| von Wolfgang Gomoll

Die Legende kehrt zurück! So beginnt die Pressemitteilung, mit der Volkswagen do Brasil den Virtus GTS ankündigt, der 2020 auf den Markt kommen soll. Mit dem neuen Modellderivat will VW das Versprechen erfüllen, das der Name "Virtus" eigentlich gibt. Denn der Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Mannhaftigkeit"; wenn diese Eigenschaft noch mit dem Kürzel GTS gewürzt wird, erwarten die Brasilianer einen Wagen, der mehr Verve hat, als etwa der Virtus 200 TSI, der bereits auf den brasilianischen Straßen unterwegs ist. Immerhin haben die Südamerikaner in den 1980er und 1990er Jahren bei den GTS-VWs gerne und häufig zugegriffen.

Also greifen die Techniker beim VW Jetta zu, packen den 1,4 Liter-TSI-Motor mit 110 kW / 150 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 110 kW / 150 PS unter die Motorhaube und stimmen das Ganze etwas sportlicher ab. Etwa mit dem erweiterten ESP XDS+, das auch bei europäischen VW-Modellen mittels Bremseingriffen für Agilität sorgt. Dazu kommen noch ein Fahrmodus-Schalter, die prestigeträchtige Sechsgangautomatik sowie Voll-LED-Licht für gute Sicht bei schnellen Nachtfahrten.

Äußerlich zeigen die GTS-Modelle durch eine neue Stoßstange, einen Waben-Kühlergrill sowie einen kleinen Spoiler auf dem Kofferraumdeckel ihre Potenz und ein sportlicher Motorklang soll das auch akustisch untermalen. Schließlich zählt in Lateinamerika immer noch der Macho-Auftritt. Allerdings brummt der Vierzylinder mehr, als dass er knurrt. Im Innern untermauern rote Rahmen um die Belüftungshutzen, rote Nähte, Sportsitze sowie dementsprechend animierte Instrumente den dynamischen Anspruch. Der wird aber beim Fahren nur bedingt deutlich. Egal welches Fahrprogramm man wählt, bei einem Kick-down jault der Vierzylinder hörbar auf, die Nadel des Drehzahlmessers schnellt nach oben, ehe der Vortrieb einsetzt.

Beim Platz schlägt die große Stunde des Virtus

Besser schlägt sich die mannhafte Limousine, wenn man es mit dem Gasfuß entspannter angehen lässt, zwischen 80 und 120 km/h zeigt sich der Vierzylinder TSI, der übrigens keine Zylinderabschaltung hat, von der elastischen Seite. Das Fahrwerk ist entsprechend zu den erbarmungslosen brasilianischen Straßen eher komfortabel abgestimmt. Sobald man das Fahrprogramm "Sport" wählt, verhärtet sich die Lenkung, um die scheinbare Dynamik zu unterstreichen. Also besser alle Parameter auf "Normal" setzen und den Antriebsstrang auf "Sport", dann ist auch das Ansprechverhalten des Gaspedals direkter.

Beim Platz schlägt die große Stunde des flotteren Virtus. Die Stufenhecklimousine übertrifft mit einer Länge von 4,48 Metern den europäischen VW Polo um 42,5 Zentimeter, wobei 8,5 Zentimeter direkt bei der Beinfreiheit der Fondpassagiere ankommen. Also lässt es sich in der zweiten Reihe fürstlich reisen. Damit in dem weitläufigen Land auch für Unterhaltung gesorgt ist, sind hinten zwei USB-Anschlüsse installiert, um Smartphones und Tablets zu laden - schließlich sind die Brasilianer fast ständig online.

Darum verwundert es nicht, dass der Virtus GTS beim Infotainment in der ersten Liga spielt: Das digitale Cockpit ist vorhanden und ein 10,25-Zoll-Touchscreen dient als Kommandozentrale. Das Smartphone wird mit Apple CarPlay und Android Auto gespiegelt und auf dem Armaturenbrett ist eine Handyhalterung inklusive USB-Lademöglichkeit angebracht, die dem Ende eines Hirschgeweihs ähnelt. Den Brasilianern ist das offenbar egal; wichtig ist, dass man das Smartphone ständig im Blick hat. Das kann man beim Virtus GTS ab Anfang des nächsten Jahres.