Tognum Montage

Die Übernahme des Motorenherstellers ist perfekt. Daimler und Rolls-Royce haben faktisch die volle Kontrolle über den Motorenbauer. - Bild: Tognum

Zum endgültigen Ende des Übernahmeangebots hält das deutsch-britische Bieterduo nach Angaben vom Freitag insgesamt gut 94 Prozent der Anteile des Motorenherstellers vom Bodensee. Da die Dreiviertelmehrheit sogar deutlich übertroffen wurde, könnte in der Hauptversammlung nun ein Gewinnabführungsvertrag beschlossen werden. Sogar ein Squeeze-Out – also der Ausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre – ist in Reichweite.

Ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag ist eine Voraussetzung dafür, dass Rolls-Royce wie geplant sein unter dem Namen Bergen geführtes Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit bei Tognum integrieren kann. Erst dann ließen sich wiederum die angepeilten Synergien – die alleine auf Umsatzseite mittelfristig auf einen Betrag im dreistelligen Millionenbereich taxiert werden – in Gänze realisieren.

Wie es nun weitergehen wird und ob es vielleicht sogar zu einem Squeeze-Out kommt, war zunächst nicht zu erfahren. Daimler hält sich die nächsten Schritte offen: Über das weitere Vorgehen werde “zu gegebener Zeit” entschieden, erklärte ein Sprecher des DAX-Konzerns auf Anfrage.

Finanzchef Bodo Uebber zeigte sich “hoch erfreut” über das Endergebnis des Angebots. “Jetzt werden wir uns darauf konzentrieren, das Geschäft gemeinsam weiterzuentwickeln. Wir sehen großes Potenzial in diesem Markt, der weltweit ein Geschäftsvolumen von mehr als 30 Milliarden Euro aufweist”.

Tognum soll nach der Übernahme regional breiter aufgestellt und zu einem der weltweit führenden Anbieter von Antriebssystemen in den Bereichen Marine, dezentrale Stromerzeugung und industrielle Anwendungen gemacht werden. Vor allem in den zukunfsträchtigen BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China rechnet man sich große Wachstumschancen aus. Rolls-Royce-Finanzchef Andrew Shilston erklärte, das Unternehmen werde rund um den Globus über eine breite Aufstellung hinsichtlich Produkten, Dienstleistungen und Lösungsangeboten verfügen.

Nachdem es bereits zuvor hartnäckige Spekulationen gegeben hatte, legten Daimler und Rolls-Royce Ende März die Karten auf den Tisch und machten ihr Interesse an der Übernahme von Tognum öffentlich. Daimler hatte die Ex-Tochter erst 2005 an den Finanzinvestor EQT verkauft, der die damalige MTU Friedrichshafen dann 2007 als Tognum an die Börse brachte.

Allerdings stieß die ursprüngliche Offerte über 24 Euro je Tognum-Aktie im Frühjahr auf wenig Gegenliebe bei den Anteilseignern. Weil der Kurs ständig darüber lag und demenstprechend kaum Aktien angedient wurden, stockte das Bieterduo kurz vor Toresschluss um 2 Euro je Aktie auf und sicherte sich so die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat. Die Übernahme, die Tognum mit rund 3,4 Milliarden Euro bewertet, kam ins Rollen.

Auch für die Führungsriege, die selbst rund 5 Prozent am Unternehmen hielt, war das ein lohnendes Geschäft: Der im Herbst scheidende Vorstandsvorsitzende Volker Heuer und sein Nachfolger, Finanzchef Joachim Coers, katapultierten sich Ende Mai mit der Andienung ihrer Anteile für insgesamt mehr als 138 Millionen Euro in die Riege der bestbezahlten deutschen Manager.

Heuer allein strich fast 79 Millionen Euro ein – rund 37 Mal soviel wie er 2010 verdiente. Coers, dem Daimler und Rolls-Royce den Verbleib im Tognum-Chefsessel zugesagt haben, erlöste mit dem Anteilsverkauf 59,5 Millionen Euro. Das entspricht dem 47-fachen seines letztjährigen Salärs. Zum Vergleich: Der bestbezahlte DAX-Vorstand, VW-Chef Martin Winterkorn, verdiente 2010 gut 9,3 Millionen Euro.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke