Honsel Firma

Eine Bietergemeinschaft aus Kanada hat den insolventen Automobilzulieferer Honsel übernommen. - Bild: Honsel

Das turbulente Bieterverfahren um den insolventen Autozulieferer Honsel ist zu Ende. Das berichtet das “Handelsblatt” in seiner heutigen Ausgabe.

Der Gläubigerausschuss der insolventen Leichtmetallgießerei hat am Mittwochabend der Übernahme durch den kanadischen Automobilzulieferer Martinrea und den Finanzinvestor Anchorage zugestimmt. «Wir wollen diesen Informationen nicht widersprechen», bestätigte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag entsprechende Medienberichte.

Dem „Handelsblatt“-Bericht zufolge soll heute die Belegschaft an den vier deutschen Standorten informiert werden. Honsel beschäftigt weltweit mehr als 4.000 Mitarbeiter, gut 3.000 davon in Deutschland.

Das Nachsehen im Bietergefecht um den Spezialisten für Motorblöcke aus Leichtmetall hat der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen. Zuletzt wollte der Düsseldorfer Aluminiumkonzern Trimet gemeinsam mit ZF Honsel übernehmen. Kunden aus der Autoindustrie, wie BMW und Daimler, hätten dagegen gerne Honsels mexikanischen Rivalen Nemak beteiligt gesehen.

Honsels Insolvenzverwalter Frank Kebekus kann das monatelange Gerangel der Bieter nun erfolgreich abschließen. Beim Kaufpreis sei ihm „nahezu eine Punktlandung gelungen“, hieß es in Verhandlungskreisen. Kebekus hatte für den operativ wieder profitablen und von Altlasten befreiten Autozulieferer fast 100 Millionen Euro gefordert. Honsel soll rund 600 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.

Die Käufer garantieren den Bestand der Standorte und wollen alle Arbeitsplätze erhalten, heißt es. Als Honsels größtem Gläubiger kam Finanzinvestor Anchorage bei der Entscheidung eine Schlüsselposition zu. Honsels Ex-Eigentümer RHJ, Tochter des US-Finanzinvestors Ripplewood, hatte dem Unternehmen im Zuge der Übernahme hohe Schulden aufgebürdet.

Nach der Entscheidung des Gläubigerausschusses werde man nun mit Martinrea und Anchorage weiterverhandeln, sagte der Honsel-Sprecher. Unklar sei, wann die Verträge unterschriftsreif seien. Nach Informationen der “Financial Times Deutschland” soll Martinrea mehr als 50 Prozent von Honsel bekommen und die operative Führung übernehmen.

Honsel machte mit 4.000 Mitarbeitern zuletzt einen Jahresumsatz von 540 Millionen Euro. Das Unternehmen war durch Kreditbelastungen aus der Übernahme durch den Investor RHJ in finanzielle Schieflage geraten und hatte im Oktober vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Unter Führung des Insolvenzverwalters Frank Kebekus wurde Honsel wieder profitabel.

dpa-AFX/Handelsblatt/Guido Kruschke