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Auch bei Volkswagen sind die Aussichten nicht mehr so heiter wie noch zu Jahresbeginn. Bei VW steht die Rechnung für die Kosten der Dieselaffäre inklusive der jüngsten Bußgelder der Premiumtochter Audi nun bei mehr als 28 Milliarden Euro. Bild: Pixabay

Lange Zeit konnten die deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW mit glänzenden Geschäften jede kleinere Delle ausmerzen. Doch die Anleger werden zunehmend unzufriedener mit ihrem Investment - die Kurse bröckeln mehr und mehr. Gemessen an der Börsen-Bewertung ist der größte deutsche Industriezweig im Vergleich zu anderen Branchen nur ein Leichtgewicht. Und Besserung ist derzeit kaum in Sicht.

Selbst die Affäre um Millionen manipulierte Dieselfahrzeuge konnte VW mit seinen Dutzend Fahrzeugmarken lange nur eine leichte Beule in der Absatzstatistik verpassen. Auch im vergangenen Jahr blieb der Konzern weltgrößter Automobilhersteller. Auch die beiden großen Premiumautobauer Daimler und BMW fuhren weiter Milliardengewinne ein, vor allem weil den Kunden in China die protzigen Luxusmodelle mehr am Herzen lagen als das Image des Dieselantriebs.

Aus den Kratzern im Lack sind aber mittlerweile veritable Reparaturfälle geworden. Daimler schockte seine Anleger schon zweimal mit einer Gewinnwarnung, bei BMW wird voraussichtlich erstmals seit dem Finanzkrisenjahr 2009 die Zielrendite im Kerngeschäft verfehlt.

Auch bei Volkswagen sind die Aussichten nicht mehr so heiter wie noch zu Jahresbeginn. Bei VW steht die Rechnung für die Kosten der Dieselaffäre inklusive der jüngsten Bußgelder der Premiumtochter Audi nun bei mehr als 28 Mrd Euro. Das zu Jahresbeginn ausgegebene Renditeziel wird nur noch unter Ausklammerung von Sondereffekten erreicht.

Sondereinflüsse gibt es für die Autoindustrie zuhauf. Der Absatzeinbruch bei Dieselmodellen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien liegt schwer im Magen. In deutschen Großstädten gibt es streckenweise Fahrverbote für ältere Diesel, weitere sind gerichtlich angemahnt. Das Kraftfahrzeuggewerbe - also Händler und Werkstätten - warnt vor einem Wertverfall von Leasingrückläufern mit Dieselantrieb.

Problemmarkt China trifft deutsche Autobauer hart

Die Hersteller setzen angesichts politischen Drucks vor allem auf Umtauschprämien für ältere, besonders dreckige Diesel - das wirkt ihrer Ansicht nach am schnellsten bei der angeordneten Verringerung von Stickoxiden in den Großstädten. Teure Hardwarenachrüstungen wollen sie vermeiden. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) räumte zuletzt ein, die Autobauer nicht darauf verpflichten zu können.

Zu all dem gesellen sich nun auch Probleme in China, dem größten Automarkt der Welt. Seit US-Präsident Donald Trump den Handelsstreit dort vom Zaun gebrochen hat, wirbeln Zölle den Markt durcheinander. Auch Daimler und BMW geraten in Mitleidenschaft, weil sie profitable SUVs aus den USA nach China exportieren. Darüber hinaus sind die chinesischen Autokäufer verunsichert, wie es weitergeht. Das ist Gift für den Kauf teurer Güter wie Autos.

Die Absatzzahlen in China gingen zuletzt zurück - höchst ungewöhnlich für den größten Einzelmarkt der deutschen Autobauer. Auch auf dem US-Markt sind die Zeiten des Wachstums vorbei. Ob die Amerikaner wie angedroht auch Zölle auf Autos aus europäischer Produktion erheben, ist noch nicht endgültig vom Tisch. Und rund um die Häfen am Ärmelkanal mieten die Autobauer Lagerkapazitäten an, um Lieferengpässe im Falle eines harten Brexit abzufedern.

Aktuell sorgt zudem der seit September in der EU gültige Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP für hohe Kosten. Der VW-Konzern mit seinen Töchtern rechnet mit einer Milliarde Euro Belastung im zweiten Halbjahr. Die Wolfsburger kommen bei der Vielzahl ihrer Motor-Getriebevarianten mit der Zertifizierung nach dem neuen Standard nicht hinterher, auch weil die Ingenieure lange mit den Auswirkungen der Dieselkrise befasst waren. Vor Inkrafttreten wurden Autos mit dem alten Verbrauchstandard entweder mit Rabatt auf den Markt geworfen oder taktisch zugelassen, was die Auslieferungen befeuerte. Nun herrscht Flaute, weil einige Anbieter nicht alle Modelle anbieten können.