| von Wolfgang Gomoll

Das autonome Fahren wird sich durchsetzen, doch wie diese neue Form der Mobilität unsere Gesellschaft beeinflussen wird, steht noch in den Sternen. Für die Automobilindustrie ist eine Antwort auf diese Frage genauso überlebenswichtig wie für Städteplaner, die wissen müssen, ob der vorhandene Platz ausreicht und ob die Infrastruktur überhaupt geeignet ist.

Grundsätzlich entscheidend ist natürlich, ob die Menschen bereit sind, die autonomen Transportmittel überhaupt zu nutzen. Eine Umfrage unter 2.000 Bewohnern deutscher Ballungsgebiete ergab: Bei weniger als zehn Minuten Wartezeit wären 32 Prozent bereit, für eine Tür zu Tür-Fahrt in ein Robotaxi oder Robo-Shuttle, das wie ein Bus mehrere Stationen abfährt, zu steigen.

Die Akzeptanz ist letztendlich eine Frage des Preises. Anders als aktuelle Transportmittel brauchen diese Fahrzeuge keinen Fahrer, der Geld verdienen will, sondern sind bei Bedarf rund um die Uhr einsatzbereit. Die Wartungskosten sind ebenfalls nicht so hoch wie bei einem Verbrennungsmotor, da eine E-Maschine nicht so komplex ist. Teurer sind dagegen die Batterien, aber in 15 Jahren erlauben die Energiespeicher mehr Reichweite und dürften deutlich billiger sein als heutige Akkus.

Der ÖPNV bekommt Konkurrenz

Die Deloitte-Experten unterstützen diese Annahmen und gehen davon aus, dass ein Kilometer mit dem Robotaxi 34 Cent kosten wird. Damit ist das autonome Taxi acht Mal günstiger als ein normales Taxi heute und liegt immer noch 25 Prozent unter dem Kilometerpreis eines privat gefahrenen VW Golfs.

Noch besser fällt die Bilanz bei den autonomen Shuttles aus, die mehrere Personen transportieren und wie ein öffentliches Verkehrsmittel verschiedene Stationen ansteuern. Das drückt den Fahrpreis auf 15 Cent pro Kilometer und macht damit den öffentlichen Verkehrsmitteln Konkurrenz. "Dies wird alle anderen Mobilitätsanbieter einem heftigen Preisdruck aussetzen und natürlich zur Attraktivität von autonomen Fahrdienstleistungen betragen", sagt Harald Proff, Leiter Automobilindustrie bei Deloitte.

Umsatzeinbußen für Autobauer

Die Frage ist nun, wie viele autonome Fahrzeugen benötigt werden und ob sich das Geschäftsmodell trägt. Deloitte geht davon aus, dass etwa 560.000 Robotaxis und 180.000 Roboshuttles notwendig sind, um die Fahrdienstleistungen erbringen zu können. Das ist nicht besonders viel, allerdings ist die Laufleistung der Vehikel so hoch, dass sie nur drei Jahre im Einsatz sein werden.

Allerdings geht mit den Robo-Vehikeln auch ein Einbruch bei den Privatverkäufen einher, sodass die Autobauer mit Umsatzeinbußen von 760 Millionen Euro im Jahr rechnen müssen. Deloitte geht davon aus, dass die Fahrdienstleistungen der autonomen Autos pro Jahr ein Volumen von 16,7 Milliarden Euro erreicht. "Insgesamt bietet der Markt damit ein großes Potenzial, das nicht nur von Autoherstellern, sondern auch von anderen Anbietern ausgeschöpft werden kann", erklärt Harald Proff.

Höhere Verkehrsbelastung

Welche Auswirkungen hat dieses veränderte Mobilitätsverhalten auf den Verkehr in den Ballungsräumen? Die Deloitte-Experten malen ein düsteres Bild und erteilen der Annahme, dass weniger Staus die Folge sein werden und der Verkehr besser fließt, eine klare Absage. "Die Anzahl der angemeldeten Fahrzeuge wird zwar um rund drei Millionen Fahrzeuge sinken, aber durch die hohe Auslastung der Robotaxis und -shuttles steigt die urbane Verkehrsbelastung deutlich", spricht Harald Proff Klartext.

Ein Grund für die überraschende Entwicklung ist, dass die Anzahl der täglich in deutschen Städten mit dem Auto zurückgelegten Kilometer pro Person von aktuell 26,7 auf 32,0 Kilometer ansteigen wird. Das entspricht einer Zunahme um satte 24 Prozent. Zum einen werden die Robo-Taxis auch von Personen genutzt, die keinen Führerschein besitzen und bisher andere Fortbewegenungsmittel präferiert haben. Zum anderen müssen autonome Fahrzeuge auch Leerfahrten durchführen, um zu einem Kunden zu gelangen.

Ohne Regulierung droht ein Kollaps

Für die Deloitte-Berater ist die Folge aus dieser Entwicklung klar: Ohne Regulierung droht ein Verkehrskollaps. Wird der Betrieb und die Nutzung der Robotaxis und -shuttles nicht geregelt, werden durchschnittlich 30 Prozent mehr Autos gleichzeitig in den Städten unterwegs sein als heute - zu Stoßzeiten sogar 36 Prozent. Betrachtet man die überlasteten Verkehrsadern in Städten wie Berlin oder München, kann man sich ausmalen, was dies bedeutet.

Die Fließgeschwindigkeit des Straßenverkehrs sinkt von durchschnittlich 33,5 km/h heute auf 30 km/h. Das wäre ein Anstieg der Fahrzeiten um etwa zehn Prozent oder 2,5 Minuten länger als bisher. Um das zu verhindern, muss die Nutzung der autonomen Transportmittel beschränkt werden. Eine Maßnahme wäre, dass Schüler auf dem Weg zum Unterricht nur Shuttles nutzen dürfen, also gemeinsam fahren und nicht als Einzelperson in einem Taxi sitzen. Ausreichen wird das jedoch nicht.

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