| von Stefan Grundhoff

Vor rund fünf Jahren präsentierte Toyota mit dem Mirai sein ersten Großserienfahrzeug mit Brennstoffzelle. Dass die Großserie sehr überschaubare Volumina hervorbrachte, lag nicht allein am schrägen Design des Fünftürers. War schon der Prius keine Schönheit, so karikierte der Mirai das verschrobene Prius-Design nochmals. Mit dem neuen Mirai, der Anfang kommenden Jahres seine Marktpremiere feiern wird, sieht das alles anders aus. Denn auch wenn die fünftürige Coupélimousine über einen Brennstoffzellenantrieb verfügt, macht der Mirai II zunächst einmal durch sein Design auf sich aufmerksam. Das 4,98 Meter lange Coupé erinnert mit seinen gefälligen Proportionen und schicken Linien eher an einen Audi A7 oder ein BMW 8er Gran Coupé als an den wenig eleganten Prius. Er ist dabei 6,5 Zentimeter tiefer als das bisherige Modell und nennenswert breiter, während der Radstand um 14 Zentimeter wuchs.

"Wir haben das Auto konzipiert, weil die Menschen es wegen seiner Leistung und seines Aussehens besitzen wollen. Nicht allein, weil es ein FCEV ist", so Yoshikazu Tanaka, Chefentwickler des neuen Mirai. Die einstigen Proportionen eines Badewannen-Kugelfischs, der in der Vorweihnachtszeit zu viele Plätzchen verdrückt hat, sind verschwunden und stattdessen glänzt die Neuauflage mit fließenden Formen und Rädern, die ihren Namen auch verdient haben. Serienmäßig läuft der Viertürer auf 19-Zöllern und wer es noch etwas sportlicher mag, lässt ab Werk sogar 20-Zöller aufziehen. Toyota hat die Zeichen der Zeit erkannt und nicht nur beim neuen Mirai-Design deutlich nachgelegt. Das gilt auch für das Konzept, denn der Mirai ist nicht nur ein überaus schickes Coupé, sondern hat seinen Antrieb nunmehr auch an der Hinterachse.

Unter dem Blechkleid gibt es vorne die neue Brennstoffzellengeneration der technikverliebten Japaner. Die drei Tanks in T-Form sind im Unterboden des Fahrzeugs verbaut. Einer sitzt im Heck der Autos hinter der Achse, einer davor und der dritte im breiten Mitteltunnel - zusammen sind das 142,2 Liter Volumen. So konnte auch eine erhöhte Tankkapazität von 5,6 Kilogramm Wasserstoff verwirklicht werden, die die Reichweite um rund 30 Prozent erhöht. Ohne Nachtanken schafft der neue Mirai nunmehr bis zu 650 Kilometer. Im Gegensatz zu einem reinen Elektroauto ist das Nachtanken in fünf Minuten beendet, so Projektmanager Ryotaro Shimizu: "Das Auto ist an sich kein Zero-Emission-Auto, sondern ein Minus-Emission-Fahrzeug, weil die Luft, die aus dem Auspuff herauskommt sauberer ist, als die, die es vorne ansaugt." Das Ganze ist in Innern des Mirai II auf dem zentralen Multifunktionsbildschirm visualisiert. Hier laufen Jogger hinter dem Fahrzeug her und sollen bildlich zeigen, wie viel Gutes der Mirai während der Fahrt getan hat.

Hörbare Brennstoffzelle

Auch wenn der Japaner nunmehr über einen Heckantrieb verfügt, kann der Raum unter der vorderen Haube nicht für Gepäck genutzt werden. Hier sind zahlreiche Nebenaggregate sowie der Brennstoffzellenstack mit seinen 330 Zellen untergebracht, der trotz zehn Prozent weniger Zellen über eine höhere Leistungsdichte von 4,4 statt bisher 3,1 kWh/l verfügt. Die Motorleistung ist im Vergleich zum Vorgänger zwar auf 128 kW / 174 PS gewachsen, doch für ein Auto dieser Dimensionen, dieses Gewichts (1.950 kg) und auch dieses Designs ist die Leistung unverändert überschaubar. Immerhin gibt es einen Leistungsnachschlag von 20 Prozent und einen Effizienzgewinn von zehn Prozent im Vergleich zum Erstlingsprodukt. Längst kein Problem ist mehr das Kaltstartverhalten. "Das klappt mittlerweile bis zu einer Temperatur von -30 Grad Celsius", unterstreicht Chefentwickler Yoshikazu Tanaka. Statt der bisherigen NiMH-Batterie arbeitet im Verborgenen ein Lithium-Ionen-Akkupaket mit 84 Zellen, das 44,6 Kilogramm auf die Waage bringt.

Hinter dem Steuer spürt man von der Brennstoffzelle selbst erst einmal wenig. Gang eingelegt und flott losfahren funktioniert wie bei einem normalen Elektroauto, das seine Energie langwierig in das Akkupaket hereinpresst. Entsprechend leise ist der Antrieb. Zu hören ist trotz umfangreicher Dämmmaßnahmen gerade bei mittleren Geschwindigkeiten ein Geräusch aus dem vorderen Bereich der Mittelkonsole, wo der Wasserstoff durch einen aufwendigen Prozess in elektrische Energie umgewandelt wird. Dass der Verarbeitungsprozess für Fahrer und Passagiere nicht völlig geräuschlos vonstatten geht, liegt auch daran, dass der Mirai II ansonsten völlig leise unterwegs ist. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten ist allenfalls das leise Säuseln des Fahrtwindes und die Abrollgeräusche der Pneus zu vernehmen. Dann ist auch von der Brennstoffzelle nichts mehr zu hören.

Coupé mit Heckantrieb

Es macht Spaß den Toyota Mirai zu fahren, denn er liegt gut auf der Straße. Dabei ist er komfortabel und alles andere als sportlich. Doch die elektrische Leistung von 174 PS reicht zusammen mit den 300 Nm maximalen Drehmoment locker aus, um auch beim Überholvorgang einen kleinen Zwischenspurt hinzulegen oder auf der Autobahn die linke Spur zu belegen. Bei Tempo 180 wird allerdings abgeregelt. Für das gute Fahrgefühl sorgt nicht zuletzt die ausgewogene Gewichtsverteilung von 50:50 sowie die Basis der TNGA-Plattform, eine steife Karosserie sowie die neu entwickelte Mehrlenkeraufhängung vorne wie hinten. Wichtiger denn je der niedrige Schwerpunkt, der bei schnellen Kurvenfahrten Laune macht, auch wenn die Lenkung mehr Rückmeldung von der Fahrbahn geben dürfte

In Sachen Platzangebot kann der Mirai in erster Linie vorne glänzen. Hier sitzt es sich auf den elektrischen und klimatisierten Ledersesseln so bequem, dass man sich auf längeren Strecken bis hin zum 650 Kilometer entfernten Tankstopp freut. Die beiden Displays hinter dem Steuer und in der Mitte der Armaturentafel sind modern, typisch Toyota und allemal informativ. An die Bedienung per Touch gewöhnt man sich schnell, auch wenn einen das Informationsspektrum gerade in den Brennstoffzellendarstellungen anfangs irritiert. Im Fond sieht es etwas anders aus, denn auch wenn der Mirai II nunmehr offiziell als Fünftürer firmiert, können im Fond ernsthaft keine drei Personen sitzen, wenn sie den Kinderschuhen entwachsen sind. Und für Personen ab 1,75 Meter wird es mit der Kopffreiheit ohnehin eng. Hier machen sich das Paket aus Heckantrieb sowie Wasserstofftanks im Unterboden bemerkbar, die auf eine abfallende Coupédachlinie treffen.

Bleibt die Frage nach dem Preis. Durch eine Kostenreduzierung von 20 Prozent im Vergleich zum Vorgänger würde der komplett ausgestattete Toyota Mirai knapp 65.000 Euro kosten. Davon versprechen sich die Japaner, die Stückzahlen in deutlich höhere Dimensionen zu drücken. Im Gespräch sind zehnmal mehr Fahrzeuge als beim bisherigen Mirai, der allerdings nur in mikroskopisch kleinen Volumina bei ein paar Energieversorgern und öffentlichen Einrichtungen auf kleine Fahrt ging.

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