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Ab 2020 sei der Elektro-Boom in Sicht, zudem rechnet Pieper ab dem dritten Quartal dieses Jahres wieder mit einem Anziehen der Konjunktur in China. Bild: Pixabay

Die deutsche Autoindustrie dürfte auch in diesem Jahr weitere Gewinnrückgänge verzeichnen. "Die deutsche Automobilindustrie ist mitten in der Krise angekommen", sagte Analyst Jürgen Pieper von der Investmentbank Metzler Capital Markets am Donnerstag (31. Januar 2019) in Frankfurt. "Die Gewinne der Automobilbranche werden 2019 insgesamt vermutlich deutlich sinken. Für das erste Halbjahr rechne ich noch mit zahlreichen Gewinnwarnungen", sagte Pieper. Insgesamt dürften die Ergebnisse noch einmal um zirka 10 % unter denen des Vorjahrs liegen.

Im vergangenen Jahr hatten große deutsche Hersteller und Zulieferer vor allem unter der Einführung des Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP, einem deutlichen Abschwung auf dem wichtigsten Einzelmarkt China sowie dem Zollstreit zwischen dem Land und den USA gelitten. Mitunter gleich mehrfach enttäuschten die Konzerne ihre Anleger mit unerfüllten Gewinnversprechen.

In diesem Jahr drohe Ungemach durch den Brexit und auch weiter durch Dieselgate, das Wohlwollen der Politik bröckle. "Der chinesische Markt dürfte auch im Januar um fünf bis sechs Prozent runtergegangen sein", so der Branchenexperte. Der Zollkonflikt zwischen den USA und der EU könne möglicherweise Milliarden kosten.

Elektro-Boom und Anziehen der Konjunktur in China

Hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung signalisierten jedoch in der Industrie eine hohe Innovationsbereitschaft. Ab 2020 sei der Elektro-Boom in Sicht, zudem rechnet Pieper ab dem dritten Quartal dieses Jahres wieder mit einem Anziehen der Konjunktur in China. Die zuletzt arg gebeutelten Auto-Aktien dürften zunehmend wieder in den Blick von Anlegern geraten. "Ab dem zweiten Quartal würde ich anfangen zu kaufen", sagte der Analyst.

Seine Favoriten in der Branche sind Volkswagen, der Licht- und Elektronikspezialist Hella sowie der Ingenieursdienstleister Bertrandt. "Problemkinder sind für mich ElringKlinger und Schaeffler, weil sie sehr stark am klassischen Motorbau hängen." Daimler stehe bei seiner Premiummarke Mercedes-Benz vor Marktanteilsverlusten. "S-Klasse, E-Klasse und C-Klasse sind dieses Jahr alle über ihren Zenit hinaus", sagte Pieper. BMW dürfte dank der neuen SUVs der X-Modellreihe etwas zulegen. Beide Premiumanbieter müssten sich aber fragen lassen, wieso ihnen ein Massenhersteller wie der Volkswagen-Konzern derzeit bei der Rendite das Wasser abzugraben drohe.