Volvo XC90

Die neue Frontpartie des Volvo XC90 wird von T-förmigen Tagfahrleuchten geprägt. Bild: Volvo

Chinesen stapeln mitunter gerne tief. Chairman Li Shufu vom Autobauer Zhejiang Geely nannte sein Team vor fünf Jahren “eine Horde von Bauernjungen”. Die damalige schwedische Ford-Tochter Volvo sei dagegen “eine mysteriöse, schöne Frau”. Auf diese Weise reagierte Li zunächst auf kursierende Übernahmespekulationen. Mittlerweile sind die Jungs vom Lande mit der Schönheitskönigin im größten Auslandsdeal der chinesischen Autobranche fest verbandelt. “Wird das Auto ein Erfolg, werde ich stolz darauf sein”, sagte Li jüngst. “Falls nicht, ist das für mich sehr schmerzhaft.”

Der XC90 soll zwischen 65.000 und 135.000 Dollar kosten. Es tritt gegen die Konkurrenten von BMW und Audi an. Das SUV wird eines zeigen: Kann es eine chinesische Autofirma mit den deutschen Premiumherstellern aufnehmen? Das Auto basiert auf einer neuen Plattform, die für mehrere Modelle verwendet werden kann. Das Modell liefert ein erstes Anzeichen dafür, welche Richtung Volvo unter Li einschlägt. Mehr als alles andere muss der XC90 für Furore sorgen.

Volvo

Der XC90 ist mit einer elektronisch geregelten Luftfederung erhältlich, die über fünf Modi verfügt. Bild: Volvo

“Zunächst müssen wir unsere Position auf etablierten Märkten wie Europa und den USA konsolidieren und verbessern. Anschließend können wir unser Standbein in Schwellenländern wie China stärken”, erklärte Li in einem Interview. Volvos Umsätze in China stiegen im Lauf der vergangenen Jahre kräftig an. Aber in den USA krankt das Geschäft, obwohl die Gesamtnachfrage dort erheblich zulegt. Auch in Europa kommt Volvo nicht richtig in die Gänge. Die schwedische Traditionsmarke muss sich sehr strecken, um weiter Profite auszuweisen.

Operative Marge noch zu niedrig

Volvo schrieb vergangenes Jahr zwar schwarze Zahlen. Die operative Marge von 1,6 Prozent rangierte jedoch weit hinter den Premium-Wettbewerbern und dem eigenen Ziel von 8 Prozent bis 2020. Håkan Samuelsson ist der von Li vor zwei Jahren installierte CEO. Seiner Meinung nach markiert der XC90 die Spitze einer ganzen Reihe von ehrgeizigen Projekten. Volvo plane zum Beispiel ab kommendem Jahr den Export von Fahrzeugen aus neuen chinesischen Werken. Als nächstes soll die Limousine S90 auf den Markt kommen, die viele Merkmale mit dem XC90 teilt.

Die USA gelten als wichtiger Bestimmungsort für Autos aus China. Der Markt ist ein großer Hoffnungsträger des Konzerns. Die japanische Konkurrenz führt schon lange Autos in die USA aus, nutzt dadurch positive Währungseffekte und unterausgelastete Kapazitäten. Noch kommen die Chinesen in den USA aber nicht groß heraus.

Samuelsson bläst beim XC90 ins gleiche Horn wie sein Chef. “Dieses Auto muss einfach ein Hit werden.” Er verwies insbesondere auf den US-Markt. Der XC90 müsse weltweit die Lücke zu anderen Premiummarken schließen. Er zählt eine Reihe technologischer Merkmale auf und gibt für seinen Optimismus auch die Finanzierungsoptionen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an. Das neue Modell ist das erste Volvo-Debüt auf dem US-Markt seit 13 Jahren. Damals trieb die erste Version des XC90 den US-Absatz auf Rekordhöhen. Das neue Modell wartet mit einem schicken Touchscreen-Kontrollzentrum und einem Turbomotor mit vier Zylindern auf, der auf 400 PS kommt.

Ein Hoffnungsträger namens XC90

Kevin Flanagan kann die Ankunft des XC90 kaum abwarten. Er ist Präsident der Smythe-Volvo-Handelsniederlassung in New Jersey. Sein Unternehmen werde alles aufbieten, um das Fahrzeug erfolgreich zu vermarkten. “Dieses Auto muss zum Erfolg reifen, damit Volvo in den USA auf festen Füßen stehen kann.” Vor der Rezession verkaufte Smythe Volvo rund 900 Fahrzeuge im Jahr, jetzt sind es nur noch 600.

Li will die große Reputation der schwedischen Marke wieder herstellen. Er verweist auf die glorreichen 1960er und 1970er Jahre, als Volvo so etwas wie das Maß aller Dinge – vor allem in punkto Sicherheit – war.

Volvo

Der neue XC90 baut als erstes Modell der Schweden auf der skalierbaren Produkt-Architektur (SPA) auf. Sie erlaubt durch ihre Flexibilität die Fertigung aller Modelle auf einer Produktionslinie. Bild: Volvo

Im Jahr 2004, kurz nach der ersten Version des XC90, schoss der US-Absatz auf das Rekordhoch von fast 140.000 verkauften Wagen. Doch im vergangenen Jahr waren es gerade noch rund 60.000 Stück. Die Auslieferungen bröckelten dieses Jahr um rund 10 Prozent ab, obwohl der Gesamtmarkt so gut läuft wie seit 2006 nicht mehr. “Wir müssen so schnell wie möglich wieder mehr als 100.000 Modelle absetzen”, gibt Samuelsson die Richtung vor. “Wenn wir kleiner als das sind, sind wir bald Geschichte.”

Letztlich will Li 800.000 Autos weltweit jährlich absetzen und den aktuellen Stand damit praktisch verdoppeln. Volvo hat aber ein kleineres Budget als seine Rivalen und kommt auf weniger Marktanteil. Auch bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie bei Markteinführungen hinken die Schweden hinterher. Diese Anstrengungen will Li jetzt verstärken und weist auf Erfolge bei der Sicherheit, im Design und mit umweltfreundlichen Motoren hin. “Volvo muss in dieser Hinsicht die globale Autobranche anführen. Ansonsten drohen angesichts der massiven Überkapazitäten weltweit große Schwierigkeiten.”

Alle Beiträge zum Stichwort Volvo

Dow Jones Newswires / Gabriel Pankow