Die Anfänge so manch großen Unternehmens muten so abwegig an, dass erst ein genauer Blick in die Geschichtsbücher sämtliche Zweifel beseitigt. Ob nun Adam Opel, der 1862 mit Nähmaschinen den Grundstein des heutigen Weltunternehmens legte. Oder die Familie Peugeot, die Anfang des 19. Jahrhunderts eine Eisengießerei zur Produktion von Sägeblättern, Uhrenfedern und Korsettstäben errichtete. Niemand hätte zur damaligen Zeit auch nur im Entferntesten erahnen können, was aus Nähmaschine und Co. einmal werden würde.

Mit der Marke Suzuki ergibt sich sogleich ein Kuriosum-Trio in puncto Unternehmens-Anfänge. Denn nahezu genau ein Jahrhundert nach den Gebrüdern Peugeot, genauer gesagt im Oktober 1909, gründete der Japaner Michio Suzuki seine gleichnamige Webstuhl-Produktion Suzuki Loom Works in Hamamatsu. Die heutzutage dank des Schnellzuges Shinkansen in rund eineinhalb Stunden von Tokio erreichbare Stadt dient auch 106 Jahre nach der Firmengründung noch als Hauptsitz des Unternehmens. Um die Gesichte nachvollziehen zu können, wurde im April 2009 ein eigenes Museum, das Suzuki Plaza, direkt neben der Firmenzentrale aus dem Boden gestampft. Der Besuch gleicht einer Zeitreise, bei der in zwei Stockwerken sämtliche Phasen des heute zehntgrößten Automobilherstellers der Welt durchlaufen werden. Ach ja: Montags ist geschlossen.

Am Beginn des führerlosen, aber dafür kostenfreien Besuchs, steht natürlich die Webstuhlherstellung von Michio Suzuki. Stellvertretend für seine über 100 praktischen Erfindungen ist der Sarong-Webstuhl zu sehen. Im selben Atemzug wird der Besucher mit dem Begriff des Monozukuri konfrontiert, das übersetzt so viel wie Herstellung oder Sachen machen bedeutet – für die Marke Suzuki jedoch eine eigene Philosophie darstellt. Der erste Schritt weg von den Webstühlen und hin zu motorisierten Fahrzeugen findet im Jahr 1952 mit der Präsentation des ersten motorisierten Fahrrads statt. Nur zwei Jahre später wird das Unternehmen zur Suzuki Motor Co., Ltd. umfirmiert.

Im März 1955 erscheint mit der Colleda das erste Motorrad und im Oktober desselben Jahres mit dem Suzulight SS das erste Automobil aus der Produktion von Suzuki. Das Suzu in seinem Namen ist als eine Abkürzung des Markennamens und das light als Doppelbedeutung von hell und leicht zu verstehen. Der Fronttriebler verfügte über einen vorn eingebauten Zweizylindermotor mit 359 Kubikzentimetern Hubraum und 15,1 PS. Sein Preis im Jahr 1955: 420.000 Yen. Nach aktuellem Umrechnungskurs rund 3.200 Euro. Im Oktober 1958 wird das markante und weltbekannte Logo, der Buchstabe S, zum Markenzeichen.

Zu den Ausstellungstars zählen unter anderem der Fronte360, der Jimny55 SJ10, der erste Alto von 1979 sowie die Motorräder GSX 1100S oder RG250r. Zu den bekanntesten Suzis zählt ohne Frage das Serien-Motorrad, das 1999 zum ersten Mal die magische Tempo 300-Marke sprengte: die Hayabusa 1300 mit 175 PS. Doch auch die weniger bekannten Produkte von Suzuki sind zu sehen. So steht der erste motorisierte Rollstuhl, der Motor Chair Z600 für den Einstieg in die Medizin-Sparte im April 1974. Gleichzeitig ist der japanische Hersteller längst durch seine bis zu 300 PS starken Außenbordmotoren im maritimen Bereich bekannt, von denen im Suzuki Plaza auch einige Exemplare ausgestellt sind.  Nachdem im Dezember 1987 weltweit zum ersten Mal eine Million Fahrzeuge verkauft wurden, folgte drei Jahre später eine weitere Umbenennung des Unternehmens in Suzuki Motor Corporation. Mitverantwortlich für den Erfolg sind zum einen Modelle wie der natürlich auch gezeigte Swift. Zum anderen sind es aber die Fahrzeuge, die es in Europa gar nicht zu kaufen gibt, die Kei Cars, die in großer Anzahl im dritten Stock des Museums ihren Auftritt feiern.

Wie es von einer Idee zu einem neuen Modell bis hin zur Fertigung innerhalb des Unternehmens Suzuki von statten geht, wird in der zweiten Etage des Museums dargestellt. Vom Round-Table, bei dem sich Ingenieure, Designer und Manager beraten, über erste Design-Entwürfe bis hin zu Ton- und Aerodynamik-Modellen sowie der Produktionslinie wird alles leicht verständlich und auch auf Englisch erklärt.

Vor allem für Kinder finden sich in dieser Etage zahlreiche Mitmach- und Ausprobiermöglichkeiten. Ein einarmiger Roboter, der nach drei Knopfdrücken in Sekundenbruchteilen eine Fahrzeugtür von Position A zu Position 3 befördert ist neben einem 3D-Kino und einem Flugsimulator einer der Höhepunkte für den Nachwuchs. Und während sich die Kleinen an praktischen Dingen versuchen, bekommen die Eltern einen Einblick darüber, wie sich das Unternehmen bis heute entwickelt hat. Ein Besuch, der sich lohnt. Vorausgesetzt die Reise führt durch Hamamatsu und es nicht gerade Montag.

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Marcel Sommer; press-inform