| von Wolfgang Gomoll / Stefan Grundhoff, press-inform

Auch in der europäischen Taxi-Metropole London ist nichts mehr so, wie es einmal war. Hier liefen die schwarzen und dunkelroten Citymobile jahrzehntelang nahezu unverändert durch die engen Gassen. Rechtliche Rahmenbedingungen sorgten dafür, dass die London Taxi Company zwar nahezu eine Monopolstellung hatte; jegliche Innovationen verschlief und 2013 allein durch die Übernahme des chinesischen Geely-Konzern vor dem Bankrott gerettet werden konnte. Im englischen Coventry sollen spätestens ab Anfang 2018 die neuen London-Taxis vom Band laufen. Im Gegensatz zu den bisherigen Modellen, soll der Designcharakter des Verkehrsmittels zwar erhalten bleiben, ein Elektroantrieb jedoch die strengen Emissionsvorschriften für die Londoner Innenstadt erfüllen. Die Neuausrichtung rief potenzielle Konkurrenten auf den Plan. Der indische Wettbewerber Frazer-Nash - bis in die 50er Jahre legendäre britische Karosserieschmiede - überholte den chinesischen Geely-Konzern mit seinem New Metrocab rechts und hat bereits eine elektrische Kleinflotte im Probebetrieb. Geely klagte gegen das ansonsten wenig in China verteufelte Taxi-Plagiat und verlor

Der indische Geschäftsmann Kamal Siddiqi begann sich in den 1980er Jahren einen Bauchladen aus verschiedenen Autofirmen zusammenzukaufen. "Das fing vor 25 Jahren mit Gokarts an", erzählt Sohn Sheban Siddiqi. Was damals mit einer Bastelei anfing, soll heute in London für fast emissionsfreie Taxifahrten sorgen. "Wichtig ist die Skalierbarkeit", erklärt Sheban Siddiqi. Beim New Metrocab geht die Kraft der zwei bürstenlosen E-Motoren auf die Hinterachse. Ein digitales Differential, also Software, mit der die Räder einzeln angesteuert werden, hilft bei den Kurven. Schließlich ist für London Taxis ein Wendekreis von maximal 7,6 Metern vorgeschrieben. Angeblich wird der durch die Wendemöglichkeit vor dem mondänen Ritz-Hotel definiert. Das schafft das New Metrocab. Die beiden 50 kW / 68 PS-Triebwerke garantieren strammen Vortrieb; kein Wunder bei einem maximalen Drehmoment von zweimal 1.400 Newtonmetern. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 130 km/h abgeriegelt.

Mehr Komfort - und Elektroantrieb

Trotz seiner Länge von 4,91 Metern und des Leergewichts von 1.750 Kilogramm schieben die beiden E-Motoren kräftig an. Auch das digitale Differential funktioniert: Der Personentransporter geht entspannt um die Kurven. Für einen Taxifahrer ist wichtig, was unter dem Strich in der Geldbörse bleibt. Laut Sheban Siddiqi wird das E-Metrocab seinen Betreibern mehrere tausend britische Pfund im Jahr sparen. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,8 Liter auf 100 Kilometern und einer CO2-Emission von weniger als 50 g/km unterbietet das neue London Taxi seinen Vorgänger in diesem Bereich um rund 75 Prozent. Die maximale Reichweite: 644 Kilometer. Die beiden E-Motoren werden von einer 12.2-kWh-Lithium-Ionen-Batterie gespeist. Ein Dreizylinder-Benzinmotor sorgt dafür, dass der nicht der Saft ausgeht. Die Ladezeit der Batterie beträgt rund fünf Stunden. Sinnigerweise liefert Frazer-Nash die Ladestation inklusive Solarstellen gleich mit. Bei den traditionell kritischen Londonern Taxlern, kommt das neue Taxi gut an. Für James Sinclair ist "dieses Taxi ist einen riesen Schritt nach vorne". Ein anderer will sogar seine Rente verschieben, um noch einmal in den Genuss zu kommen, "The New Metrocab" zu pilotieren. Ganz entscheidend für den Erfolg des Personentransporters wird die Zuverlässigkeit der Technik sein. Die Londoner Taxifahrer sind bekannt dafür, ihr Arbeitsgerät hart ranzunehmen.

Die angestaubte Silhouette täuscht. Denn unter dem traditionell anmutenden Blechkleid steckt moderne Technik. Eine Luftfederung sorgt für Komfort und im Passagierraum herrscht keine Enge. Die Batterie befindet sich im Unterboden und der Motor so klein, dass die Motorhaube kürzer ist. Sechs Passagiere statt bisher fünf können im neuen London Taxi transportiert werden. Die haben auch mehr Platz als bisher. Selbst bei Vollbesetzung. Die vorgeschriebene Rampe für Rollstuhlfahrer ist ebenfalls installiert. Auch der Lenker hat es bequem. Ein virtuelles Cockpit versorgt ihn mit den notwendigen Daten. Im Gegensatz zu den Ambitionen der englisch-indischen Firma: Ab 2018 soll in der Londoner Innenstadt emissionsfreier Verkehr rollen. Dann will Frazer-Nash 3.000 bis 5.000 Taxis pro Jahr verkaufen. Später soll sich diese Zahl verdreifachen: Die wichtigsten Märkte sind neben Großbritannien, Asien und Australien, aber auch Frankreich und Deutschland. Mal sehen, was der Geely-Konzern darauf zu entgegnen hat. Erst einmal muss die Fabrik am Stadtrand von Coventry fertiggestellt werden.

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