Friedrich Eichiner

Friedrich Eichiner: "Die Volatilität in den Märkten ist massiv gestiegen. In jedem Markt, auch beispielsweise in China, kann es zu Schwankungen kommen." - Bild: BMW Group

“Unser junges Produktportfolio macht uns Hoffnung für 2013″, sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland. “Wir sollten davon profitieren. Deshalb wollen wir weltweit auch stärker wachsen als der gesamte Markt”.

Experten rechnen damit, dass die weltweiten Automobilverkäufe 2013 um rund drei Prozent zulegen werden. Auch in diesem Jahr wird automobiles Wachstum nach Aussage Eichiners dabei außerhalb Europas stattfinden: “Der chinesische Gesamtmarkt wird 2013 aus unserer Sicht voraussichtlich um sechs Prozent zulegen”. In den USA werde es wohl rund fünf Prozent Wachstum geben. In Europa sei dagegen mit einem weiteren Rückgang der Verkaufszahlen um rund drei Prozent zu rechnen.

China und USA bleiben Wachstumstreiber

Im Jahr 2012 stellte BMW trotz der schwierigen Bedingungen auf dem alten Kontinent den dritten Verkaufsbestwert nacheinander auf. Deutliche Zuwächse vor allem in China und den USA trieben den globalen Absatz der Münchener um rund elf Prozent auf knapp 1,85 Millionen Autos in die Höhe. “Die weltweite Nachfrage nach unseren Produkten ist nach wie vor gut”, sagte Eichiner.

Zusätzliche Investitionen notwendig und sinnvoll

Auch mit der Entwicklung der Ertragslage zeigte er sich zufrieden: “Unser Ziel einer Rendite im Automobilgeschäft am oberen Ende des Korridors von acht bis zehn Prozent haben wir mit großer Sicherheit erreicht”. Wo es 2013 mit dem Ergebnis hingehen könnte, wollte Eichiner noch nicht verraten. Anspruch sei es aber, mit den Verkäufen den Gewinn zu steigern. Belasten werden nach seiner Aussage allerdings zusätzliche Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in Zukunftsthemen wie die Elektromobilität und den Leichtbau.

Zwei Millionen Fahrzeuge sind die magische Marke

Keine “großen Sorgen” machen dem Finanzchef in diesem Jahr mögliche Währungsschwankungen. “Gegenüber den Hauptwährungen sind wir bereits zu mehr als 50 Prozent gehedgt”. BMW sichere sich systematisch gegen Wechselkursschwankungen ab und spekuliere nicht. “Langfristig gesehen hat sich diese Strategie bezahlt gemacht”.

Am Ziel, 2016 erstmals die magische Marke von insgesamt zwei Millionen Verkäufen zu knacken, hält Eichiner fest. Er sieht aber Luft nach oben: “Ich würde mich natürlich über eine weiterhin positive Entwicklung freuen. Die Chance ist durchaus da”. Man müsse allerdings erst einmal abwarten, wie sich die Situation in Europa entwickele.

Weltweite Präsenz schützt gegen lokale Krisen

BMW kann der Krise trotzen, weil der Konzern breit aufgestellt ist: “Die Krise in Europa spüren wir natürlich auch, wir mussten unsere Ambitionen für den europäischen Markt zurücknehmen”, sagte Eichiner. Da BMW aber rund um den Globus vertreten sei, könne man die Marktschwäche hierzulande ausgleichen.

Die vorhandenen Kapazitäten will BMW auf dem Weg nach oben mit Bedacht ausbauen. Die Gefahr, Überkapazitäten aufzubauen, sieht Eichiner nicht: “Erst wenn die Nachfrage groß genug ist, folgen auch die Produktionskapazitäten”.

Einen der nächsten Schritte bei der Auslandsexpansion könnte BMW auf dem wachsenden russischen Markt machen: “Wir sind in Russland in Gesprächen hinsichtlich unserer zukünftigen Produktionskapazitäten vor Ort”, sagte Eichiner. Es sei zwar noch keine Entscheidung gefallen, machte er deutlich. “Aus strategischer Sicht ist es aber sinnvoll, darüber nachzudenken, wie es dort weitergehen kann”.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke