| von Wolfgang Gomoll

VW übt sich in neuer Bescheidenheit. Zumindest nach außen hin. Bei Autos bedeutet das keine effektheischende Spoiler oder Krawall-Trompeten am Heck. "Wir wollen keinen lauten Auftritt", heißt es bei den Wolfsburgern. Also kommt der Touareg R optisch als Leisetreter daher und unterscheidet sich nicht zu auffällig von seinen zivileren Brüdern. Kraftprotz-Insignien, wie der dunkle Kühlergrill, das obligatorische R und natürlich größere Räder, die beim R-Modell bis zu 22 Zoll statt 20 Zoll beim Standard-Touareg groß sind, dürfen natürlich nicht fehlen. Einen optischen und akustischen Krawallmacher würde das VW R-Klientel, das im Schnitt rund zehn Jahre älter ist als die Mercedes AMG- oder BMW-M-Käufer auch nicht akzeptieren.

An der Kraft soll es dennoch nicht mangeln. Die hat das dezente Touareg-Flaggschiff aufgrund des Zusammenspiels des V6-TSI mit 250 kW / 340 PS und Elektromotor mit 100 kW / 136 PS durchaus. Denn die kombinierte Antriebspower bringt es auf 340 kW / 462 PS Systemleistung und ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern. Damit sind 100 km/h nach 5,1 Sekunden erreicht und maximal 250 km/h drin. Die elektrische Höchstgeschwindigkeit beträgt 135 km/h. Auto-Quartett-Kenner werden jetzt aufmerken und feststellen, dass dieser Antriebsstrang auch im Porsche Cayenne PHEV seinen Dienst verrichtet - allerdings mit dem Fokus auf Dynamik.

Grundsätzlich unterscheidet sich der Touareg R technisch nicht von den starken PS-Brüdern der eigenen Baureihe mit nur einem Motor. Das bedeutet zum Beispiel eine zwei Kammer-Luftfederung statt der Dreikammer-Variante, wie das etwa der Porsche Cayenne hat. Das deutet schon die grundlegende Ausrichtung dieses Touareg R an: Komfort statt Rennstrecken-Habitus. Also fehlen auch solche Hilfsmittel wie eine Wankstabilisierung. "Wir wollen ein möglichst natürliches Fahrverhalten, da darf sich das Auto auch etwas in der Kurve neigen"; betont Fahrdynamiker Karsten Schebsdat.

Kein One-Pedal-Fahren möglich

Mission erfüllt. Der Touareg R wuchtet sein Gewicht von über 2,2 Tonnen mit der Kraft der zwei Herzen mithilfe des Allradantriebs inklusive Torsen-Differential um die Ecken und schickt dabei maximal 70 Prozent an die Vorderachse sowie bis zu 80 Prozent nach hinten. Außerdem kann man sich aussuchen, ob man rein elektrisch unterwegs sein will oder dem System die Auswahl der optimalen Antriebswahl überlässt (Hybridmodus). Im gleichen Menü kann man auch den minimalen Ladezustand der Batterie festlegen. Pferdeliebhaber werden sich über die Tatsache freuen, dass der Touareg R 3,5 Tonnen ziehen kann. Dazu gibt es auch den Anhängerassistenten, der das Rangieren vereinfacht und einen, mit dem man das Einparken per Smartphone fernsteuern kann.

Selbst wenn man den PHEV-Crossover mit dem Sport-Fahrprogramm möglichst scharf stellt, wird der Touareg R nicht ungemütlich hart. Die Gasannahme ist direkter und die Fahrstufenwechsel der Achtgangautomatik schneller. Die Lenkung passt sich diesem Gesamtbild an und wartet mit etwas größeren Rückstellkräften auf, erreicht aber auch dann nicht ganz die Präzision und Rückmeldungsfreude der Pendants von der Konzerntochter in Zuffenhausen. Bei den Fahrprogrammen tanzt der VW Touareg R ebenfalls nicht aus der Reihe: Eco, Comfort, Normal, Individual oder Sport kennt man aus anderen Modellen der Baureihe. Ebenso wie der Offroad-oder der Snow-Modus. Wählt man die Sporteinstellung, schmiegt sich die Karosserie ab 160 km/h um 15 Millimeter näher an den Asphalt.

Ab November beim Händler

In der Stadt verbraucht der Touareg R mit Elektro-Unterstützung 4,1 l/100 km. Mit leeren Akkus, auf Landstraßen und Autobahnen steigt der Durst auf 9,6 l/100 km. Wobei wir nur eine kurze schnellere Etappe hingelegt haben und die 17,9 kWh (netto 14,1 kWh) Batterie auch zwischendurch per Verbrennungsmotor geladen haben, was energetisch aufwendig ist. Grundsätzlich versucht VW auch bei leeren Akkus, ein Mindestmaß an Elektrounterstützung bereitzustellen. Allerdings ist nach dreimal Boosten der Spaß vorbei, wenn man dem System keine Gelegenheit gibt, Energie in die Speicherzellen zu pumpen. Das geschieht per Rekuperation oder eben durch den Verbrennungsmotor. Wobei die Energiegewinnung per Elektromotorbremse nicht durch einen extra Modus, der manuell aktiviert werden kann, vonstatten geht. Das One-Pedal-Fahren ist also nicht drin. VW nutzt dazu den Abstandsradar des Tempomaten. Einschränkungen im Platz gibt es keine. Lediglich der Unterboden des Kofferraums wird von der Batterie beansprucht und damit reduziert sich das Volumen auf 610 Liter.

Der hilft dem System dem dann auch im Zusammenspiel mit der Navigation, um mit der Energie möglichst optimal hauszuhalten und dann bestenfalls mit leerer Batterie am Ziel anzukommen oder mit gefüllten Akkus in die Innenstadt einzufahren. Mithilfe dieses vorausschauenden Fahrens soll laut VW eine maximale Reichweite von 810 Kilometern möglich sein. Das bringt uns zur rein elektrischen Reichweite, die VW mit 47 Kilometern angibt - wir kamen 37 Kilometer weit und verbrauchten nach der gesamten Testfahrt 10,9 kWh/100 km.

Im Interieur versucht sich der Touareg R unter anderem mit Sportsitzen inklusive R-Logo und einer ganz besonderen Steppung vom Rest der Modellreihe zu unterscheiden. Das Infotainment mit dem großen 15-Zoll-Monitor und dem guten Head-up Display entsprecht ebenfalls dem der anderen Touareg-Modellen. Allerdings ist die Menüführung verschachtelt und verlangt etwas Eingewöhnungszeit. Außerdem hat die Software bei unserer Testfahrt beim Versuch, das Mobiltelefon mit dem System zu koppeln, den Dienst quittiert und ließ sich erst nach einer längeren Pause wieder zurücksetzen. VW verweist darauf, dass das Auto noch nicht ganz Serienreife hatte und diese Probleme bis Anfang November, wenn der Touareg R für mindestens 84.660 Euro beim Händler steht, behoben sein wird.

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