| von Wolfgang Gomoll

In nur neun Sekunden verändert sich die Welt. Denn solange braucht das Stoffdach des VW T-Roc Cabrio, um in der Karosserie zu verschwinden. Dann verwandelt sich der Innenraum bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h in eine lichtdurchflutete Sonnenterrasse. So wünscht es sich der lichthungrige Cabrio-Fan, denn schließlich gehören die Autos mit den schnellen Mützen einer langsam aussterbenden Art an. Doch die Sonnenanbeter müssen sich auf windige Zeiten einstellen. Auch wenn man sich aufgrund der großen Glasflächen manchmal vorkommt wie in einem Aquarium, im Innenraum des T-Roc Cabrio weht mehr als ein laues Lüftchen. Das liegt an dem großen Raum und dem Fehlen eines Windschotts. Aber wer beim Cabriofahren Angst vor zu viel Wind hat, geht auch mit einem Taucheranzug in die Dusche. Also Dach runter und Spaß haben.

Dass der nicht nur durch das Kitzeln der Sonnenstrahlen auf der Haut zustande kommt, liegt am Zusammenspiel des TSI-Motors mit 110 kW/150 PS und dem Fahrwerk. Klar ist der aufgeladene Benziner kein Ausnahmeathlet, aber er kommt mit dem 1.524 Kilogramm schweren T-Roc erstaunlich gut zurecht, wuchtet das Gefährt in 9,6 Sekunden aus dem Stand bis zur 100-km/h-Marke und schiebt weiter bis 205 km/h an. Im Schnitt fließen 5,7 l/100 km durch die Brennräume. Wenn man es etwas moderater angehen lässt, verabschieden sich zwei der vier Töpfe unmerklich von der Arbeit. Bei unseren ersten Testfahrten zeigte der Bordcomputer 8,1 l/100 km an.

Auf kurvigen Landstraßen macht das T-Roc Cabrio am meisten Spaß und lässt sich dank des R-Line-Fahrwerks und der damit verbundenen Tieferlegung der Karosserie durchaus flott bewegen. Die Sechsgang-Handschaltung passt gut zu dem Antrieb, der auch eine schaltfaule Fahrweise verzeiht. Die Lenkung ist nicht zu stramm und dirigiert den T-Roc dahin, wo der Fahrer es sich wünscht. Aufgrund des DCC-Fahrwerks mit seinen variablen Dämpfern kann man den T-Roc je nach Fahranforderungen und Vorlieben in dem Individual-Fahrmodus konfigurieren. Für die meisten Aufgaben reichen die Programme "Eco" oder "Comfort" - wer es etwas straffer will, wählt "Sport". Aber selbst dann ist das VW T-Roc Cabrio nicht prügelhart. Dennoch sind die Unterschiede bei den verschiedenen Modi durchaus spürbar, was nicht bei allen Automobilen der Fall ist. Dass sich die Karosserie bisweilen bei den Fahrprogrammen "Eco" und "Comfort" etwas in die Kurve legt, tut dem Vergnügen keinerlei Abbruch und passt zu dem Konzept des Crossover-Cabrios, mit dem man eher gemütlich bis flott gleitend unterwegs ist.

Hartplastik im Cockpit

Zu zweit auf den Vordersitzen ist der Spaß noch ungetrübt, dahinter schaut die Sache schon anders aus. Der Zustieg klappt dank der weit ausladenden Pforten und den nach vorne gleitenden Sitzen noch einigermaßen, aber das Platzangebot ist für Personen jenseits der 1,80 Meter nicht optimal, da es sowohl um den Kopf als auch um die Beine herum eng wird. Dass man aus 4,27 Meter Länge keinen Reisebus zaubern kann, ist klar, genauso, wie ein Cabrio so gut wie nie einen ausladenden Kofferraum hat. Das ist beim VW T-Roc mit 280 Litern Volumen nicht anders: Allerdings ist das Gepäckabteil beim kompakten VW-Crossover zerklüftet und hat eine hohe Ladekante, über die die Utensilien gewuchtet werden müssen. Dass man die Lehnen der Rückbank umlegen kann, hilft beim Verstauen der Ski oder anderer längerer Gegenstände.

Wenig Freude macht auch die Hartplastik-Anmutung des Cockpits, die mit genarbten Oberflächen und farblichen Applikationen etwas aufgelockert wird. Das Infotainment mit dem acht-Zoll-Touchscreen als zentrales Bedienmedium funktioniert tadellos und mit der Bedienung kommt man schnell klar. Das Smartphone ist sehr schnell eingebunden und kann per Apple CarPlay oder Android Auto auch für andere Aufgaben als das bloße Telefonieren genutzt werden. Auch das induktive Laden funktioniert problemlos, das ist auch gut so. Denn vorne findet man lediglich zwei USB C-Anschlüsse.

Wie bei Volkswagen üblich blickt man als Fahrer auf virtuell animierte Instrumente auf einem 10,2-Zoll-Monitor, deren Anordnung beziehungsweise das Aussehen verändert werden kann. Zur Ausstattung gehören Fahrhelfer, darunter solche hilfreichen wie ein Toter-Winkel-Assistent und ein Notbremsassistent. Und wenn es dann doch zu stürmisch wird, vergehen übrigens nur zwei Sekunden mehr, bis die schützende Mütze das Haupt schützt. Dann ist auch die Geräuschkulisse auch deutlich geringer. Das Open-Air Festival kostet mit dem 1.0-Liter-TSI-Motor (84 kW / 115 PS) 27.495 Euro, die gefahrene R-Line-Version schlägt mit dem stärkeren Motor mit mindestens 32.810 Euro zu Buche - beim Testwagen sind es knackige 42.725 Euro.