Spritsparen ist klasse und hilft der Umwelt. Doch seien wir mal ehrlich: Jeder, der nur ein bisschen Benzin im Blut hat, gerät bei PS-Kanonen wie dem Aston Marton Vulcan in Verzückung: Ein V12-Benziner mit über 800 PS lässt den Lava-Sportler über 350 km/h schnell fliegen. Dass die 100 km/h in knapp drei Sekunden geknackt werden, müsste eigentlich nicht großartig erwähnt werden. Von dem für die Rennstrecke konzipierten Supersportler sollen 24 Stück gebaut werden. Trotz des Preises von knapp 2,5 Millionen Euro dürfte der Aston-Martin-Zweisitzer weggehen wie warme Semmeln.

Ihm zur Seite steht der Aston Martin Vantage GT3 Special Edition. Der Straßenrennwagen fällt mit seiner riesigen Carbon-Theke am Heck auf und wiegt 100 Kilogramm weniger als die “normale” Straßenversion. Der V12-Benziner Sechsliter-Benziner bringt es auf 600 PS. Diese Publicity tut Aston Martin gut, die Briten bauen zwar schöne Autos, die aber technisch hinter der Konkurrenz herrollen. Das soll sich mit dem Einstieg von Mercedes-Haustuner AMG, der die Motoren liefert, ändern. Die Mega-Spoiler-Fraktion Lamborghini bekommt durch den Aventador LP 750-4 SV Verstärkung. Das Buchstabenkürzel steht, wie beim Vorgänger Murcielago auch, für Super Veloce. Im Klartext heißt das 750 statt 700 PS, einen auffälligen Diffusor und die angesagte 100-Kilogramm Diät.

Dass sich Ferrari angesichts der Starterfelds, das sich in den Palexpo-Hallen versammelt hat, nicht so leicht den Schneid abkaufen lässt, wird sofort klar, wenn man die roten Renner sieht, die im Scheinwerferlicht glänzen. Ob sich der legendäre Firmenchef Enzo Ferrari, den das Geräusch seiner Zwölfzylinder-Sauger in Wallung brachte, in Anbetracht des Ferrari 488 GTB im Grab herumdreht ist nicht bekannt, darf aber angenommen werden. Dem Commentatore waren Zwölfzylinder-Saugmotoren heilig. Mit dem 488 GTB setzt die Sportwagenschmiede aus Maranello dem Downsizing-Trend an fort. Der rote Renner hat jetzt ein aufgeladenes 3.9-Liter-V8-Triebwerk mit 670 PS und galoppiert 330 km/h über die Strecke. Immerhin soll er rund ein Zehntel des Neupreises eines Ferrari FXX K kosten.

Doch nicht nur im Süden wird heiß gekocht. Schweden geht mit dem Koenigsegg Regera an den Start. Und wie! Das Fünf-Liter-V8-Triebwerk wird von drei Elektromotoren unterstützt. Zwei sorgen für stärkeren Vortrieb, einer springt bei den Drehmoment-Schwächen des Achtzylinders ein. Alleine die Elektromotoren summieren sich auf 700 PS. Für die Energie sorgt eine 9,27-kWh-Batterie. Mit einer Systemleistung von sage und schreibe mehr als 1500 PS wird aus dem Namen Regera Programm. Im Schwedischen heißt das nämlich so viel wie “herrschen”. Die Fahrleistungen: Von null auf 400 km/h in weniger als 20 Sekunden.

Dagegen mutet die 1.000 PS Leistung des Hybrid-Rennwagens McLaren P1 GTR fast schon armselig an. Die Renn-Version dieses McLaren übertrifft die Straßenversion um rund 84 PS. Allein der 3.8-Liter-V8 leistet 800 PS. Die Briten wollen es wissen und haben einen weiteren Boliden an den Genfer See gebracht. Der McLaren 675 LT hat, wie der Name schon verrät, 675 PS und will so das Erbe des F1 GTR „Longtail“ antreten. Zu der PS-Kraft gesellen sich eine extreme Aerodynamik und – natürlich – eine Gewichtsreduktion um 100 Kilogramm gegenüber dem 650S. Wer einen der begehrten Renner haben will, muss schnell sein: die Produktion ist auf 500 Exemplare begrenzt.

Nicht ganz so brachial, wie die italienisch-britische Meute kommt der neue Audi R8 um die Ecke. Eigentlich ist die Ingolstädter Flunder ziemlich zahm: Lediglich das deutlich schnittigere Heck macht richtig was her. Obwohl sich der Audi R8 und der Lamborghini Huracan das Leichtbau-Chassis, das aus einer Hybridbauweise aus Aluminium mit Carbonteilen besteht, teilen. Mit einem Trockengewicht von 1.454 Kilogramm ist der neue R8 um rund 50 Kilogramm leichter als der Vorgänger. Trotzdem ist seine Karosserie um 40 Prozent steifer. Beim Antrieb gibt es Neuigkeiten: Das Mittelmotorkonzept wurde beibehalten, aber beim Allradantrieb verteilt jetzt eine Lamellen- statt Visco-Kupplung die Kraft, vollvariabel zwischen Vorder- und Hinterachse, garniert mit einer elektrohydraulischen Lamellenkupplung vorn und einem Sperrdifferential hinten. Der neue R8 wird in einer 540-PS- und einer 610-PS-Variante zu haben sein.

Bei so viel Querdynamik-Kompetenz darf Porsche natürlich nicht fehlen. Die Schwaben haben mit dem 911er GT3 RS eine mehr als adäquate Fahrmaschine an den Genfer See gebracht. Mit 500 PS, die aus dem Sechszylinder-Kraftwerk im Heck des Porsches kommen, einem Doppelkupplungsgetriebe (Handschaltung gibt es leider nicht mehr), dem obligatorischen Riesenspoiler und der zu erwartenden Agilität ist der Brutalo 911er für den sportlichen Wettkampf gerüstet. Der Mercedes AMG GT3 trägt dasselbe Kürzel wie der Zuffenhausener 911er und ist ein reinrassiger Rennsportler, der nach den Regeln der FIA umgebaut ist. Mit rund 510 PS lässt sich der Sternen-GT auch nicht lumpen. Biturbo-Power macht es möglich!

Die exotische Fraktion vertritt der spanische GTA Spano. Der Rochen aus Valencia hat 925 PS, was für eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der 350 km/h gut sein soll. Das-Monocoque aus Kohlefaser Kevlar und Titan sorgt bei einem Gewicht von rund 1,3 Tonnen für genug Steifigkeit. Der James Glickenhaus SCG 003 klingt wie ein futuristischer Whisky-Cocktail. Der New Yorker Investmentbanker und Ferrari-Fan tritt mit seinen Fahrzeugen gerne beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an. Für rund 2,5 Millionen Euro ist der SCG 003 zu haben. Die Motorenpalette reicht bis hin zu einem rund 725 PS starken V12-Triebwerk.

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Wolfgang Gomoll/press-inform