So langsam hat es auch der letzte Hersteller verstanden: ohne SUV ist beim Kunden kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Anzahl der Messestände auf dem Genfer Salon ohne einen Crossover immer kleiner zu werden scheint. Diejenigen, die beim diesjährigen Salon weder SUV noch Geländewagen oder Crossover präsentieren, gelten als echte Verweigerer. Denn mit großer Verspätung zeigt nicht nur Audi mit dem 4,19 Meter langen Q2 den Einstieg in die SUV-Welt mit den vier Ringen. Eine Nummer größer darf nun auch VW-Konzerntochter Seat mit dem Ateca seinen ersten SUV präsentieren. Motorenangebot und technische Basis sind trotz der Länge von 4,36 Meter weitgehend mit dem Audi Q2 identisch. Sehen kann man das jedoch, denn Seat-Entwicklungschef Matthias Rabe unterstreicht, "dass der neue Ateca komplett in Barcelona designt und entwickelt wurde." Dabei zeigt sich der Seat Ateca optisch dezenter als man es von einem Seat erwartet hätte. Das Motorenangebot reicht wie beim kleineren Audi A2 von 115 bis 190 PS - wahlweise mit Front- oder Allradantrieb sowie Handschalter oder Doppelkupplungsgetriebe.

Aus dem gleichen Stall kommt der große Skoda SUV, der als 4,70 Meter lange Konzeptstudie auf der Messe den Namen Vision S Concept trägt. Das Serienmodell, dann als Fünf- oder Siebensitzer verfügbar, dürfte seine offizielle Weltpremiere auf dem Pariser Automobilsalon feiern und preislich auf dem Niveau des Superb liegen. Heißt, es geht bei rund 25.000 Euro los. Das Serienmodell basiert ebenso wie Audi Q2 und Seat Ateca auf dem modularen Querbaukasten und teilt sich somit Antriebsmodule wie Achsen, Motoren und Fahrwerkskomponenten. Ford hat seinen Mittelklasse-SUV Kuga überarbeitet; unter anderem gibt es einen modifizierten Allradantrieb und einen neuen Einstiegsdiesel mit 1,5 Litern Hubraum, 88 kW / 120 PS. "Der neue Kuga bietet ein attraktives Design und zugleich modernste Technologien für bessere Konnektivität, mehr Sicherheit und noch höheren Fahrkomfort", erläutert Joe Bakaj, Vizepräsident von Ford Europa, "die umfassende Neugestaltung verleiht dem Fahrzeug einen frischen Auftritt, während Ford SYNC 3 unterwegs die sprachgesteuerte Nutzung des Smartphones erlaubt, was noch vor wenigen Jahren unmöglich erschien."

Zunehmend aus dem Schatten heraus fährt der koreanische Hersteller SSangYong. Nach dem Tivoli bringen die Asiaten Mitte des Jahres den XLV auf den Markt. Bei einem im Vergleich zum Tivoli unveränderten Radstand von 2,60 Metern misst der XLV 4,40 Meter Gesamtlänge. Der Zuwachs von 23,5 Zentimetern kommt dem Kofferraumvolumen zugute, welches 720 Liter beträgt. Für den Vortrieb stehen bekannte 1,6-Liter-Motoren zur Wahl: der 128 PS starke e-XGi160 Benziner und der e-XDi160 Dieselmotor mit 115 PS. Beide Triebwerke lassen sich mit Front- und Allradantrieb kombinieren. Wohin die Reise bei SsangYong gehen soll, zeigt die Studie des SIV 2. Angetrieben wird er von einem 1,5-Liter-Turbobenziner, der mit einem 10 kW starken Elektromotor-Generator und einer 0,5 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie kombiniert ist. Das 48-Volt-Hybridsystem reduziert die CO2-Emissionen und erhöht die Laufruhe im Leerlauf.

Hybrider Kia Niro

Ungewöhnlich polarisierend zeigt sich auf dem Genfer Salon der Toyota C-HR. Auch abgesehen von der zerklüfteten Front und dem verschrobenen Türgriff hinten zeigt sich der Japaner überaus mutig gezeichnet. Insbesondere optisch gewonnen hat der überarbeitete Peugeot 2008. Mit Kotflügelverbreiterungen, senkrecht stehendem Kühlergrill und Unterfahrschutz wirkt er robuster als bisher, wobei der sinnvolle Allradantrieb auch nach der Modellpflege außen vor bleibt. Die Ausstattungsvarianten Access, Active und Allure werden zukünftig durch die Version GT Line ergänzt. In der europäischen Kundennachfrage liegt der Peugeot 2008 knapp hinter dem Opel Mokka X, der auf dem Genfer Salon nicht nur ein leicht geändertes Design, sondern auch als Namensannex ein "X" verliehen bekam. Mit modernen Motoren, Allradantrieb und LED-Scheinwerfern soll der Opel Mokka X ab sofort machen auf den Klassenprimus Renault Captur. Ebenfalls leicht überarbeitet: der Mitsubishi ASX.

In der gleichen Liga tritt der betont urban positionierte Kia Niro an. "Der Kia Niro bietet den Kunden eine sehr verlockende Kombination von praktischen Crossover-Qualitäten, einem modernen, reizvollen Design, für das Kia bekannt ist, und einem hochentwickelten Hybridantrieb, der die laufenden Kosten niedrig hält", sagt Michael Cole, Chief Operating Officer von Kia Motors Europe. Zum Antriebsstrang des 4,39 Meter langen Hybridmodells gehören ein 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer, der 77 kW /105 PS Leistung und 147 Nm Drehmoment mobilisiert, ein 32-kW-Elektromotor sowie eine Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit einer Kapazität von 1,56 Kilowattstunden. Auf die Vorderräder übertragen wird die Antriebskraft durch ein sechsstufiges Doppelkupplungsgetriebe. Das Hybridsystem hat eine Gesamtleistung von 104 kW / 141 PS und ein maximales Drehmoment von 264 Nm.

Exklusiver und kraftvoller ist das Model X von Tesla unterwegs. Erstmals im Herbst 2012 der Öffentlichkeit präsentiert, feiert der Allradcrossover am Genfer See endlich seine Weltpremiere. Mit der 90 kWh-Batterie im Unterboden soll der Fond-Flügeltürer eine Reichweite von bis zu 470 Kilometern schaffen. 0 auf Tempo 100 schafft das Elektromobil in 3,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Da kann nur noch der Maserati Levante mithalten. Während Ferrari den SUV beharrlich verweigert, zeigt Maserati wie chic ein SUV mit Dreizack sein kann. Die große Ähnlichkeit zum bekannten Infiniti QX 70 irritiert jedoch etwas. Neben dem Levante Diesel mit seinem 275 PS starken V6-Diesel (ab 70.500 Euro) gibt es für die ambitionierteren Piloten des V6-Doppelturbo mit ebenfalls drei Litern Hubraum und 430 PS, der 264 km/h schnell ist und mindestens 88.000 Euro kostet.