| von Stefan Grundhoff

Modelle wie VW Caddy, Renault Kangoo oder Citroen Berlingo sind nicht nur bei Familien mit mehreren Kindern überaus beliebt, von denen ein nennenswerter Teil auf die schickeren und etwas trendigeren SUV umgestiegen ist. Ungebrochen ist die Nachfrage in der Fahrzeugklasse bei den gewerblichen Kunden, denn als Kleinlastwagen sind eben ein VW Caddy, der Mercedes Citan oder ein Ford Tourneo Connect beliebter denn je. Keine leichte Aufgabe für Designer und Entwickler der Fahrzeuge, denn es gilt Wünsche und Ansprüche von Familien mit zumeist zwei bis drei Kindern sowie Handwerkern, Kurierfahrern oder Freizeitsüchtigen unter einen Hut zu bringen. Dabei macht der Preis die Musik - teuer und edel geht in dieser Liga nichts.

Keine Frage, das Paket ist mit dem VW Caddy der fünften Generation gelungen. Er ist optisch ganz Caddy, praktischer denn je und im Innern mittlerweile fast auf Golf-Niveau. Das liegt an der Plattform, denn erstmals ist der Caddy auf dem modularen Querbaukasten (MQB) des Volkswagen-Konzerns unterwegs und darauf rollt mittlerweile fast alles unterhalb des Passats, was das frisch renovierte VW-Logo auf dem Kühlergrill trägt. Dabei glänzt der Caddy mit bekannten Tugenden, moderner Bedienung und einer guten Verarbeitung sowie einem klaren Bekenntnis zum Dieselmotor. Denn während andere Marken und selbst Volkswagen im Pkw-Bereich um das Wort Elektro nur noch schwer in drei aneinandergehängten Sätzen herumkommen, sieht das bei VW Nutzfahrzeugen in Hannover ganz anders aus. Wer einen Caddy will, der will auch einen Diesel. Kein Wunder, dass man davon ausgeht, dass sich rund 90 Prozent der Kunden - privat wie geschäftlich - für einen der sparsamen Selbstzünder entscheiden werden. Wer unbedingt will, bekommt einen 114 PS starken Turbobenziner, einen 130 PS starken Gasantrieb und wohl erst ab 2022 auch eine Elektrifizierung als Plug-in-Hybrid.

Der Standard-Caddy ist 4,50 Meter lang; knapp zehn Zentimeter länger als sein Vorgänger, wovon über sieben Zentimeter dem Radstand und somit Innen- und Laderaum zugutekommen. Der verlängerte VW Caddy Maxi sieht deutlich klobiger aus; glänzt mit seiner Gesamtlänge von 4,85 Metern jedoch mit deutlich mehr Laderaum oder wahlweise einer dritten Sitzreihe, die ihn zum Siebensitzer macht. Der kurze VW Caddy kann bis zu 3,3 Kubikmeter laden; die Langversion 4,0 Kubikmeter. Durch die 74 Zentimeter breite Schiebetür des XXL-Caddy kann in der Mitte eine zweite Europalette eingeladen werden. An Platz mangelt es keiner der Versionen. Deutlich moderner und sehr übersichtlich: das neue Cockpit, auf Wunsch komplett animiert und per Sprache zu bedienen mit einem bis zu zehn Zoll großen Multifunktionsbildschirm für Navigation und Bedienung der Fahrfunktionen. An die Slider und Taster an der Unterseite muss man sich jedoch wie bei Golf 8 und Co. gewöhnen. Besser als bisher sind die Sitze mit einer entsprechenden Konturierung.

Kein Elektroantrieb

Im privaten Bereich wird das Topmodell mit seinem zwei Liter großen Commonrail-Diesel und einer Leistung von 90 kW / 122 PS den Ton angeben. Gestrichen wurde das bisherige Topmodell mit einem 150 PS starken Diesel - die Nachfrage war einfach zu gering. Das Paket mit dem 2.0 TDI passt, denn die Abstimmung mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe ist vorbildlich und der Durchzug dank 320 Nm ab 1.600 U/min ordentlich. Trotzdem könnte der rollende Skischuh gerade bei entsprechender Beladung und einer längeren Fahrt in den Urlaub beim Überholen oder schnellem Autobahntempo ein paar PS mehr vertragen, denn mit seinen 1,7 Tonnen ist er alles andere als ein Leichtgewicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 187 km/h allerdings ebenso ausreichend wie der gute Normverbrauch mit 4,7 Litern Diesel auf 100 Kilometern.

Etwas besser könnte es um die Geräuschdämmung bestellt sein, denn auch wenn der Caddy 5 hier im Vergleich zu seinem Vorgänger gerade bei hohen Tempi ruhiger unterwegs ist, ist der Unterschied zu einem Modell wie dem VW Golf am größten. Deutlich verbessert zeigt sich das Fahrverhalten im Vergleich zum Caddy der Generation vier. Kein Wunder, denn der VW Caddy fährt mit der Vorderachse des Golf 8 und hat ganz nebenbei auch die meisten seiner Fahrerassistenzsysteme. Einlenkverhalten und Komfortniveau sind deutlich besser als bisher und die Hinterachse - eine längslenkergeführte Starrversion mit Panhartstab - wirkt auch ohne Beladung nicht mehr derart stößig wie bisher. Die Zuladung liegt bei 525 Kilogramm. Der familiäre Lastmeister rollt dabei auf Rädern von 16 bis 18 Zoll Größe, die angesichts der üppigen Karosserieflächen mindestens eine Nummer größer sein dürften. Ab kommendem Jahr wird für den Caddy auch ein Allradantrieb nachgelegt, der sich nicht nur bei Post und Lieferdiensten in den Bergen einer großen Beliebtheit erfreut. Leider soll diese nur als Handschalter angeboten werden. Die meisten Hersteller machen es genau andersherum.

Variabel und zwei Schiebetüren

In Sachen Elektrifizierung hält sich Volkswagen beim neuen Caddy überraschend zurück. Kaum anzunehmen, dass der Plug-in-Hybride, dann erstmals mit dem 1,5 Liter großen TSI-Modul gekoppelt, noch im kommenden Jahr den Weg zu den Kunden schafft. Dabei soll die rein elektrische Reichweite dank Akkupaket und eines 90-kW-Elektromoduls bis zu 100 Kilometer betragen. Anzunehmen, dass einige Kunden hier zugreifen würden, auch wenn die Nutzlast des VW Caddy von 850 Kilogramm beim Plug-in-Hybriden auf gut 600 Kilogramm rutscht.

Für die Gewerbetreibenden noch wichtiger als die Privatnutzer: eine hohe Nutzlast. Praktisch sind die steileren Wände und den so für Innenregale besser nutzbaren Aufbau. Zudem fährt die neue Hinterachse nicht nur besser, sondern ermöglicht auch das Ein- und Ausladen einer Europalette. Das dürfte die Privatkunden weit weniger interessieren als die verschiedenen Radstände, Türkonzepte und das erstmals verfügbare Panoramadach, das sich jedoch nicht mit einer Innenjalousie verschatten lässt und so bei starken Sonneneinstrahlung für Blendung sorgen kann. Unpraktisch: zwar werden mit der fünften Caddy-Generation neue Zuziehhilfen eingeführt, doch eine elektrische Bedienung für die mächtige Heckklappe und die beiden Schiebetüren sind selbst bei den höherwertigen PKW-Versionen nicht einmal gegen Aufpreis zu bekommen. Der Basispreis für einen VW Caddy Eco Profi mit 102 PS und Sparausstattung liegt bei 25.044 Euro. Der schickere und deutlich besser ausgestattete Caddy Style kostet mit dem 122-PS-Diesel mindestens 32.297 Euro. Mit LED-Scheinwerfern, Doppelkupplungsgetriebe, Navigationssystem, Keyless Access und Winterpaket ist die 40.000-Euro-Marke jedoch zum Greifen nah.

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