Brasilien, Rio de Janeiro: Zuckerhut

Da kann auch der Zuckerhut nichts mehr versüßen: der Automarkt in Brasilien befindet sich aktuell in einer schlechten Verfassung. Besserung nicht in Sicht. – Bild: Archiv

Als Strohfeuer, ausgelöst durch ein auslaufendes Förderprogramm, hat sich die leichte Erholung am brasilianischen Automarkt entpuppt. Wie aus aktuellen Zahlen der Nationalen Vereinigung der Fahrzeughersteller Anfavea hervorgeht, gab es für die Autoindustrie auf breiter Front schwere Schläge. So rauschte der Fahrzeugabsatz im Vergleich zum Januar des Vorjahres um 18,8 Prozent (244.253 Einheiten) in den Keller, die Fahrzeugproduktion sank um 12,3 Prozent (193.821 Fahrzeuge) und der Export in benachbarte südamerikanische Länder präsentierte sich mit -27,9 Prozent in einer katastrophalen Verfassung. Leidet der Export unter den schweren Wirtschaftskrisen in Argentinien und Venezuela, so machen dem Absatz in Brasilien die hohe Inflation und das hohe Zinsniveau (im 3.Quartal 2014 18,5 Prozent) zu schaffen. Zudem gibt es enge Restriktionen, um überhaupt einen Neuwagen finanziert zu bekommen. So müssen Käufer sowohl einen Jobnachweis wie auch eine Bescheinigung der Kreditwürdigkeit vorlegen.

Zwar rechnen die Marktexperten von IHS Automotive mit einer Beruhigung des hypernervösen Marktes im Lauf des Jahres. Für das Gesamtjahr gehen sie aber von einem weiteren Abrutschen der Absatzzahlen um 2 Prozent auf 3,25 Millionen Einheiten aus. Die Schwächephase Brasiliens trifft eine Reihe globaler Hersteller in einer Phase kräftiger Investitionen. So hat BMW Ende 2014 eine Fertigung eröffnet, Mercedes-Benz hatte am 5. Februar Grundsteinlegung für ein neues Pkw-Werk in Iracemápolis in der Nähe von Sao Paulo. Vor allem für chinesischen Marken wie Chery, Geely und JAC ist das südamerikanische Land ein wichtiger Standort für deren Globalisierungsanstrengungen.

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Frank Volk