimmt ist, in Anbetracht der Straßen eher nicht. Die entscheidenden Qualitäten, die ein solcher automobiler Türöffner vereinen muss, um auf dem großen Subkontinent erfolgreich zu sein, sind Prestige im Auftreten, Komfort und günstige Fertigungskosten, damit ein möglichst wettbewerbsfähiger Preis erreicht werden kann. Die Studie Skoda Vision IN gibt einen Ausblick, wie Skoda dieses Kunststück fertigbringen will - zumindest, was das Aussehen angeht. Der Crossover mit dem großen Kühlergrill und den schmalen Leuchten ist sofort als Skoda zu erkennen.

Allerdings ist die Länge von 4,26 Metern für den indischen Markt, wo aktuell noch Kleinwagen die Szenerie beherrschen, schon eine Ansage. Solche langen Fahrzeuge sollten dann schon über drei Sitzreihen verfügen. Der Renault Triber misst lediglich 3,99 Meter und schafft genau dies. Das Serienmodell, das Anfang 2021 in Indien auf den Markt kommen wird, basiert auf der Konzernplattform MQB A0 IN, die im Technikzentrum in Pune für den hiesigen Markt angepasst wird. Kenner werden bei der Länge des Vehikels sofort merken, dass es der Skoda Kamiq auf 4,24 Meter bringt. Diese Expertise mit der Plattform soll die Tschechen dazu befähigen, die Technik kostengünstig für den indischen Markt bereitzustellen.

Der 1.5 TSI-Motor mit 110 kW / 150 PS samt Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, der in dem Konzeptfahrzeug seinen Dienst verrichtet, dürfte ebenfalls das obere Ende der Leistungsskala markieren. Um über mehrere Einkommensschichten hinweg konkurrenzfähig zu sein, sollte die Serienversion auch mit Dreizylinder-Aggregaten zu haben sein. Ähnliches gilt für den Innenraum, bei dem eine Art Maharadscha-Kristall mitten auf dem Armaturenbrett thront - natürlich ist der Edelstein eine Anspielung auf die Spezialität der Tschechen und soll auch dem Luxusbedürfnis der Inder Genüge tun.

Der 12,3 Zoll große zentrale Touchscreen ist für die Serienversion des Crossovers relevant. Denn in Indien wird auf das Infotainment Wert gelegt. Bei der Konnektivität hilft die VW-Technik, also wird der indische Skoda über Apple CarPlay und Android Auto verfügen. Ob das Einstiegsmodell allerdings digitale und konfigurierbare Cockpitanzeigen hat, ist zumindest fraglich. Der Skoda Crossover soll die gehobene Mittelschicht ansprechen und Konkurrenten wie dem Kia Seltos oder dem Ford Eco-Sport die Käufer abspenstig machen. Dafür muss ein Preis zwischen 10.000 und 13.000 Euro realisiert werden. Ob und wie Skoda das hinbekommt, wird spannend zu sehen sein. Zumal viele in Indien Autos fahren, die weniger als 7.000 Euro kosten.