BMW Zentrale München

Den größten Sprung im Vergleich zum Vorjahr machte unter den Autobauern aber der Münchner Premiumautobauer BMW mit einem Plus von 66 Prozent. - Bild: BMW

Bei Volkswagen, BMW und Daimler sprudelten die operativen Gewinne im zweiten Quartal so kräftig wie bei keinem anderen Riesen auf dem Börsenparkett.

Zusammen verbuchten die drei Autobauer im zweiten Quartal 2011 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 8,6 Milliarden Euro. Der Nutzfahrzeughersteller MAN steuerte weitere 437 Millionen Euro bei. Damit stemmte die Branche gut ein Drittel der operativen Gewinne der Dax-Konzerne (26,1 Milliarden Euro/ohne Deutsche Bank).

Volkswagen als Maß aller Dinge?

Das Maß aller Dinge: VW. Europas größter Autobauer strich ein EBIT von 3,2 Milliarden Euro ein und setzte sich damit an die Spitze der Dax-Konzerne. Das geht aus einer Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens Ernst & Young hervor, die der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Stuttgart vorlag. Platz zwei belegt demnach BMW mit 2,9 Milliarden Euro, gefolgt vom Stuttgarter Konkurrenten Daimler mit 2,6 Milliarden Euro. Erst dann folgen Unternehmen aus anderen Branchen.

Den größten Sprung im Vergleich zum Vorjahr machten unter den Autobauern aber die Münchner mit einem Plus von 66 Prozent. Die Wolfsburger konnten ihr EBIT mehr als verdoppeln (plus 59 Prozent), Daimler legte um knapp ein Viertel zu (plus 23 Prozent). MAN verzeichnete ein Plus von 58 Prozent.

Auch die beiden Dax-Unternehmen mit dem höchsten Umsatz von April bis Juni kommen aus der Autobranche: Platz Eins auch hier wieder für VW mit 40,3 Milliarden Euro (plus 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), in weitem Abstand folgt auf Rang zwei Daimler mit 26,3 Milliarden Euro (plus fünf Prozent). BMW fuhr 17,9 Milliarden Euro Umsatz ein, hat mit 17 Prozent aber deutlich stärker zugelegt als der Rivale aus Stuttgart.

Willi Diez IFA

Willi Diez: "Vor allem Märkte wie China und Nordamerika sind stark gewachsen."Bild: IFA

Premiumautos finden viele Käufer

“Die Autokonjunktur hat vom Aufschwung besonders stark profitiert”, sagt der Autoexperte Willi Diez. Vor allem Märkte wie China und Nordamerika seien stark gewachsen. “Vor allem teure, gut ausgestattete Autos sind wieder gefragt. Damit verdient man besonders viel Geld.”

Außerdem ernteten die Autobauer derzeit die Früchte ihrer Krisenstrategie. Beispiel BMW: Die Bayern haben Kosten gesenkt, Prozesse vereinfacht und Kooperationen bei Einkauf oder Motorenbau etabliert, um Geld zu sparen. Auch VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sagte zuletzt, an der strikten Kostendisziplin bei VW müsse festgehalten werden.

Derzeit kommen die Hersteller mit dem Autobauen gar nicht mehr hinterher, fahren Sonderschichten und verzichten auf Sommerpausen. Die Auslastung der Fabriken betrage 102 Prozent, hatte BMW-Chef Norbert Reithofer zuletzt gesagt.

Die Prognosen für das Gesamtjahr sind gut: VW, BMW und Daimler wollen so viele Autos verkaufen wie nie zuvor. “Wir fahren noch nicht im höchsten Gang. Wir können noch mehr”, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Präsentation der Quartalszahlen Ende Juli angekündigt.

Rohstoffkosten und Schuldenkrisen verlangsamen Wachstum

Doch die mächtigen Automanager warnen auch vor Risiken. Bereits vor einigen Wochen sah Zetsche “einige Wolken am blauen Himmel”. Sorgen machen neben hohen Rohstoffkosten vor allem die Schuldenkrisen in Europa und den USA. “Im Moment sind alle Vorhersagen mit heißer Nadel gestrickt”, sagt Diez. “Wenn die Börsen-Baisse anhält, könnte das vor allem für die Premiumhersteller zum Problem werden.”

VW Up Winterkorn

Kleinwagen sind auch ein wichtiges Zukunftsthema für VW, wie hier der geplante Up. - Bild: VW

Aber auch ganz abgesehen von möglichen Auswirkungen der jüngsten Börsen-Turbulenzen werde sich das Wachstum verlangsamen. “Dieses Superjahr 2011 wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit 2012 nicht wiederholen lassen.”

Zeit zum Ausruhen haben die Hersteller also nicht – auch wenn es derzeit noch läuft wie geschmiert. Sie müssen Milliarden in die Weiterentwicklung alternativer Antriebe stecken. Fachleute sagen außerdem, der künftige Erfolg werde auch davon abhängen, wer die beliebtesten Kleinwagen verkaufen kann. Diese werfen aber weniger Geld ab als die Oberklasse-Autos.

Die Kosten so niedrig wie möglich halten ist die Devise. VW-Chef Martin Winterkorn: “In der Autoindustrie hat der den längeren Atem, der von der Kostenstruktur her besser dasteht.”

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dpa/Guido Kruschke