Audi Mexiko breit

Viel Geld steckt Audi in den Ausbau des weltweiten Fertigungsverbunds, beispielsweise am ungarischen Standort Györ oder in das neue Werk in Mexiko. - Bild: Audi

Die Ingolstädter wollen weiterhin die Nummer eins in der hart umkämpften Branche werden. Dafür nimmt der wichtigste Ertragsbringer des Volkswagen-Konzerns auch vorübergehend eine sinkende Profitabilität in Kauf.

“Es gibt Jahre, in denen man in unserer Industrie vor allem erntet und es gibt Jahre, in denen man sät”, sagte Vorstandschef Rupert Stadler auf der Bilanzpressekonferenz am Audi-Stammsitz in Ingolstadt. Für das laufende Geschäftsjahr stünden Investitionen in Zukunftstechnologien und den Ausbau der Kapazitäten ganz oben auf der Prioritätenliste. Stadlers Ziel: “In den kommenden beiden Jahren bereiten wir uns auf die nächsten großen Wachstumsschritte in Richtung zwei Millionen Automobile vor”.

Zwei Millionen Fahrzeuge als Absatzziel

2012 hatte Audi dank der ungebremsten Nachfrage aus China und den USA mit rund 1,46 Millionen verkauften Autos – ein Plus von gut einem Zehntel – einen weiteren Rekord aufgestellt und damit den zweiten Platz hinter Branchenprimus BMW und vor Mercedes-Benz belegt. Obwohl die Oberbayern am stärksten wuchsen, ist es noch ein weiter Weg bis zur Marke von zwei Millionen Verkäufen, die im Jahr 2020 geknackt werden soll.

Ingolstädter öffnen ihre Kasse für Investitionen

Um dieses Ziel zu erreichen, öffnet Audi die Kassen: “Wir haben bereits Ende 2011 das größte Investitionsprogramm unserer Geschichte auferlegt”, sagte Finanzvorstand Axel Strotbek. Bis 2015 plane das Unternehmen mit Gesamtinvestitionen von mehr als 3,5 Milliarden Euro jährlich, um den Wachstumspfad der vergangenen Jahre weiter fortzusetzen. Bis 2015 summiert sich das auf elf Milliarden Euro.

Viel Geld steckt Audi in den Ausbau des weltweiten Fertigungsverbunds, beispielsweise am ungarischen Standort Györ oder in das neue Werk in Mexiko. Auch die deutschen Standorte Ingolstadt und Neckarsulm hat die VW-Tochter mit immensem Mitteleinsatz gestärkt. Zusätzlich investiert Audi laut Strotbek viel Geld in neue Produkte und alternative Antriebskonzepte.

Schon in diesem Jahr könnte nach Einschätzung von Experten ein erstes Etappenziel auf dem Weg zu zwei Millionen Verkäufen erreicht werden: Die Marke von 1,5 Millionen abgesetzten Einheiten, die Audi eigentlich erst für 2015 anvisiert hatte, könnte erstmals fallen. Stadler betonte zwar, dass die Vorgabe wohl früher als ursprünglich geplant erreicht werde, auf einen Zeitpunkt festlegen wollte er sich aber nicht.

Immense Investitionen belasten das Ergebnis

Die immensen Zukunftsinvestitionen sind in der Gegenwart allerdings eine Belastung für Audi. Zwar soll der Umsatz in diesem und im nächsten Jahr mit den Verkäufen zumindest leicht zulegen, die Rendite jedoch sinken. Stadler stellte für 2013 und 2014 eine operative Umsatzrendite im oberen Bereich des langfristigen Zielkorridors von acht bis zehn Prozent in Aussicht.

Bereits an der Bilanz für das abgelaufene Jahr lassen sich die Belastungen durch die Investitionen ablesen: Während die Einnahmen um gut ein Zehntel auf knapp 49 Milliarden Euro stiegen, kletterte der operative Gewinn gerade einmal um gut ein halbes Prozent auf knapp 5,4 Milliarden Euro. Damit gab die Umsatzrendite um etwas mehr als einen Prozentpunkt auf elf Prozent nach, lag aber nach wie vor oberhalb des ausgegebenen Zielbandes. Nach Steuern verdiente Audi im vergangenen Jahr mit 4,35 Milliarden Euro sogar etwas weniger als noch 2011.

Höhere Vertriebskosten schmälern Gewinn

Neben den Investitionen waren deutlich gestiegene Vertriebskosten für die vergleichsweise schwache Gewinnentwicklung verantwortlich. Hatte Audi 2011 in diesem Bereich noch 3,6 Milliarden Euro ausgegeben, war es im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Euro mehr. Finanzchef Strotbek machte dafür unter anderem höhere Vermarktungskosten im Zuge der Einführung neuer Modelle wie des A3 verantwortlich. Außerdem habe sich der Wettbewerb auf einigen wichtigen Märkten verschärft. Als Folge müssten die Autohersteller teilweise deutlich höhere Rabatte gewähren.

2012 wurde die gesamte Branche von den notwendigen Zukunftsinvestitionen belastet. Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz schaffte unter anderem deshalb nur eine Rendite von gut sieben Prozent, auch die Marge von BMW dürfte gesunken sein. Die Münchener haben ihre Jahreszahlen noch nicht vorgelegt, werden dies aber bald tun. Branchenexperten gehen davon aus, dass auch BMW immer noch eine zweistellige Marge erwirtschaftet haben dürfte.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke