Die Szenerie hatte nichts Außergewöhnliches. Die Bühne war im schlichten Weiß gehalten. Toyota eben. Keine Schnörkel, kein großes Tamtam. Der einzige Farbklecks war das metallic blau schimmernde Fahrzeug, das auf der Bühne stand. Das FCV (Fuel Cell Vehicle) war der Star der Veranstaltung. Denn Toyota macht bei der Brennstoffzellen-Technik Nägel mit Köpfen: Wie versprochen wird das erste Serien-Brennstoffzellen-Fahrzeug im ersten Quartal des nächsten Jahres in Japan auf den Markt kommen. Schon im Sommer 2015 soll das Serien-FCV in Europa und in den USA zu haben sein.

Der Preis für das futuristische Vehikel wird in Japan rund 50.000 Euro betragen. Auch wenn das Auto in Europa mehr kosten dürfte, ist das durchaus eine Ansage. Bisher waren Brennstoffzellen-Fahrzeuge astronomisch teuer. Diese radikale Kostenreduktion erreichen die Japaner mit neuen Produktionsverfahren und neuer Technik. Toyota hat eine Brennstoffzelle entwickelt, die ohne zusätzlichen Membran-Befeuchter auskommt. Auch das Gewicht und die Größe der Brennstoffzelle wurden verringert. Der Treibstoff wird in zwei Tanks untergebracht sein, die in drei Minuten betankt sein sollen.

Anlässlich der Präsentation sparte Toyota-Vizepräsident Mitsuhisa Kato nicht mit blumigen Worten und präsentierte sein Unternehmen als Vorkämpfer für eine Gesellschaft, die im Einklang mit der Umwelt lebt. „Toyotas Aufgabe ist es, umweltfreundliche Autos zu entwickeln“, erklärte der Manager. Außerdem sollen die neuen Fahrzeuge „die Kunden lächeln lassen.“ Damit griff er eine Vorgabe auf, die Toyota-Chef Akio Toyoda verkündet hatte. Nämlich deutlich emotionalere Produkte zu produzieren. „Belohnt mit einem Lächeln“ – lautet die Maxime. Das schafft das FCV. Zumindest optisch: Die Brennstoffzellen-Limousine folgt dem Formenspiel der FCV-Studie und sieht schnittig aus.

Mit der Serienreife des Brennstoffzellen-Autos vollzieht sich auch ein Strategiewandel bei Toyota. Der Hybridantrieb ist nicht mehr das allein seligmachende Mobilitätskonzept. Der Einsatzbereich des Fahrzeugs bestimmt den Antrieb: So sind reine E-Autos für den urbanen Bereich gedacht. Die Brennstoffzelle dagegen garantiert eine Reichweite von rund 700 Kilometern und soll auch in Busen und Lkws verwendet werden. Damit wird den Autofahrern die Reichweitenangst genommen. Natürlich sollen Brennstoffzellenautos noch billiger werden. Allerdings ist damit noch nicht das Problem der fehlenden Wasserstoff-Tankstellen-Infrastruktur gelöst.

Damit ist die Entwicklung der neuen Technologie aber noch längst nicht zu Ende. „Wichtig ist, dass wir die Entwicklung in den eigenen Händen behalten“, macht Mitsuhisa Kato klar. Da passt es ins Bild, dass Toyota die Zusammenarbeit mit Tesla zum Ende des Jahres auslaufen lässt. Der amerikanische Elektro-Autobauer hatte Batterien und Antriebsstrang für die elektrisch angetriebene Version des Kompakt-Geländewagens RAV4 geliefert.

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Wolfgang Gomoll; press-inform