| von Stefan Grundhoff

Wer hinter die Kulissen der Planung für die IAA des Jahres 2021 lauscht, hört wenig Erquickendes. Die Planungen für die ehemals größte Autoshow Europas, im kommenden Jahr erstmals in München, gestalten sich mehr als schwierig. Die grün-rote Stadtregierung macht die Planungen nicht einfacher und insbesondere wenig autofreundlich. Zudem will sich der VDA als Veranstalter entsprechende Pfründe vergangener Jahrzehnte sichern. Keine Überraschung, dass sich einige Hersteller hinter vorgehaltener Hand nur allzu gerne von der Messe verabschieden würden und auf eine coronabedingte Absage hoffen. Die Importeursmarken aus Asien und den europäischen Nachbarländern fühlen sich bisweilen übergangen. Auch hier überlegen einige, der Neuauflage der IAA 2021 in München komplett fernzubleiben.

Der Termin der Internationalen Automobilausstellung 2021 vom 7. bis 12 September ist gerade im weltweiten Umfeld nicht ganz unproblematisch, denn nur knapp zwei Wochen vor der automobilen Leistungsschau an der Isar findet vom 20. bis 29. August die New York Autoshow 2021 statt. Noch bitterer in diesem Zusammenhang, dass die North American International Autoshow - abgehalten in Detroit - sich coronabedingt ebenfalls auf den Herbst gelegt hat. Die einstige Wintermesse, abgehalten kurz nach dem Jahreswechsel im eiskalten Michigan, hätte in diesem Jahr an sich zum ersten Mal im Frühsommer stattfinden sollen. Sie fiel ebenso wie die anderen Messen aus und so wurde gleich der 2021er-Termin auf den Zeitraum vom 28. September bis zum 9. Oktober gelegt. "Unsere Verantwortung als Automobilausstellung ist es, eine globale Bühne für aktuelle Produkte sowie Mobilitätsinnovationen von morgen zu veranstalten", so Rod Alberts, Executive Director der NAIAS, "der September ist eine hervorragende Jahreszeit für neue Produkte und verringert gleichzeitig die Herausforderungen, die ein jetzt überfüllter Kalender für die Frühjahrsautoshow für die Interessengruppen der Automobilausstellung darstellt."

Beide US-Termine spielen der IAA 2021 ebenso wenig in die Hände wie die Auto Guangzhou, die nach aktuellen Planungen im November 2021 in der chinesischen Wirtschaftsmetropole stattfinden soll. Immerhin hält sich die Los Angeles Autoshow 2021 nicht an ihrem Termin im November / Dezember fest, sondern will bereits vom 21. bis 31. Mai die Autofans an der Westküste locken. Für die Autohersteller bedeutet dies, dass man die Neuheiten, die man zukünftig überhaupt noch mit einem realen Event vorstellen will, auf mehrere Messen auf drei Kontinenten aufteilen muss. Der Genfer Salon als einstiger Frühlingsstar dürfte sich nach den Absagen von 2020 und 2021 schwer tun, im Messekalender noch eine Rolle zu spielen und auch der Pariser Autosalon, der diesen Herbst an der Seine wieder stattgefunden hätte, sollte durch Corona den Todesstoß bekommen und allenfalls noch eine nationale Bedeutung tragen.

Die politische Allwetterlage in der bayrischen Landeshauptstadt und der weiter grassierende Corona-Virus machen München als die begehrteste Metropole Deutschlands für einen Event wie eine internationale Autoausstellung alles andere als ideal. Dazu kommen die wankenden Autoriesen. Gaben große deutsche Marken wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder Volkswagen alle zwei Jahre einst 50 oder mehr Millionen Euro für die knapp zweiwöchige Leistungsschau unter dem Frankfurter Messeturm aus, kalkulieren die Marken heute für einen alles andere als Aufsehen erregenden Mobilitätsevent in München nicht einmal mehr ein Zehntel der einstigen Budgets ein. Die Restriktionen durch Terminlage (Oktoberfest), Örtlichkeiten und politische Situation vor Ort machen das Ganze zu einem Risiko, das viele nicht tragen wollen. So könnte die erste IAA in München im Jahre 2021 gleich die letzte sein.

Ob diese Skepsis berechtigt ist, muss natürlich die Zukunft zeigen. Jürgen Mindel, Geschäftsführer des VDA für die IAA, kann den negativen Stimmen nichts abgewinnen, sondern zeigt sich sehr zuversichtlich: "Wir stellen die IAA komplett neu auf, als internationale Leitmesse für Mobilität in der digitalen Welt. Unternehmen, die zuletzt nicht mehr da waren, werden zurück kommen. Und neue, innovative und bekannte Unternehmen, die in den letzten Jahren in die Mobilität eingestiegen sind, werden auch da sein. Die Flächenreservierungen liegen deutlich über den Erwartungen. Man merkt: Die Branche wächst und will sich zeigen. Die Messe kann auch unter Corona-Bedingungen stattfinden. Wir denken live und digital schon jetzt zusammen.“

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