Ob groß oder klein - der Suzuki Jimny kommt an. Während Erwachsene seine Geländetauglichkeit bewundern, freuen sich Kinder über sein niedliches Auftreten und seine großen Fenster. "Ich kann hier ja aus dem Fenster schauen!", ist von einem der beiden Sitzplätze im Fond zu hören. Und tatsächlich. Anders als bei modernen Limousinen liegt die Fenster- beziehungsweise Schulterlinie beim Suzuki Jimny ausgesprochen niedrig, wodurch die Fenster verhältnismäßig groß erscheinen. Sitzen im hinteren Zweier-Abteil zwei Kinder auf ihren vorgeschriebenen Sitzerhöhungen bekommt der Begriff Fernsehen auch während der Autofahrt endlich mal wieder einen Sinn für die Kleinen. Der schnell bei genau diesen Nachwuchsfahrern zum neuen Lieblings-Spielzeugauto auserkorene Geländewagen kann aber natürlich mehr, als nur niedlich dreinschauen und große Augen machen.

Der Suzuki Jimny gilt seit jeher als typisches Förster-Auto. Robust, kompakt und vor allem geländetauglicher als nahezu jeder Soccer-Mom-Möchtegern-SUV bahnt er sich seinen Weg durch den Großstadt- und auch echten Dschungel. Wer ehrlich ist, würde sogar mit Blick ins recht spartanisch und mit jeder Menge leicht zu reinigendem Plastik gestalteten Interieur zugeben: Mehr als die drei Knöpfe für die drei verschiedenen Antriebsarten braucht kein Mensch in solch einem Arbeitstier - und er hätte damit völlig recht. Wozu wird ein Infotainmentsystem benötigt, wenn es in seinem Arbeitsgebiet zum einen eh keine befestigten Straßen gibt? Und zum anderen sowohl die Lautstärke des Motors als auch die der Lüftung ab Stufe Zwei jedwede Hoffnung auf das Lauschen von Klavierklängen aus dem Radio zunichtemachen? Die drei Antriebsarten bestehen im Übrigen aus dem Zweiradantrieb, sprich Heckantrieb, dem Allradantrieb und dem Allradantrieb inklusive Geländereduzierung. In den äußerst drehmomentstarken Genuss letzterer Antriebsvariante kommen aber wahrscheinlich nur die wirklich, echten Förster und Waldarbeiter.

Spaß bei rutschigem Untergrund garantiert

Was im Zweifel gar nicht schlimm ist, denn am meisten Spaß macht der 15.590 Euro Winzling eh bei leicht rutschigem Untergrund im Heckantriebsmodus. Schnell noch die Traktionskontrolle deaktivieren und ruck zuck kommt das Heck ins Schwänzeln. Bei solch rabiater und fast schon sportlicher Fahrweise macht die Schaltpunktanzeige natürlich keinen Sinn mehr. Aber auch im Ruhepuls-Modus will das manuelle Fünfganggetriebe so schnell den nächst höheren Gang verpasst bekommen, dass es fast schon lästig wird.

Na gut, irgendwie soll sich ja dem Normverbrauch von 7,1 Litern Super auf 100 Kilometern genähert werden. Nicht wesentlich mehr Liter als der 1,3 Liter große Reihenvierzylindermotor mit 84 PS schluckt der Kofferraum. Wer jedoch die versprochenen 113 Liter richtig zu nutzen weiß, der wird nicht viel vermissen. Denn zwei aufeinander und auch nebeneinander gestapelte Wasserkästen passen gerade so hinein. Darf es mehr sein, genauer gesagt bis zu 816 Liter mehr, müssen nur die beiden in zwei Positionen einrastbaren Rückenlehnen der zweiten Sitzreihe umgelegt werden. Um die Literangaben des LJ 80-Urahn zu komplettieren: 40 Liter fasst der Tank. Das Mini-Handschuhfach sowie die lediglich für Zeitschriften nutzbaren Türfächer dürfen an dieser Stelle einmal unbeachtet bleiben. Nett hingegen sind die Ablagefächer im Fond, wo Stifte, Getränke und bei Müdigkeit auch einfach mal der Kopf abgelegt werden können.

Baumelnde USB-Ports

Eltern, deren kleine Abenteurer auf der Rückbank Platz gefunden haben, wird besonders eine Tatsache freuen: Die hinteren Fenster sind zwar sehr groß, lassen sich aber nicht öffnen. Ganz im Gegensatz natürlich zu den beiden vorderen, die sich automatisch öffnen und schließen lassen - bei solch einem aufs Minimum reduzierten Kraxler keine Selbstverständlichkeit.

Selbstverständlichkeit ist auch ein praktischer Nutzen aller anderen Bauteile, außer dem des Antriebs. Denn eine so gewaltig zur Seite aufschwingende Heckklappe bietet keinerlei Vorteile. Und auch der an ihr angeschlagene Ersatzreifen dient wohl eher dem martialischen Offroad-Designgedanken als allem anderen. Na gut, angesichts des mangelnden Platzes im Innenraum, fiele einem natürlich ein weiterer Grund ein. Zumindest haben es die Japaner geschafft, dass er die Bedienung der Heckklappe in keinster Weise erschwert. Ebenfalls kinderleicht trotz Dreitürer-Konzept ist das Entern des Fonds, da sich die beiden Vordersitze dazu sehr weit nach vorn schieben lassen. In die andere Richtung schaut das leider nicht allzu gut aus. Soll heißen, Fahrer mit langen Beinen könnten in die Versuchung kommen mit genau diesen zu lenken. Bis zu 1,95 Meter Körpergröße passen aber zumindest unter den Dachhimmel.

Was offenbar keinen Platz mehr im Innenraum gefunden hat, sind festeingebaute USB-Ports. Doch warum auch, wenn es auch anders geht. Und so baumeln zwei Kabel mit genau diesen Verbindungsmöglichkeiten auf Kniehöhe aus dem Handschuhfach heraus. Pragmatisch, praktisch, gut. Auch gut ist die Übersicht und die damit einhergehende schnelle Parkplatzfindung. Der kleine Wendekreis in Kombination mit der kompakten und sehr eckigen Außenhaut sowie den großen Seitenspiegeln ergeben eigentlich einen perfekten Cityflitzer. Nur eines stört dabei leider gewaltig: In nahezu jedem Parkhaus wird dem Suzuki Jimny-Fahrer schon bei der Einfahrt durch ein lautes Klacken suggeriert, dass dieser kleine Autowicht zu hoch sei. Der Grund ist lang und dünn: Die überaus als zu lang zu bezeichnende Antenne vorn links.