Günter Walz, Leiter Produktion - Technologie und Konzepte Mercedes-Benz Cars, bei der Daimler AG. -

Günter Walz, Leiter Produktion - Technologie und Konzepte Mercedes-Benz Cars, bei der Daimler AG. - Bild: APR/Schiffer

“Wir wollen die Märkte aus jeweils lokalen Werken bedienen”, erklärt Günter Walz die künftige Stoßrichtung des Produktionsnetzwerkes von Mercedes-Benz Cars (MBC). Der Leiter Produktion – Technologie und Konzepte MBC  bei der Daimler AG zeigte auf dem AUTOMOBIL FORUM in Graz die Brisanz der Thematik Produktionsflexibilität anhand der Daimler-Werksstandorte im chinesischen Beijing und im ungarischen Kecskemét auf. Nur die Strategie lokaler Werke für lokale Märkte sichere deren wirtschaftlich optimale Belieferung. Auch Russland habe der Daimler-Konzern durchaus als einen möglicher künftigen Standort im Visier.

Walz, dessen direkter Chef Daimlers Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard ist, zeigte den Teilnehmern des Grazer Kongresses den globalen Produktions-Footprint von Mercedes-Benz Cars (MBC) auf. Deren möglicher Ausbau werde bei Daimler auf jährlicher Basis überprüft. Neue Projekte sind der Auf- bzw. Ausbau der Mercedes-Standorte im chinesischen Beijing und im ungarischen Kecskemét.

Auch Russland ist möglicherweise ein künftiger Standort, über den bei MBC konkret nachgedacht wird, erklärte Walz auf Nachfrage. Das sei allerdings stark abhängig von politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, könnte aber im Falle einer Konzern-Entscheidung relativ schnell in Angriff genommen werden. Doch zuvor konzentriere man sich auf die laufenden Projekte.

Die übergeordneten Ziele für Daimlers Pkw-Kernmarken seien laut Walz: Mit einem flexiblen Produktionsnetzwerk künftig immer in Marktnähe zu bauen. Dabei gehe es vornehmlich darum,  Handelsbarrieren wie hohe Einfuhrzölle auf Importfahrzeuge zu umgehen, die Logistikströme des Konzerns zu optimieren und die Auslastung einzelner Mercedes-Standorte zu verbessern.

Somit lassen sich auch der mögliche negative Einfluß von Wechsekursschwankungen reduzieren und die Produktionsstrukturen auf die Zukunft ausrichten, und das bei auch künftig nicht einfacher zu prognostizierenden Marktentwicklungen.

Der Leiter Produktion – Technologie und Konzepte Mercedes-Benz Cars bei Daimler zeigte am Beispiel des neu eingeweihten Standorts im ungarischen Kecskemét auf, wie solch ein Standortauf- bzw. ausbau bei Daimler abläuft. Neben Ungarn standen anfangs auch Standorte etwa in Tschechien oder Rumänien zur Wahl. Mittlerweile ist dort Richtfest gefeiert, momentan findet vor Ort der Ausbau des Presswerkes statt.

Für Walz verlagert sich damit auch der Schwerpunkt der europäischen Lieferantenlandschaft von MBC zunehmend von West- nach Osteuropa. Einen Grund sieht er in den lokal günstigen Faktorkosten, die – auch über den Stuttgarter Konzern hinausgehend – in naher Zukunft zu einem massiven Ausbau von Produktionskapazitäten in Osteuropa führen werden.

In Beijing ist die Anlage, ein 50:50-Joint-Venture mit dem chinesischen Partner BBAC, auch auf künftige Ausweitungen in der Montage oder der Paint- wie des Presshops ausgelegt. Allein das Gelände ist so groß wie Sindelfingen. In direkter Nachbarschaft in Beijing werden ab 2013 auch die Motoren gleich vor Ort gebaut – und damit erstmals außerhalb von Deutschland. Das Werk soll auf eine Kapazität von 100.000 Motoren pro Jahr ausgelegt werden. Zusammen mit Partner Beijing Benz Automotive Co.Ltd will die Daimler AG allein in den Aufbau zwei Milliarden Yuan (rund 230 Millionen Euro) investieren. Die Benzinmotoren sollen sowohl für die in Peking von Beijing-Benz produzierte C- und E-Klasse als auch für Kleintransporter der Modelle Vito und Viano genutzt werden können. Diese lässt Daimler in seinem südchinesischen Jointventure “Fujian-Daimler Automotive” herstellen. Im Beijinger Pkw-Werk werden seit 2005 C- und E-Klasse-Modelle gebaut. Mit den Chinesen wird derzeit über einen Anlauf des GLK vor Ort verhandelt.

AUTOMOBIL FORUM Graz: Rund 200 Teilnehmer, Manager und Spezialisten der OEMs und ihrer Lieferanten, sind auch 2010 wieder in der Steiermark. - Bild: APR/Schiffer

Das 12. AUTOMOBIL FORUM Graz – der Jahreskongress der europäischen Automobilhersteller und Zulieferer – findet vom 27. bis 28. Oktober 2010 in der Steiermark statt. Die Veranstaltung steht dieses Jahr unter dem Motto: ‘Die Zukunft der Automobilindustrie in Europa – Von der Produktion zum Kunden’

Andreas Gottwald