Behr verschafft sich finanzielle Luft und stimmt dem Mahle-Einstieg zu. (Bild: Behr)

Behr verschafft sich finanzielle Luft und stimmt dem Mahle-Einstieg zu. (Bild: Behr)

Die umworbene Braut nimmt den Antrag nur zu gerne an. „Mahle wäre der ideale Partner“, erklärte Markus Flik laut der “FAZ”, Vorsitzender der Geschäftsführung der Behr GmbH & Co. KG, auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart und bestätigte damit die Darstellung von Mahle-Chef Heinz Junker vom Vortag. Demnach würde Mahle sich an Behr im Zuge einer Kapitalerhöhung beteiligen. „Gemeinsam könnten wir der Kundschaft deutlich mehr bieten als Behr oder Mahle allein“, schilderte Flik die Chancen einer strategischen Partnerschaft. „Wir sind zuversichtlich, dass es zu einem Abschluss kommt.“ Am Preis werde der Einstieg von Mahle wohl nicht scheitern, sagte Flik.

Ohne dass Flik dies explizit sagte, machte er damit klar, dass eher die von Mahle gewünschten Einflussmöglichkeiten für Behr ein Problem sein könnten. Tatsächlich hatten die Familiengesellschafter von Behr einen Geldgeber gesucht, ohne die Mehrheit abgeben zu wollen. Ein Anteil von rund einem Viertel solle für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag verkauft werden, hieß es im vergangenen Sommer. Bisher halten die Familiengesellschafter 77 Prozent der Behr-Anteile; der Rest des Kapitals gehört der Beteiligungsgesellschaft BWK. Gespräche mit Finanzinvestoren und einem anderen industriellen Investor haben aber offenbar nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Flik spricht jetzt nicht mehr von der Mehrheit der Familie, sondern nur noch davon, dass die Familie größter Anteilseigner bleibe. Das heißt, Mahle könnte zusammen mit der BWK die Mehrheit halten und entscheidenden Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen. Zusammen kommen die beiden Zulieferer, deren Zentralen keine drei Kilometer voneinander entfernt sind, auf einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro.

Wegen der Umsatzschwerpunkte im Bereich Premiumautos, Nutzfahrzeuge und auf dem nordamerikanischen Markt hat Behr stärker als andere Autozulieferer die Krise zu spüren bekommen. Nachdem im Vorjahr ein zweistelliger Millionenbetrag als Verlust ausgewiesen wurde, verursachte der neuerliche Umsatzrückgang um ein Viertel 2009 einen noch größeren Verlust von 235 Millionen Euro vor Steuern. Man habe massiv gegengesteuert, sagte Flik: Die Investitionen seien halbiert, die Bestände um ein Fünftel verringert worden. Dadurch habe man den Anstieg der Nettoverschuldung auf 45 Millionen Euro beschränken können – auf allerdings stattliche 524 Millionen Euro. Durch den Einstieg eines Investors und die erwartete Verbesserung des laufenden Geschäfts soll die Eigenkapitalquote von 13 Prozent wieder die branchenüblichen 20 bis 30 Prozent erreichen.