Brasilien Flagge

Schleppende Konjunkturentwicklung und das Auslaufen von Steuererleichterungen sorgeten 2013 für einen Absatzrückgang in Brasilien.

Der Branchenverband Anfavea begründete den Rückgang auf dem weltweit viertgrößten Automarkt der Welt mit der schleppenden Konjunkturentwicklung und dem Auslaufen von Steuererleichterungen. Im Dezember wurden in dem Schwellenland insgesamt 353.843 Autos, Lastwagen und Busse verkauft. Das waren zwar 17 Prozent mehr als im November, aber 1,5 Prozent weniger als im Dezember 2012. Der Dezember hat dann auch die Jahresbilanz verhagelt. Die Gesamtverkäufe für das Jahr 2013 konnte die Vorjahresrekordmarke von 3,8 Millionen nicht übertreffen. 2013 wurden in Brasilien 3,77 Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

Noch vor einem Jahr hatte der Branchenverband Anfavea für 2013 beim Fahrzeugabsatz ein Wachstum von 4,5 Prozent geschätzt, musste dann aber von der optimistischen Prognose abrücken. Die Schätzung wurde auf ein Plus von ein bis zwei Prozent zusammengestutzt. In Zahlen wären dies dann 3,88 Millionen verkaufte Fahrzeuge gewesen. Brasilien spürt zunehmend die Auswirkungen der angeschlagenen Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und in Europa, und das Wachstum hat sich abgekühlt. So wies das Land im dritten Quartal beispielsweise durch fallende Investitionen, eine stagnierende Industrie und das Ende der Erntezeit die schwächste Wirtschaftsentwicklung seit zwei Jahren auf.

Nun wirkt sich die stotternde Konjunktur auch auf die Fahrzeugnachfrage aus. Das letzte Mal war der Autoverkauf 2003 auf Jahressicht rückläufig. Im Jahr 2003 wurden in Brasilien rund 1,5 Millionen Fahrzeuge an den Kunden gebracht und danach setzte der Markt zu einem Boom an. Steuererleichterungen beim Autokauf ließen den Absatz im Jahr 2012 auf einen Rekord hochschnellen. Die niedrigere Steuer sollte ursprünglich nur auf vier Monate befristet sein, doch die Regierung verlängerte dann diese Maßnahme bis Ende Dezember 2013. Jetzt im Januar wurde die Steuer wieder leicht erhöht. Im Sommer soll sie dann wieder das alte Niveau erreichen.

Neue Sicherheitsvorschriften legen Hürde höher

Neben den jetzt wieder höheren Steuern und der Konjunkturabschwächung sehen sich die Autobauer auch einer neuen Hürde in Brasilien gegenüber: Ab 2014 geltenden neuen Sicherheitsvorschriften. Die nationale Verkehrsbehörde Contran beschloss, dass die Airbag- und ABS-Pflicht für Neufahrzeuge ohne Ausnahme in Kraft treten wird.

Obwohl der Branchenverband Anfavea die Absatzprognose für den Heimatmarkt 2013 stutzen musste, wurde die Prognose für den Fahrzeugbau und Autoexport für den Zwölfmonatszeitraum erhöht. Brasilien hat eine Industriesteuer auf Importautos und -lastwagen, die außerhalb des Landes hergestellt werden. Diese Steuer gilt für Autobauer, deren Fahrzeuge nicht zu mindestens 65 Prozent vor Ort produziert werden und die nicht in Forschung und Entwicklung in Brasilien investierten. Damit will die Regierung die brasilianische Industrie stimulieren. In Brasilien produzieren Konzerne wie Volkswagen und General Motors.

Fiat und General Motors bleiben Platzhirsche

Im Dezember 2013 ging die Fahrzeugproduktion in Brasilien um 12 Prozent zum Vorjahresmonat und 19 Prozent zum Vormonat zurück. Für das gesamte vergangene Jahr zeigt sich aber dennoch ein Plus von 9,9 Prozent, allerdings wurde die Prognose von Anfavea mit einem Wachstum von 11,9 Prozent verfehlt. Im Dezember 2013 wurden Fahrzeuge für 1,2 Milliarden Dollar aus dem Land ausgeführt, das bedeutet auf Jahressicht ein Plus von 15 Prozent. Insgesamt wuchsen die Exporte 2013 um 14 Prozent auf 16,57 Milliarden Dollar. Auch hier war der Branchenverband zu optimistisch: Anfavea schätzte das Exportwachstum auf 20 Prozent.

Wenn man sich die Verkaufsentwicklung der Autobauer anschaut, zeigt sich folgendes Bild: Bei den Personenkraftwagen hält der US-Autobauer General Motors mit 50.845 verkauften Autos die Spitzenposition im Monat Dezember. Im Gesamtjahr 2013 kann allerdings Fiat mit 604.297 Fahrzeugen die Führung verteidigen. Im Dezember setzten die Italiener 50.581 Fahrzeuge ab. Im Dezember rangierte Volkswagen an dritter Stelle, gemessen am Zwölfmonatszeitraum konnten die Wolfsburger den Wettbewerber GM aber abhängen. Der US-Autobauer Ford nimmt sowohl im Dezember als auch im Jahr 2013 die vierte Position auf den brasilianischen Markt ein.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke