| von Götz Fuchslocher

Jaguar Land Rover startet mit der Produktion der Nachfolgegeneration der Geländewagen-Ikone. Die läuft nun im slowakischen Nitra vom Band, einer Fertigungsstätte, die erst vor rund einem Jahr eröffnet wurde. Nachdem dort zunächst der Land Rover Discovery vom Band rollte, weitet das moderne Werk mit dem Produktionsstart des Defender seine Kapazitäten jetzt weiter aus. Dazu investieren die Briten etwa 1,4 Milliarden Euro. Ein bedeutender Teil der Summe fließe in neueste Produktionstechnologie, heißt es dazu von Seiten des Herstellers. Das Werk Nitra ist das erste in ganz Europa, das „KS Pulse“ von Kuka einsetzt: ein palettenbasiertes Transportsystem für automatisierte Montagelinien im Karosseriebau. Das System soll einen Geschwindigkeitsvorteil von rund 30 Prozent im Vergleich zu konventionellen Fördersystemen ermöglichen.

Bei Jaguar Land Rover stellt man zudem auf die hochautomatisierten Lackierprozesse im Werk Nitra ab. Mit ihnen will man höchste Qualität bieten und zugleich die Umwelt schonen. Der Lack wird in Nitra mithilfe der Trockenkalkbürsten-Technologie aufgetragen, die den Wasserverbrauch reduzieren und die Wiederverwendung von Lackabfällen ermöglichen soll. Im Karosseriebau setzt man auf die emissionsfreie Klebeschweiß-Technologie. In den Montagehallen werden sämtliche Verpackungsmaterialien recycelt und Klebstoffabfälle zur Energieerzeugung verwendet. Zudem bereite man sich auf intelligente und vernetzte Produktionstechnologien vor – wie einer künftigen Visualisierung in der Fertigung. In Nitra können pro Jahr 150.000 Fahrzeuge hergestellt werden. Auf einer Fläche von rund 300.000 Quadratmetern sind im Werk derzeit bereits über 2000 Mitarbeiter tätig – bis zu 2800 Beschäftigte sollen es in nächster Zeit sein. Im Hinblick auf den Aluminiumeinsatz in der Fertigung sei Nitra in der Slowakei führend, betont man beim OEM.

Neben Hightech auch Nehmerqualitäten

Der Defender, wie das Modell seit 1990 heißt, ist der Geländewagen-Urmeter der Marke. Der Start des robusten Land Rover datiert auf das Jahr 1948. Die Fertigung der über die Jahre optisch immer noch stark an den ursprünglichen 4x4 erinnernden Vorgänger-Modelle lief noch bis 2016 im britischen Solihull. Mit der neuen Generation aus dem slowakischen Nitra, für die je nach Radstand ab 49.700 Euro (Defender 90) oder 55.600 Euro (Defender 110) abgerufen werden, hält nun reichlich Modernität ins Cockpit Einzug. Dies etwa in Form des neuentwickelten Infotainment-Systems Pivi Pro, das sich über einen Touchscreen bedienen lässt. „Software-Over-The-Air“-Technologie (SOTA) ist laut JLR für 14 Einzelmodule über das Netz verfügbar. Noch wichtiger dürften der treuen Fangemeinde die 4x4-Attribute der neuen Fahrzeuge sein. Hier wirbt Land Rover neben dem permanenten Allradantrieb insbesondere mit dem zweistufigen Verteilergetriebe, mit 3,5 Tonnen maximaler Anhängelast, bis zu 900 Kilogramm Nutzlast sowie einer statischen Dachlast von 300 Kilogramm. Als Antrieb stehen für die Defender Benzin- und Dieselmotoren parat, ergänzt durch Mild-Hybrid-Antriebsalternativen. Im kommenden Jahr erweitert Land Rover das Triebwerk-Programm um eine Plug-in Hybrid-Lösung (PHEV). Die Defender-Modelle sind ab 2020 bestellbar.