Opel Cascada breit

Kampf gegen den Abstieg. Opel will mit seinem Cabrio Cascada und dessen niedrigem Einstiegspreis punkten. - Bild: Opel

Aber in Genf wollen die Konzerne gut Wetter machen zu den tristen Aussichten für den Heimatkontinent. Mit neuen Modellen rüsten sie zum Kampf gegen die Krise.

Die arg gebeutelten Franzosen schicken im wachsenden SUV-Segment den Peugeot 2008 und den Renault Captur als stadttaugliche Geländewagen ins Rennen. Opel will mit seinem Cabrio Cascada und dessen niedrigem Einstiegspreis punkten und für Citroën soll der neue Van C4 Picasso Familien anlocken. Dazu stellt VW seinen bislang PS-stärksten Golf GTI vor und auch der sparsame Golf Blue Motion sowie die Neuauflage des Kombis Golf Variant sollen, so ist zu hören, in Genf zu sehen sein. Die Liste lässt sich fast beliebig erweitern: Unter den rund 900 ausgestellten Autos sind nach Angaben des Messeveranstalters alleine 130 Welt- oder Europapremieren.

Modelloffensiven sollen für die Wende in Europa stehen

Aber bringt die Modelloffensive der Massenhersteller die erhoffte Wende? In jedem Fall ist sie Vorbote für die nächste Runde im heißen Kampf um die Neukunden. Denn auf Europas Automärkten werden die Hersteller auch in diesem Jahr nicht zum Verschnaufen kommen. Zwar hoffen Branchenexperten vom Sommer an auf eine leichte Erholung – bis dahin dürfte die Talfahrt aber ungebremst weitergehen.

Wie sehr schon das abgelaufene Krisenjahr der Branche zu schaffen machte, zeigten die jüngsten Bilanzen der Hersteller: Frankreichs einst stolzes Flaggschiff PSA Peugeot Citroën meldete für 2012 fünf Milliarden Euro Verlust, bei den Landsmännern von Renault rutschte das Kerngeschäft in die roten Zahlen. Einzig die Beteiligung am japanischen Hersteller Nissan rettete den Franzosen die Bilanz – so wie sich Italiens Sorgenkind Fiat nur dank der US-Tochter Chrysler über Wasser hielt.

Opel-Chef Neumann will den Turnaround schaffen

Bei der General-Motors-Tochter Opel soll Hoffnungsträger Karl-Thomas Neumann nach Riesenverlusten die Wende bringen. Der ehemalige Continental-Chef und VW-Manager tritt das neue Amt mit großen Vorschusslorbeeren an – und bekommt vor seinem Start so gut es eben geht den Rücken freigehalten: Noch am Donnerstag rangen sich Management und Arbeitnehmervertreter zu einem Kompromiss für die Zukunft des Bochumer Opel-Werks durch. Zumindest bis 2016 ist die Autoproduktion gesichert.

Europaweit stehen Werke der Massenhersteller vor dem Aus, Zehntausende Jobs in der Autoindustrie sind bedroht. Einzig Europas Primus VW hat sich von dem Abwärtssog der Massenhersteller abgekoppelt. Mit fast 22 Milliarden Euro Gewinn für das vergangene Jahr sprengten die Wolfsburger alle Rekorde – die gleiche Summe konnte Renault gerade als Umsatz der ersten sechs Monate verbuchen. Die Wolfsburger haben rechtzeitig Zukunftsmärkte wie China erobert, wo der Konzern 2012 mehr als 2,8 Millionen Autos verkaufte. Dagegen nabelt sich die europäische Konkurrenz erst jetzt mühsam von den schrumpfenden Heimatmärkten ab.

Daimler sucht verzweifelt den Anschluß im Premiumsegment

Mit ganz anderen Problemen muss indes einer der bekanntesten Konzernbosse kämpfen: Daimler-Chef Dieter Zetsche bekam von der Arbeitnehmerseite jüngst die gelbe Karte, als sie im Aufsichtsrat durchboxte, seinen Vertrag überraschend nur um drei statt fünf Jahre zu verlängern. Gefordert ist Zetsche auch im Kampf gegen die Oberklasse-Konkurrenz von BMW und Audi. Um nicht den Anschluss zu verlieren, wollen die Schwaben ihre Kosten eindampfen. In Genf steht nun Zetsches erster öffentlicher Auftritt nach seiner Vertragsverlängerung an.

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dpa/Guido Kruschke