| von Stefan Grundhoff

Wer Spaß am Autofahren hat, wird am neuen ID.3 seine helle Freude haben. Nach mehr als 300 Kilometern in der niedersächsischen Tiefebene auf Landstraßen, Autobahnen, in der Wolfsburger Innenstadt und namenlosen Backsteindörfern hat der elektrische Neuling auch im realen Alltag zeigen können, was er kann. Der Schwerpunkt ist durch das Akkupaket tief und die Gewichtsverteilung nahezu ideal. Kurvenfahrten, herausbeschleunigen und lässig cruisen - das macht wirklich Laune im ID.3. Dass das Elektroauto aus Zwickau über die Hinterachse angetrieben wird, ist fahrdynamisch eine feine Sache. Dabei hat man die Wahl zwischen dem normalen Fahrmodus D, bei dem das Elektromodell im Verkehr munter vor sich hin rollt, oder dem B-Modus, der für maximale Rekuperation steht. Daran gewöhnt man sich sehr schnell und für die meisten Kunden dürfte das B-Fahrprogramm das ideale sein, weil es durch das "One-Pedal-Feeling" das Bremspedal nahezu arbeitslos macht.

Einzig auf der Autobahn taugt er wohl kaum zum Kilometerfresser, denn wer längere Strecken im forschen Elektrotempo zurücklegt, der merkt schnell, dass die ordentliche Reichweite von bis zu 426 Kilometern mit dem mittleren Akkupaket schneller als gewünscht zusammenschrumpft. Und abgelesene 166 km/h Maximalgeschwindigkeit sind nicht allzu viel, wenn man elektrisch Kilometer schrubben will. Sportlich: aus dem Stand beschleunigt der Hecktriebler in 7,3 Sekunden auf Tempo 100.

Der Normverbrauch liegt zwischen 14,5 und 15,4 kWh. Neben der 150 kW / 204 PS starken Startversion folgt Anfang 2021 eine leistungsschwächere Variante mit 107 kW / 146 PS, die für viele Kunden ebenfalls reichen dürfte. Wem die rund 420 Kilometer Reichweite nicht ausreichen, der kann sich optional für das größere Akkupaket mit 77 kWh entscheiden, das die Reichweite ohne Nachtanken an der Elektrozapfsäule auf stattliche 550 Kilometer verlängert. Der VW ID.3 kann dafür wahlweise mit Wechselstrom (AC) und Gleichstrom (DC) geladen werden und ist schnellladefähig. Die Topversion lädt mit bis zu 125 Kilowatt Leistung in einer halben Stunde für die nächsten 350 Kilometer Strecke.

Viel Platz im Innern

Hat der 4,26 Meter lange VW ID. 3 damit das Zeug zum Golf der Zukunft? Das hat er, denn er macht vieles neu und das meiste richtig. Der Innenraum ist puristisch, was Designfans erfreuen mag und Liebhaber des BMW i3 in die Neuzeit erhebt. Doch der wohlige Charme eines VW Golf - egal welcher Generation - bleibt einem im ID.3 wohl nicht ganz zufällig verborgen. Das liegt an Details wie dem allzu kleinen Digitaldisplay hinter dem Lenkrad, den fehlenden Bedieninseln auf der Mittelkonsole, die zwar jede Menge Ablagemöglichkeiten, jedoch keine Schalter mehr beinhaltet. Die einzelnen Fahrstufen werden - ebenfalls wie beim mittlerweile fast acht Jahre alten BMW i3 - über einen Drehknubbel an der Instrumenteneinheit bedient. Das allzu klein dimensionierte Display hinter dem Lenkrad hat seinen Grund: die wichtigsten Informationen soll der Fahrer über das Head-up-Display bekommen. Im Vergleich zu bekannten Systemen wirkt gerade der untere Informationsteil des Head-up-Displays jedoch wie ein Diavortrag aus den frühen 70er Jahren. Wirklich modern und High-tech ist das Ganze mit seinen drei Themeninseln nicht. Besser sieht es im oberen Teil aus, wo einen die Pfeile durch Augmented Reality förmlich in die Straße hereinführen.

Dabei fährt der VW ID.3 nicht nur gut, er hat auch jede Menge Platz. Zwar ist man anders als von dem ein oder anderen Marketingstrategen erwähnt nicht ganz auf Passat-Niveau unterwegs, doch hat man vorne wie hinten sehr üppige Platzverhältnisse für ein Auto der Kompaktklasse. Gerade die Beine und der Kopf müssen dank des 2,77 Meter langen Radstandes kaum Einschränkungen auf sich nehmen. Anders sieht es mit der Schulterfreiheit aus, doch insbesondere mit dem großen Akkupaket, das den ID.3 Pro S bis zu 550 Kilometer weit fahren lässt, ist das Elektromobil ohnehin nur noch ein Viersitzer. Und mehr als vier Personen sollte im ID.3 ohnehin nicht sitzen. So modern und puristisch der Golf der Zukunft im Innenraum auch erscheint - es gibt es die ein oder andere Detailschwäche. So sind die Sitze gut konturiert und wohl geformt. Doch beheizen lassen sich diese nur vorn - im Fond kann man zwar auf eine getrennte Klimaregelung wohl verzichten, aber für die kalte Jahreszeit wäre eine Sitzheizung allemal angebracht. Die bietet nur der größere Bruder ID.4, der ebenfalls noch diesem Jahr seine Premiere feiern soll. Das Dreispeichenlenkrad ist modern und allemal griffig, doch die Bedienung mit den Touchmodulen ist nicht derart einfach, wie man es sich gewünscht hätte. Man muss sich daran gewöhnen, dass verschiedene Funktionen bedrückt werden müssen, während andere auf dem Slider verschoben werden.

Das gilt auch für die elektrische Heckklappe, denn diese lässt sich - ungewöhnlich für ein brandneues Kompaktklassemodell - nicht einmal gegen Aufgeld elektrisch bedienen, um an den 385 bis 1.267 Liter großen Laderaum zu gelangen. Elektrisch öffnen und schließen lässt sich immerhin das Sonnenrollo des Panoramadach - das Dach selbst bleibt mit Hinweis auf ein allzu geringes Kundeninteresse jedoch immer geschlossen. Serienmäßig sind zahlreiche Fahrerassistenzsysteme, LED-Scheinwerfer, Navigation, 10-Zoll-Zentraldisplay und 19-Zoll-Räder. Bleibt der Preis: Der VW ID.3 startet mit zwei Modellvarianten; dem Pro Performance, der ab 35.575 Euro kostet und bis 426 Kilometer weit fahren kann und dem ID.3 Pro S der - ebenfalls 150 kW / 204 PS stark - mit seiner 77-kWh-Batterie bis zu 550 Kilometer weit kommt. Er kostet mindestens 40.936 Euro.

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