Stefan Bratzel

Stefan Bratzel: VW konnte seine Innovationsstärke im Modelljahr 2010/2011 festigen und den globalen Spitzenrang halten. - Bild: CAM

Hightech-Entwicklungen bestimmen die Marktchancen der Zukunft – vor allem im Autogeschäft. Und hier liegt Volkswagen an der Spitze.

Hybridantriebe, Baukastensysteme, intelligentes Fernlicht: Im Wettbewerb um die Führungsrolle bei umweltfreundlichen Antrieben, Produktionsverfahren und neuen Sicherheitstechnologien liegt VW weiter vorn. General Motors machte Boden gut, Toyota fuhr hinterher.

Europas Branchenprimus konnte seine Innovationsstärke nach einer Analyse des Autoexperten Stefan Bratzel im Modelljahr 2010/2011 festigen und den globalen Spitzenrang halten. Bei den schärfsten Konkurrenten um Platz eins im weltweiten Autogeschäft kam es dagegen zu Verschiebungen, berichtete der Chef des Center of Automotive (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach am Dienstag.

Während dem US-Rivalen General Motors der Sprung von der sechsten auf die dritte Position gelang, rutschte Toyota als derzeit größter Autohersteller der Welt vom zweiten auf den achten Rang ab. Volkswagen behauptete nach Angaben Bratzels dank seiner Kernmarken VW und Audi zum vierten Mal in Folge die “Innovationsführerschaft”.

Etwa 70 Prozent der 128 Neuerungen entfielen auf die Wolfsburger und Ingolstädter. Dabei hoben die Experten Hybrid- und Elektroantriebe, die Licht- und die Umwelttechnik besonders hervor. Laut eigenem Nachhaltigkeitsbericht legte die Zahl der verkauften “Ökomodelle” im VW-Konzern von 225.000 (2009) auf 402.000 im vergangenen Jahr zu.

Der Zweitplatzierte Daimler konnte die Menge seiner Innovationen von 35 auf 64 fast verdoppeln und punktete vor allem bei Antrieben und Sicherheitssystemen. Etwa 88 Prozent der Neuentwicklungen kamen dabei allein der Marke Mercedes-Benz zu, betonte Bratzel. Auf dem dritten Rang folgte der GM-Konzern, dessen Modell Chevrolet Volt als erstes in Großserie gebautes Hybridauto Furore gemacht hatte.

Innovationsstaerke Autokonzerne 2010/2011

Innovationsstärke Autokonzerne 2010/2011. - Grafik: Center of Automotive Management
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BMW landete als Nummer vier auf der Innovationsliste. Als Grund nannten die Forscher unter anderem die neuartigen Informations- und Kommunikationssysteme der Münchner. Hyundai/Kia gilt als “großer Gewinner”: Neue Fahrzeugkonzepte katapultierten die Koreaner, die zunehmend als VW-Konkurrent auftreten, auf Platz fünf. Derweil schnitt Toyota – außer 2008 immer in den Top drei vertreten – mit dem achten Rang unter den Erwartungen ab. Die Japaner hätten ihren Vorsprung bei Hybridantrieben nicht entscheidend ausgebaut.

Insgesamt investiere die Branche derzeit so viel wie nie zuvor in die Entwicklung neuer Technologien, schrieben die Autoexperten. Die 20 großen Konzerne gaben im vorigen Jahr rund 50 Milliarden Euro dafür aus – vor fünf Jahren waren es 44,2 Milliarden. Für die sechste Innovationsanalyse hatten die Forscher 55 Marken unter die Lupe genommen. 634 Neuentwicklungen und 138 Weltneuheiten wurden anhand mehrerer Kriterien untersucht und zu einem Index verdichtet.

dpa-AFX/Guido Kruschke