Dieter Zetsche

Dieter Zetsche: "Die Trendwende gelinge halt nicht von heute auf morgen." - Bild: Daimler

Doch nun verliert er auf dem Weg dorthin immer weiter an Boden. Bei der Bilanzvorlage in Stuttgart räumte er ein, dass die Renditeprobleme in der Autosparte auch 2013 nicht nachlassen werden – im Gegenteil.

“Ein Ziel setzen ist das eine, Erreichen das andere”, gab er am Donnerstag zu Protokoll. Seine noch für den Februar erwartete Vertragsverlängerung steht mit der Prognose unter keinem guten Stern. Wie es aus Konzernkreisen übereinstimmend heißt, soll er Ende Februar einen Fünfjahresvertrag bekommen – ein großer Vertrauensvorschuss.

Branchenexperte Stefan Bratzel betont, dass Zetsche nun bald liefern müsse: “Es gibt keine Ausreden mehr. Was nicht so läuft, geht auf das Konto von Zetsche und seiner Mannschaft. Jedes Jahr muss er zeigen, ob er die Ziele erreicht, die er sich gesetzt hat.”

Die Aufgaben für Zetsche sind groß: Auf dem Zukunftsmarkt China gilt es, den enormen Abstand zu Audi und BMW endlich zu verkürzen. Und das Sparen ist Dauerthema: Bratzel spricht von deutlich höheren Kosten als bei der Konkurrenz. Daimler selber räumt das ein und will jeden Stein umdrehen, überall Schrauben anziehen – und trotzdem das Motto “Das Beste oder nichts” wahren. Bratzel sagt: “Daimler hat kein Erkenntnisproblem, das Problem ist die Umsetzungsgeschwindigkeit.”

Immer wieder schieben die Schwaben Pläne auf die lange Bank. 2011 hatte Zetsche auf der Automesse IAA stolz eine Mercedes-Großserie mit Brennstoffzellenantrieb angekündigt. Nun, vor wenigen Tagen, rutsche der Zeithorizont von 2014 drei Jahre nach hinten.

Vor wenigen Monaten verschob Zetsche samt Gewinnwarnung und Ankündigung für ein Sparprogramm das Renditeziel von zehn Prozent für die zentrale Pkw-Sparte. Das ursprünglich schon für 2013 in Aussicht gestellte Verhältnis von operativem Gewinn zum Umsatz werde “erst zu einem späteren Zeitpunkt” erreicht, so die Formulierung. Auch am Donnerstag wurde Zetsche nicht konkreter. “Mittelfristig”, sagte er.

Konkurrenz punktet mit zweistelligen Renditewerten

Die Klassenbesten Audi und BMW hatten zuletzt zweistellige Renditewerte ausgewiesen. Zetsche vertröstet nun auf 2014: “Wir sind überzeugt, dass dort dann erkennbar ist, dass unsere Zielsetzungen für 2020 richtig sind.” Die Trendwende gelinge halt nicht von heute auf morgen, sagte er beispielsweise zum Rückstand in China.

Schon zum Jahresauftakt der Autobranche auf der US-Messe in Detroit hatte er schnelle Besserung ausgeschlossen und eingeräumt: “Andererseits ist es natürlich nicht sehr vielversprechend, wenn wir bis 2019 eine Vergrößerung des Abstandes sehen und 2020 dann plötzlich vorne sein sollen.” Dort wand er sich auch aufs Neue um die Frage, wann denn nun wieder Erstklassigkeit herrsche.

Audi und BMW verkaufen mehr Autos und verdienen daran auch noch besser. Besonders in China kam Daimler nicht vom Fleck und fühlte sich im Dezember veranlasst, das Dauerproblem mit einem neuen Vorstandsposten zur Chefsache zu machen. Der Neue, Hubertus Troska, brauche nun aber erst einmal: ausreichend Zeit.

Zetsche räumte in Detroit eher zähneknirschend ein, Daimler habe beim Wettrennen um die Krone der Premiumhersteller zunächst nicht von zwei Übergangsjahren gesprochen. “Jetzt machen wir das”, sagte er.

Zetschte steht für Kontinuität

Dass sein Vertrag verlängert wird, wird aber im Aufsichtsrat wohl nicht infrage gestellt. Sowohl Kapital- als auch Arbeitnehmerseite signalisieren hinter vorgehaltener Hand Einigkeit in Sachen Zetsche.

Branchenexperten begrüßen das. “Eine Vertragsverlängerung steht für Kontinuität”, sagt zum Beispiel Analyst Frank Schwope von der NordLB. Daimler habe inzwischen vielversprechend gegengesteuert – etwa bei den Absatzproblemen in China oder in der Modellpalette. Schnelle Führungswechsel wie etwa bei Opel seien nicht gut. Es müsse ja nicht gleich ein Fünfjahresvertrag sein, gibt Schwope zu bedenken.

Auch Autoexperte Willi Diez würde es begrüßen, wenn Zetsche weitermacht. “Ich halte sehr viel davon, längerfristige Verträge zu machen. Man nimmt damit Dieter Zetsche in die Pflicht, das, was er angekündigt hat, auch umzusetzen. Es ist auch eine Chance.” Auch Diez’ Kollege Bratzel äußert sich ähnlich: “Ich bin kein Verfechter davon, dass man sagt, der muss weg. Kontinuität ist wichtig. Es ist Zetsches Daimler mittlerweile.”

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dpa/Guido Kruschke