Und wieder einmal rückt Afrika in das Visier verschiedener Länder. Wie zu Zeiten des Imperialismus Ende des 19. Jahrhunderts üben Rohstoffe einen unwiderstehlichen Reiz aus. Doch diesmal sind es nicht Gold und Diamanten sondern Kobalt, Lithium und Coltan - sogenannte seltene Erden beziehungsweise Elemente, die extrem wichtig für die Herstellung von Batterien sind, ohne die die Elektromobilität aktuell nicht denkbar wäre. Die perfide Duplizität der Ereignisse will es, dass die Deutschen auch im 21. Jahrhundert beim Wettrennen um die begehrten Rohstoffe eine schlechte Ausgangsposition haben.

Diesmal schlagen nicht die Engländer den deutschen Automobilherstellern im Ringen um den "Platz an der Sonne" ein Schnippchen, es sind die Chinesen, die schon seit einiger Zeit sich bei den begehrten Rohstoffen in die bestmögliche Position bringen. Das Kalkül der Strategen aus dem Reich der Mitte ist klar: Mit dem Aufkommen der neuen Antriebsstränge, ist der Vorsprung der Europäer bei den Verbrennungsmotoren obsolet und die Prämisse soll zukünftig lauten: Autos aus China für die ganze Welt und nicht umgekehrt, wie das aktuell der Fall ist. Für die Macher im Reich der Mitte ist die Nummer eins das ganz natürliche Ziel.

Das verfolgen sie beharrlich und sichern sich Förderungsrechte im Ausland, vor allem in Afrika, wo die notwendigen Rohstoffe zu finden sind. Deutsche Firmen agieren unverständlicherweise passiv und scheuen die hohen Investitionen in den nicht immer politisch stabilen Abbaugebieten, wie zum Beispiel im Ost-Kongo, einem der Hauptabbaugebiete für Kobalt. Zudem liegen bei den Deutschen traditionell die Kompetenzen bei der Verarbeitung der Stoffe, die ja bisher auch immer günstig zu haben waren. Und wenn nicht, gab man den Preis an die Kunden weiter. Diese Attitüde kann bei einer Globalisierung der Industrie und dem harten Verdrängungswettbewerb nach hinten losgehen. Das hat VW offenbar schon am eigenen Leib erfahren müssen. Als der niedersächsische Autobauer sich um Kobaltlieferungen bemühte, holte man sich einen Nasenstüber nach dem anderen. Der Markt ist ausgereizt, neben den Autobauern, brauchen auch Hersteller wie Apple oder Samsung den Rohstoff für ihre Computer, Tablets und Fernseher. Die Konsequenz: Der Preis steigt und die Automobilhersteller müssen sich hinten anstellen. Die Ressourcen sind endlich und Engpässe drohen, die die Kosten für die Produktion nach oben treiben könnten.

Kampf um Lithium

Wie prekär die Lage wirklich ist, zeigt ein Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), in dem die "potenziell kritischen Rohstoffe" aufgezählt werden: "Zu den Rohstoffen mit hohen Preis- und Lieferrisiken zählen zum Beispiel seltene Erden, Germanium, Platinmetalle und Gallium." Die Konsequenzen, die sich aus der aktuellen chinesischen Dominanz ergeben, werden ebenfalls ganz klar benannt. "Aufgrund der hohen Angebotskonzentration kann Marktmacht durch marktbeherrschende Anbieter ausgeübt werden. Dies kann zu Nachteilen für den Produktionsstandort Deutschland führen."

Wohin die Reise geht, lässt sich bei Lithium beobachten, wo sich der Preis innerhalb eines Jahres verdoppelt hat und Ende 2017 bei rund 14.000 Dollar pro Tonne lag. Auch wenn sich die Preise nicht zwingend auf diesem Niveau halten werden, ein Netto-Anstieg ist dennoch festzustellen und wenn die Elektromobilität in ein paar Jahren Fahrt aufnimmt, wird der Index ohnehin nach oben zeigen. Zu allem Übel wittern auch Investmentfonds jetzt das große Geschäft, was die Lage für die deutschen Autobauer nicht einfacher macht. Immerhin finden sich die aktuell größten Vorkommen in Australien und Chile. In Südamerika rechnen Länder, wie Chile oder Boliven, die über große Mengen des begehrten Rohstoffes besitzen, schon mit einem baldigen wirtschaftlichen Aufschwung. Der "Salar de Uyuni", ein Salzsee im Südwesten Boliviens beherbergt ein riesiges Lithium-Reservoir.

Nachfrage nach Akkus steigt

Schon strecken viele Länder die Fühler nach Südamerika aus, um sich bei der Produktion des "weißen Goldes" beteiligen zu dürfen. Ganz vorne dabei, ist einmal mehr China. Allerdings finden sich auch in Grönland, Südamerika und Kanada Vorkommen der begehrten Rohstoffe, doch wenn die Nachfrage die Produktionskapazitäten übersteigt, droht Knappheit.

"Die Nachfrage nach Akkus wird voraussichtlich weiter steigen. Nicht nur aufgrund des wachsenden Marktes für Elektromobilität, sondern auch wegen des Wachstums anderer Anwendungsfelder für Batteriezellen, wie zum Beispiel der Robotik. Daher werden auch die Rohstoffe, die zur Herstellung von Batteriezellen benötigt werden, stärker nachgefragt sein", bestätigt Professor Martin Winter von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Doch die Wissenschaftler tüfteln schon an Akkus, die möglichst ohne diese Elemente gebaut werden können. Fortschritte sind bereits erkennbar. So wurde der Kobaltanteil deutlich reduziert und mittlerweile ist sogar möglich, Lithium-Ionen-Batterien völlig ohne Kobalt herzustellen. "Allerdings ist bei diesen die Lebensdauer noch nicht zufriedenstellend", macht der Professor für. Materialwissenschaften, Energie und Elektrochemie klar.

Bis bei diesen Themen der Durchbruch vollbracht ist, tobt der Kampf um die Zutaten der Akkus noch weiter. China verfügt selbst über große Vorkommen der seltenen Erden, dennoch investieren die Asiaten auch weiter in Afrika und sichern sich auch durch die Vergabe von günstigen Krediten damit den exklusiven Zugang zu weiteren Vorkommen. Damit ist der steigende Bedarf des Reichs der Mitte gedeckt und die wichtige Monopolstellung weiter zementiert. Schon 2011 hatte China angekündigt, die seltenen Erden aufgrund von Eigenbedarf nicht mehr so freizügig, wie bisher zu exportieren. Unter dem absolutistisch auftretenden chinesischen Präsidenten Xi Jinping wird sich dieser Trend noch weiter verfestigen. Deswegen wird auch hier nach neuen Akkus geforscht, die ohne diese Rohstoffe auskommen. Doch bis die serienreif sind, wird noch einige Zeit vergehen.