Audi China breit

Härtere Zeiten auch für Audi in China: VW-Tochter reduziert Absatzziel und zahlt Händlern Millionenhilfe. Bild: Audi

Aufgrund eines Absatzrückgangs um sechs Prozent im Juni und der schon zuvor deutlich nachlassenden Wachstumsdynamik, hatte Audi bereits angekündigt, dass man das ursprüngliche Absatzziel von 600.000 Einheiten im Jahr 2015 “überprüfen” werde. Das ist nun offenbar geschehen. Zwar gibt es von Audi noch keine offizielle Information. Chinesische Medien schreiben aber unter Berufung auf Händlerkreise, dass das neue Ziel auf das Niveau des vergangenen Jahres abgesenkt worden sei. 2014 verkauft der Autobauer 578.932 Autos in China. Sollte dies zutreffen, läge die Entwicklung erheblich unter den Erwartungen. Zwar hatte auch Audi-Chef Stadler kürzlich im Interview mit AUTOMOBIL PRODUKTION davon gesprochen, dass man sich auf geringere Wachstumsraten einstelle. Damit waren aber sechs bis sieben Prozent Wachstum gemeint, nicht 0 Prozent. Die revidierte Absatzplanung in China will Audi laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am 30. Juli bekannt geben.

So lange können die unter dem schwächeren Absatz leidenden Audi-Händler offenbar nicht warten. Wie ebenfalls Bloomberg unter Berufung auf Unternehmenskreise in China schreibt, gewähre der Autobauer finanzielle Hilfe in Höhe von umgerechnet rund 193 Millionen US-Dollar. Das Geld solle sehr schnell ausbezahlt werden. Audi China kommentierte die Unterstützungszahlung nicht, teilte aber in einem Statement mit, dass man in dem zunehmend schwieriger werdenden Marktumfeld hohen Wert auf ein gesundes Händlernetz lege.

Unterstützungszahlungen an Händler sind in China freilich kein Audi-Thema. Bereits zu Beginn des Jahres hatte BMW hohe Zahlungen an seine Händler gewährt, in ähnlicher Größenordnung wie Audi haben in den vergangenen Wochen Toyota und Renault Zahlungen zugestimmt.

Grund: auf Basis der definierten Absatzzahlen müssen die chinesischen Händler in erhebliche finanzielle Vorleistungen gehen. Auch ist in China der Kampf um die Kunden deutlich härter geworden, was den Werbeaufwand in die Höhe treibt. “Die Zeiten, in denen die Händler die Hersteller um Autos angebettelt haben, sind in China vorbei”, stellt IHS-Analystin Lin Huaibin fest.

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Frank Volk