VW Stammwerk Wolfsburg

Nachdem Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh den früheren VW-Chef Martin Winterkorn lange gegen Kritik verteidigt hatte, fällt nun, nach dessen Abgang das Urteil der Arbeitnehmervertreter über den unter Winterkorn praktizierten Führungsstil unschmeichelhaft aus. Bild: Volkswagen

“Noch heute wird bei Volkswagen in den Führungsebenen zu sehr in Marken und Bereichen gedacht”, schrieben die Arbeitnehmervertreter in einer am Dienstag (20.10.) an Journalisten versandten Erklärung. Sie forderten auch angesichts des Skandals um manipulierte Abgaswerte, Mitarbeiter stärker in Entscheidungsprozesse einzubinden und getroffene Beschlüsse innerhalb des Unternehmens besser zu vermitteln.

Der Konzernbetriebsrat und die IG Metall verteidigten die bei Volkswagen besonders ausgeprägte Arbeitnehmer-Mitbestimmung. “Volkswagen ist ein Leuchtturm der Mitbestimmung, der das deutsche Modell an seine internationalen Standorte trägt und damit ein Stück Demokratie in der Wirtschaftswelt realisiert”, schrieben die Arbeitnehmevertreter. Sie stünden deshalb dafür, “dieses Mitbestimmungsmodell nicht nur zu verteidigen, sondern es konsequent weiterzuentwickeln”. Es sei “offensichtlich und durchsichtig, dass die Gegner der Mitbestimmung die Vorgänge in Reihen des VW-Managements dafür nutzen, Stimmungsmache zu betreiben”.

Bei Volkswagen war in der Folge des Abgasskandals der langjährige Vorstandschef Martin Winterkorn zurückgetreten. Sein Nachfolger ist der frühere Porsche-Chef Matthias Müller. Erst vor wenigen Monate hatte Ferdinand Piech nach einem Machtkampf mit Winterkorn den Posten des Aufsichtsratschefs bei dem Autokonzern verlassen. Ihm ist in der Position der vorherige Konzernfinanzvorstand Hans Dieter Pötsch gefolgt.

Winterkorn und der Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh galten als enge Vertraute. Osterloh verteidigte Winterkorn denn auch lange gegen Kritik. Nun allerdings fällt das Urteil der Arbeitnehmervertreter über den unter Winterkorn praktizierten Führungsstil unschmeichelhaft aus: “Während auf Seiten des Betriebsrats und der IG Metall die Strukturen schrittweise der neuen Zusammensetzung des Konzerns angepasst wurden, hat die Unternehmensseite lange an starren Strukturen festgehalten”, schrieben die IG Metall und der Betriebsrat am Dienstag.

Die Arbeitnehmerverteter forderten auch mehr Offenheit. Dazu gehöre “ein ehrlicher Umgang mit Fehlern nach innen” und “Offenheit gegenüber unseren Kunden”. “Konkret bedeutet dies für uns: Fehler dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden, sondern müssen benannt, analysiert und abgestellt werden”, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Der Betriebsrat und die IG Metall kündigten an, in einem Positionspapier “den notwendigen Wandel” zu beschreiben. Die Arbeitnehmervertreter erklärten zudem, sich “mit Nachdruck” dafür einsetzen zu wollen, “dass die von Managern verursachte Krise nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird”. Es mache sich innerhalb des Konzerns Verunsicherung breit. Vorstände diskutierten “Szenarien, in denen man die Krise nutzen will, um den lang erträumten Abbau von Leiharbeiternehmern voranzutreiben”.

Die Arbeitnehmervertreter versprachen darüber hinaus, sich “mit aller Kraft und ohne Ansehen von Personen” für die Aufklärung des Abgasskandals einzusetzen. Es müssten “Konsequenzen aus den bewussten Verstößen gegen Gesetze und Richtlinien gezogen werden”, forderten sie.

Ein Volkswagen-Sprecher gab zu der Erklärung auf Anfrage zunächst keinen Kommentar ab.

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Hendrik Varnholt, Dow Jones Newswires / ks