Technisch versierte Autobastler gibt es im Umfeld von München schon durch die zahlreichen renommierten Universitäten, die Nähe zu Autobauern wie BMW und Audi sowie einer Reihe von Hightech-Zulieferern. Die einen wollen einen sportlichen Spaßroadster bauen, andere wollen Afrika mit einem bezahlbaren Kompakt-Unimog auf die Räder helfen und einige setzen voll auf das Thema Elektroantrieb. Die bayrische Firma Sono Motors wurde vor zwei Jahren gegründet und entstand aus tüftelfreudigen Studenten, die das Elektroauto als Fortbewegungsmittel der Zukunft sehen. Vor einigen Wochen konnte Sono Motors einen prominenten Neuzugang vermelden, denn Thomas Hausch, lange Jahre auf Toppositionen bei Daimler, Chrysler und Nissan tätig, unterstützt das Münchner Start-up ab sofort als COO. Für Hausch ist es nicht der erste Kontakt zu einem Elektro-Start-up, denn von 2011 bis 2013 war er in Kalifornien für Vertrieb und Marketing von Coda Automotive verantwortlich.

Unter Firmenchef Laurin Hahn arbeitet Sono seit mehr als fünf Jahren an der Entwicklung eines Elektrofahrzeugs Sion, dessen Akkus nicht nur an der Steckdose geladen werden können. Zusätzliche Reichweite sollen Solarzellen realisieren, die je nach Fahrzeugfarbe mehr oder weniger auffällig in die Karosserie integriert sind. Die Solarzellen des Sion sind auf Dach, Motorhaube und an den Flanken des kompakten Fünftürers verbaut. Das Fahrzeug bietet eine Reichweite von 250 Kilometern, die sich bei entsprechenden Sonneneinstrahlung durch die Solarpaneele um bis zu 30 Kilometer verlängert. Das Batteriemodell hat Ähnlichkeit mit dem des Renault Zoe. Das Akkupaket kostet entweder eine monatliche Rate oder einmalig rund 4.000 Euro. Der Sono Sion dürfte ohne Akkupaket rund 16.000 Euro kosten. Das Akkupaket stammt vom Zulieferer ElringKlinger.

Dank eines bidirektionalen Laders kann der Sion nicht nur selbst Energie generieren, sondern diese auch wieder abgeben. Diese Funktion verwandelt das Auto in ein mobiles Kraftwerk. Mit einem Haushaltsstecker können alle gängigen elektronischen Geräte mit bis zu 2,7 kW vom Sion angetrieben werden. Über einen Typ-2-Stecker kann der Sion bis zu 7,6 kW liefern. Der Sion setzt nicht nur dank seiner Karosserieteile aus kratzfestem Polycarbonat konsequent auf Leichtbau. Der Verkauf des Sono Sion soll in der zweiten Hälfte 2019 starten. Derzeit sollen mehr als 6.600 Bestellungen für das Elektromodell aus München vorliegen, deren Interessenten nach Tesla-Vorbild 500 Euro überwiesen haben. Für den Rest der Anschubfinanzierung sorgt eine erfolgreiche Crowd-Funding-Aktion. "Wir haben eine Sitzheizung, es gibt eine Klimaanlage und ein großes Infotainment-System, womit ich mein Handy auch interaktiv verbinden kann, was bedeutet, dass ich wirklich ein komplettes Fahrzeug habe, das sehr einfach ist und keine Extras hat", erklärt Laurin Hahn. Für eine besonders gute Luft wird ebenfalls gesorgt, denn für die Luftfilterung sorgt in der Armaturentafel ein spezielles Moos. Über elektrostatische Anziehung filtert es bis zu 20 Prozent des Feinstaubs aus der Umgebungsluft.