| von Götz Fuchslocher
Aktualisiert am: 18. Nov. 2019

Den Termin hätte man kaum besser wählen können, betonte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der BMW AG, Oliver Zipse, sowie dem stellvertretenden Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der BMW AG, Stefan Schmid, am Donnerstag (14.11.) den Medien das neue Kompetenzzentrum Batteriezelle der BMW Group vorstellte. Söder hob mit seiner Bemerkung auf die jüngste Ankündigung des Tesla-Chefs Elon Musk ab, in der Nähe Berlins eine Produktion von Autos und Batterien, eine so genannte Gigafactory, bauen zu wollen. Der bayerische Landesvater begrüßte dies, schwärmte gleichzeitig aber ob des Engegaments des heimischen OEMs BMW davon, dass „Bayern, Batterie und BMW eine neue Dreifaltigkeit“ darstelle.

In so starken Bildern wollte der BMW-Chef, das, was das Unternehmen an der Münchener Lemgostraße auf die Beine stellte, dann doch nicht beschreiben. Was man hier leiste, sei kein Neustart, sondern stelle schlicht einen weiteren konsequenten Schritt dar, sagte Zipse. Nachhaltige Mobilität sei heute ein Grundkonsens. Beim Engagament in der Elektromobilität und speziell bei der Batteriezelle komme es darauf an, diese sehr genau zu kennen, so der BMW-Chef. Die Batteriezell-Technologie sei ein zentraler Erfolgsfaktor in der Elektro-Offensive des OEMs. Durch sie lasse sich die funktionale Leistung sowie die Kosten der Batterie beeinflussen. „Mit unserer einzigartigen Kompetenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind wir immer auf dem neuesten Stand der Technologie. Wir können festlegen, welche Formate mit welchen Materialien wir zu welchen Konditionen beziehen.“ Damit sei man bestens aufgestellt für den weiteren Rollout der elektrifizierten Flotte, so Zipse.

200 Mitarbeiter, 200 Millionen Euro Investitionen

Das Kompetenzzentrum Batteriezelle bildet dazu auf rund 8.000 Quadratmetern die gesamte Wertschöpfungskette der Batteriezelltechnologie ab, von der Forschung und Entwicklung, über die Zusammensetzung und das Design der Batteriezelle bis hin zur Produzierbarkeit in Großserie. In das Areal, auf dem letztlich 200 Mitarbeiter unter anderem aus den Bereichen Chemie, Physik wie auch dem Maschinenbau beschäftigt sein werden, investierte die BMW Group gesamt 200 Millionen Euro. Der Gesamtbetriebsrat habe sich von Beginn an für das Kompetenzzentrum Batteriezelle eingesetzt, so Betriebsrat Schmid. „Die Arbeitnehmervertreter bei der BMW Group gestalten diese Zukunftsfelder der Automobilindustrie aktiv mit, um die spezifische Fachkompetenz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen weiter zu fördern und damit auch im Prozess der Transformation langfristig Arbeitsplätze abzusichern.“ Im neuen Zentrum bündelt BMW nun alle Kompetenzen und alles Know-how zur Batteriezelle. An der Lemogostraße setzt man dazu auf kurze Wege und überdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Teams sollen in München an einem Ort vom Rohstoffeinkauf über Zusammenarbeitsmodelle bis hin zu Produktionsprozessen umfangreiches Wissen abbilden.

Anlässlich des Presse-Events stellten die BMW-Leute in Workshops die Tätigkeitsfelder des Zentrums vor. Ein Forschungs- und Entwicklungsexperte Batteriezelle hob vor den Medienvertretern dabei insbesondere darauf ab, dass man das Kompetenzzentrum aufgrund des Themas nachhaltige Profitabilität benötige. Als drei wesentliche Treiber nannte er die eingesetzten Materialien, die Rohstoff-Märkte mit ihrer teilweise hohen Volatilität sowie den Zell-Markt. Dass man mit dem Kompetenzzentrum womöglich eine Konkurrenz zu etablierten Zellfertigern darstellen könne, verneinte man bei BMW. Man wolle keine Zellfertigung aufbauen, jedoch das tiefe Verständnis dazu im Hause haben. BMW setzt für seine E-Fahrzeuge nach wie vor auf Produzenten wie Samsung oder CATL. Für seinen Kompetenzaufbau kann der OEM mit langjähriger Erfahrung wuchern: 500.000 E-Fahrzeuge hat BMW bereits heute im Feld. Für die Zukunft stellt sich der bayerische Automobilhersteller mit Blick auf den Anteil elektrifizierter Autos vor, dass 2021 ein Viertel aller verkauften Fahrzeuge aus der BMW Group stammen werden, 2025 sollen sie bereits ein Drittel und 2030 die Hälfte aller in Europa verkauften Fahrzeuge ausmachen. BMW-Chef Zipse machte noch eine weitere Ankündigung: Ausgehend von der heutigen Technologie des E-Autos i3 werde man bis 2030 die Energiedichte der Batteriezellen verdoppeln und damit auch die Reichweite für die Kunden.

Transparenz zum Thema Rohstoffe schaffen

Die BMW-Forscher fokussieren freilich die Lithium-Ionen-Technologie, in die man über die vergangenen Jahre stark investierte. Im Kompetenzzentrum Batteriezelle forschen die Expertem an den relevanten Materialien und vergleichen diese systematisch miteinander. Hieraus können neue Materialsets für die einzelnen Bestandteile der Batteriezelle enstehen: Anode, Kathode, Elektrolyt und Separator. Das Zusammenspiel der Materialien leiste einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Zelldesigns, hörte man am Donnerstag in München. Der Autohersteller nutzte den Event daher auch, um den Journalisten Einblick in die Wertschöpfungskette Batteriezellenproduktion zu gewähren. Beim OEM liege bei allen Tätigkeiten ein maßgeblicher Fokus auf der Sicherheit der Systeme, war von mehreren der im BCCC Verantwortlichen zu hören. Dies beginne bei der exakten Kombination der Materialien. Dazu verfüge BMW in der neuen Anlage über den neuesten Stand der Technik und Methodik. Alleine die Themen Testfeld und Produktsicherheit nehmen vier Räume ein. Für die Weiterentwicklung setze man auf eigene Methodiken und gehe für die Kenntnis von Alterungsprozessen bis hinein in die Molekülebene.

Weitere Felder, die man im Kompetenzzenter bearbeitet sind die in der Öffentlichkeit präsenten Themen Nachhaltigkeit und Rohstoffe. Wie BMW-Einkaufsexperten betonen, habe man eine klare Vorstellung zu ethisch verantwortlicher Rohstoffgewinnung und -verarbeitung. Das Unternehmen kündigt denn auch an, für die kommende fünfte Generation der elektrischen Hochvoltspeicher Kobalt und Lithium für Batteriezellen ab 2020 direkt einzukaufen. Damit sei eine vollständige Transparenz über die Herkunft dieser beiden wichtigen Batterie-Rohstoffe gegeben, heißt es. Die Lieferverträge würden zudem eine Versorgungssicherheit bis 2025 und darüber hinaus garantieren. Kobalt werde man im Übrigen künftig direkt aus Minen in Australien und Marokko beziehen, Lithium unter anderem aus Australien. Zum Recycling kündigt BMW an, eine Quote von über 90 Prozent erreichen zu wollen. Im Kompetenzzentrum werde man die Recycling-Expertise zu Batterien weiter verbessern und noch intensiver an Recycling-Methoden arbeiten.