ElringKlinger Fertigung

ElringKlinger profitierte 2010 massiv vom Aufschwung in der Automobilindustrie. - Bild: ElringKlinger

Im abgelaufenen Geschäftsjahr profitierte ElringKlinger massiv vom Aufschwung in der Automobilindustrie, der wichtigsten Abnehmerbranche des Unternehmens, das Dichtungen sowie Hitzeschilde und Abschirmteile produziert. Mit seinen vielen Produkten zur Verringerung des Gewichts und zur Steuerung der Effizienz von Fahrzeugen zählen nahezu alle großen Auto- und Nutzfahrzeughersteller zu den Kunden von ElringKlinger.

Bei einem Einnahmenplus von fünf bis sieben Prozent soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern überproportional um 15 Prozent bis 25 Prozent steigen, wie der schwäbische MDAX-Konzern am Montag mitteilte. Das Vorkrisenniveau bei der Marge rückt damit wieder näher.

Auch im Schlussquartal profitierte der MDAX-Konzern erheblich vom weltweiten Trend zur Verringerung der Abgasemissionen. Sogar die üblichen Weihnachtsferien mussten wegen der starken Nachfrage weitgehend ausfallen. Die Auftragseingänge legten in der Folge um fast 45 Prozent auf knapp 887 Millionen Euro zu, die Erlöse um rund 37,5 Prozent auf etwa 796 Millionen Euro. Bei den Einnahmen hatten die Schwaben bestenfalls 755 Millionen Euro erwartet.

Die deutlich gestiegene Kapazitätsauslastung sowie schlankere Kostenstrukturen trieben auch die Ertragskennzahlen an: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg überproportional um mehr als zwei Drittel auf knapp 107 Millionen Euro. Angepeilt hatte das in Dettingen an der Erms ansässige Unternehmen 105 Millionen Euro bis 110 Millionen Euro. Dass die Prognose nicht übertroffen wurde, lag nicht zuletzt an negativen Währungskurseffekten, die mit 9,3 Millionen Euro belasteten, sowie anderen einmaligen Sondereffekten.

Die operative Marge – also ohne Berücksichtigung der Währungseffekte – stieg auf 14,6 Prozent (Vorjahr: 10,9 Prozent). Unter dem Strich verdiente ElringKlinger mit knapp 66 Millionen Euro fast doppelt so viel wie im Krisenjahr 2009.

Auch für das angelaufene Jahr ist ElringKlinger zuversichtlich: Bei einer erwarteten Zunahme der weltweiten Fahrzeugproduktion von rund drei Prozent, geht das Unternehmen von einem organischen Umsatzanstieg von fünf bis sieben Prozent aus. In einem Interview mit Dow Jones hatte Vorstandschef Stefan Wolf bereits Ende 2010 gesagt, dass er das Wachstum eher am oberen Ende dieser Spanne sehe. Die Umsatzprognose dürfte mit Blick auf die zu Grunde gelegte Annahme relativ tief gestapelt sein. Denn viele Branchenexperten rechnen mit einem Wachstum der Automobilproduktion im hohen einstelligen Prozentbereich.

Zusätzlich soll das im vergangenen Jahr übernommene Dichtungsgeschäft der Freudenberg Gruppe 49 Millionen Euro zu den Erlösen beitragen. Durch die Übernahme des noch etwas weniger profitablen Geschäfts geht ElringKlinger 2011 von einer temporären Verwässerung der Marge um 0,6 bis 0,8 Prozentpunkten aus. Bis zum Jahresende soll das zugekaufte Geschäft auf eine Rendite von 10 Prozent kommen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf Konzernebene soll trotz der Verwässerung, hohen Ausgaben für den Anlauf neuer Produkte und tendenziell steigender Materialpreise um 15 Prozent bis 25 Prozent zulegen. Bis 2012 soll das Margen-Vorkrisenniveau von 16 Prozent bis 18 Prozent wieder erreicht werden.

Am Markt werden die Zahlen positiv eingestuft. Im Sog der Kursverluste in Folge des katastrophalen Erdbebens in Japan geht es für die ElringKlinger-Aktie am Montag aber steil bergab: Gegen 9.30 Uhr verliert das Papier knapp 10 Prozent auf 20,12 Euro. Auch andere Automobilwerte müssen teilweise deutliche Abschläge hinnehmen.

Ein Sprecher des MDAX-Konzerns hatte bereits am Sonntag auf Anfrage erklärt, dass die Fertigung in Japan laufe und derzeit keine allzu großen Auswirkungen auf die Produktion des Autozulieferers in dem Land zu erwarten seien.

Dow Jones Newswires