Logos Mercedes-Benz, Audi, BMW

Deutsche Hersteller liegen in der Wahrnehmung von Kunden beim autonomen Fahren vorn. Jeder Fünfte traut aber auch Google oder Apple ein autonomes Fahrzeug zu. Bilder: Daimler, Audi, BMW, Montage: AUTOMOBIL PRODUKTION

Die Pole Position geht in Deutschland an Daimler, so eine Kundenbefragung der Unternehmensberatung Berylls. 41 Prozent der befragten Endkunden trauen Mercedes-Benz zu, als Erste “Autonomes Fahren” in den Markt einzuführen; BMW, Audi und Volkswagen folgen auf den Rängen 2 bis 4. In China ist Audi vorne (44 Prozent), gefolgt von BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz. Allerdings: Google wie auch Apple sind nicht zu unterschätzen – rangieren beide Unternehmen doch bei dieser Fragestellung unter den Top 10 genannten Anbietern, wenn es um die erstmalige Markteinführung “Autonomes Fahren” geht.

Allerdings ist die Akzeptanz für automatisiertes Fahren in Deutschland und in China sehr unterschiedlich ausgeprägt: nur 23 Prozent der im Rahmen des Berylls “Connectivity Compass 2014″ im Sommer 2014 befragten deutschen Endkunden äußern ein wahrscheinliches oder sehr wahrscheinliches Kaufinteresse an “Autonomem Fahren” als Sonderausstattung. Anders in China: hier äußern 58 Prozent Interesse, d.h. der Kauf von “Autonomem Fahren” als Sonderausstattung ist wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich.

Automatisiertes Fahren Grafik Umfrage Berylls Alter

Interessant ist auch die Differenzierung nach Altersstufen: Immerhin 42 Prozent der befragten Deutschen im Alter von 17 bis 24 Jahren hätten wahrscheinlich oder sogar sehr wahrscheinlich Kaufinteresse an einer Sonderausstattung “Autonomes Fahren”, bei den über 55-jährigen sind es nur 12 Prozent.

Einzelne hoch-automatisierte Fahrfunktionen werden in wenigen Jahren im Luxus- und im Premium-Segment zu Preisen zwischen 2.000 und 3.000 Euro zu kaufen zu sein, schätzt Berylls. Voll-automatisiertes Fahren erfordere einen Aufpreis in einer Größenordnung von geschätzten 5.000 bis 8.000 Euro, wenn solche Systeme in etwa zehn Jahren im Markt eingeführt werden. Für eine breitere Markt- und Kundenakzeptanz sei dann aber eher von Aufpreisen von maximal 3.000 Euro auszugehen.

Die Revolution ist bereits in vollem Gange

In wenigen Jahren sind die ersten Fahrzeuge mit hoch-automatisierten Fahrfunktionen am Markt verfügbar, prognostizieren die Berylls-Berater. So dürften beispielsweise nur noch zwei bis drei Jahre vergehen, bis ein Autobahn-Pilot in einem der Top-Luxus-Fahrzeuge wie einer Mercedes-Benz S-Klasse oder einem BMW 7er angeboten wird.

Ab dem Jahr 2020 werde hoch-automatisiertes Fahren dann als Sonderausstattung einem breiteren Publikum der Premium-OEMs angeboten. Voll-automatisiertes Fahren soll dann in etwa im Jahr 2025 kommen; solche Fahrautomaten können dann eigenständig jegliche Fahrsituation meistern und benötigen keinen Eingriff des Fahrers mehr – gleichwohl ist die Übergabe der Fahraufgabe an den Fahrer möglich. Autonome Fahrzeuge, also der Verzicht auf die Bereitstellung eines manuellen Fahrmodus, werden dann voraussichtlich ab etwa 2030 Wirklichkeit auf unseren Straßen, so die Studie.

automatisiertes-fahren-grafik-markt

Auch wenn im Jahr 2025 der Marktanteil hoch- oder voll-automatisierter Fahrzeuge noch verschwindend gering ist, sei bis 2035 mit einem rasanten Anstieg des Marktanteils auf etwa 20 Prozent zu rechnen; das wären dann bis zu 35 Millionen hoch-automatisierter, voll-automatisierter oder gar autonomer PKWs pro Jahr, die vor allem in Nordamerika, China und Westeuropa verkauft werden. Der weltweite Fahrzeugbestand wird dann bis etwa 2050 „umgedreht“ – weniger als 10 Prozent haben dann keinen Auto-Piloten an Bord.

Wertschöpfungskette im Umbruch

Die Aussicht auf autonome Fahrzeuge schafft neue Perspektiven für die heutigen, aber auch für neue Spieler im Markt, analysiert Berylls. Mit autonomen Fahrzeugen, insbesondere wenn diese über einen batterieelektrischen Antrieb verfügen, könne sich deshalb die Anbieterlandschaft schlagartig verändern. Bestes Beispiel sei Google: Das Google Car 2014 ist fahrzeugtechnisch auf das Wesentliche fokussiert: batterieelektrischer Antrieb, keine manuellen Steuerungsfunktionen, sondern High-tech-Sensorik, IT-Architektur, Konnektivität, gepaart mit auf den Nutzungszweck adaptiertem Exterieurdesign und Interieurkonzept. Kernkompetenz sind das Betriebssystem inklusive Sensor-Datenfusion, d.h. der Auto-Pilot selbst – alle anderen Komponenten und Systeme des Fahrzeugs lassen sich über Zulieferer realisieren, und Engineering-Dienstleister können die Gesamtfahrzeugintegration und -applikation übernehmen. Unabhängige Netzbetreiber, Content Provider, Vernetzungsspezialisten und andere übernehmen dann Schlüsselpositionen in der automobilen Wertschöpfungskette, die mehr und mehr zu einer Car IT- und Services-Kette wird, so die Schlussfolgerungen der Berater.

Selbstfahrendes Auto von Google

Google Car: Sieht harmlos aus, hat aber das Zeug dazu, die gesamte automobile Wertschöpfungskette umzukrempeln, so eine aktuelle Studie. Bild: Google

Sobald das autonome Fahren Realität wird, riskieren die Automobilhersteller demnach ihr gesamtes Geschäftsmodell. Automobilbau basiert dann nicht mehr auf Erfahrungswissen aus mehr als 125 Jahren Automobilgeschichte, sondern insbesondere darauf, das überlegene Fahrzeugbetriebssystem beziehungsweise den Fahrautomaten und dessen Vernetzung zu entwickeln – und dann die besten Partner für die Realisierung des Fahrzeugs zusammenzuschnüren. Adaptionsfähigkeit, Schnelligkeit und Netzwerkfähigkeit sind dann gefragt.

“Gefordert sind deshalb neue Kernkompetenzen, veränderte Wertschöpfungsstrukturen, gekoppelt mit Transformations-Know- how und einem neuen ‘Mindset’ für Kundennutzen und Funktionalität voll-automatisierter und autonomer Fahrzeuge”, schreiben die Studienautoren.

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Berylls/Andreas Karius