Trotz ursprünglich gedämpfter Erwartungen legte BMW in den traditionell absatzschwachen

Trotz ursprünglich gedämpfter Erwartungen legte BMW in den traditionell absatzschwachen Sommermonaten zu. (Bild: BMW)

Die Geschäfte des weltgrößten Premiumautomobilherstellers BMW laufen dank des anhaltenden Nachfragebooms in China im dritten Quartal besser als gedacht. “In den Monaten Juli und August haben wir eine sehr dynamische Entwicklung erlebt”, sagte Finanzvorstand Friedrich Eichiner am Donnerstag bei einer Investorenveranstaltung in China: “Unser Absatz lag höher als erwartet”. Sollte dieser Trend auch im September anhalten, werde die saisonale Abschwächung wohl geringer ausfallen als noch vor einigen Wochen befürchtet. Vor allem neue und profitable Fahrzeuge wie der neue 5er und der kleine Geländewagen X1 verkauften sich zuletzt gut.

Bei Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Anfang August hatte Eichiner mit Blick auf die traditionell (absatz)schwächeren Sommermonate davor gewarnt, das starke Ergebnis der ersten sechs Monate auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Ergebnisbelastungen erwartete der Manager seinerzeit aus einer leichten Absatzverschiebung weg von China und hohen Marketingkosten für Modellneuanläufe.

Dank der boomenden Nachfrage in China und der Trendwende in den USA erholte sich der Markt nach dem Einbruch 2009 in diesem Jahr deutlich schneller als erwartet. In den ersten acht Monaten verkaufte BMW insgesamt 919.258 Autos – 12,5% mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Vor allem profitable Premiummodelle der Kernmarke verkauften sich gut. Das stärkste Wachstum verbucht BMW in Asien und besonders in China: Im Reich der Mitte wurden im bisherigen Jahresverlauf insgesamt rund 106.000 Autos verkauft – mehr als im ganzen Jahr 2009.

Angetrieben vom boomenden China-Geschäft lieferte der Münchener DAX-Konzern auch bei den Finanzkennzahlen ein starkes erstes Halbjahr ab: Die Einnahmen legten zwischen Januar und Juni um 13,5 Prozent auf 27,79 Mrd EUR zu. Vor Zinsen und Steuern verdiente der weltgrößte Luxusautobauer rund 2,17 (Vorjahr: 0,11) Mrd EUR, netto 1,15 Mrd EUR, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 34 Mio EUR zu Buche gestanden hatte.

Auf Basis dieser deutlichen Markt- und Geschäftserholung in den ersten sechs Monaten hatte BMW Mitte Juli die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Die aktuellen Ziele bekräftigte Eichiner an Donnerstag: Nachdem zu Jahresbeginn ein Absatzplus im einstelligen Prozentbereich anvisiert worden war, sollen die Verkaufszahlen nun um ein Zehntel auf mehr als 1,4 Mio Fahrzeuge steigen.

Die besseren Verkaufszahlen sollen sich auch positiv im Ergebnis niederschlagen. BMW rechnet im Gesamtjahr mit einer Rendite (EBIT-Marge) im Automobilgeschäft von mehr als 5 Prozent, nachdem im Vorjahr ein operativer Verlust angefallen war. Im Finanzdienstleistungsbereich soll die Eigenkapitalverzinsung (Return on Equity) 2010 über der 18-Prozent-Marke liegen. Angesichts des sehr starken ersten Halbjahres halten Analysten diese Ziele für recht konservativ.

Finanzvorstand Eichiner beurteilt die Zukunftsaussichten für den Erfolgsgaranten der vergangenen Monate, den chinesischen Markt, als sehr gut: Mittel- bis langfristig werde China wohl der am dynamischsten wachsende Automobilmarkt der Welt sein, so der Manager. Das dortige Premiumsegment wird nach seiner Einschätzung bis 2022 um jährlich 4,5 Prozent auf mehr als 1 Millionen Autos anwachsen. Einige Branchenexperten rechnen damit, dass sich der Markt bis 2020 sogar auf rund 1,5 Millionen Autos verdreifachen könnte.

Die Volksrepublik – momentan der drittgrößte Markt der Münchener – habe daher das Potenzial, die Nummer eins zu werden, so Eichiner. Sein Unternehmen wolle dort die stärkste Premiummarke werden, vor allem im Hinblick auf die Markenbekanntheit und die Kundenzufriedenheit. Absatzstärkster Luxushersteller in China ist gegenwärtig die Volkswagen-Tochter Audi.

Um dem hohen Stellenwert Rechnung zu tragen, will BMW das lokale Modellportfolio deutlich ausbauen. Unter anderen soll das Megacity Vehicle bereits 2014 nach China kommen – nur ein Jahr nach der Weltpremiere. Auch die lokale Produktion soll ausgeweitet werden: “Wir werden dort auch kleinere Modelle bauen”, kündigte Eichiner am Donnerstag an. Im Nordosten des Landes in Shenyang läuft aktuell die 3er-Limousine als kleinstes Modell der Münchener vom Band.

Gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner Brilliance Automotive baut BMW gerade ein zweites Werk an dem Standort. Durch die Investition von rund 280 Mio EUR soll die jährliche Produktionskapazität auf 100.000 Autos mehr als verdoppelt werden. Schon 2013 ist eine Aufstockung der Kapazitäten auf bis zu 300.000 produzierte Fahrzeuge pro Jahr möglich. Mit den Kapazitäten soll dann auch das Zulieferernetz deutlich ausgebaut werden: “Wir wollen bis 2012 unser Netzwerk von aktuell rund 100 lokalen Zulieferern auf mehr als 160 ausweiten”, so Eichiner.

Viele Automobilhersteller verstärkten zuletzt ihre lokalen Produktionskapazitäten, um sich gegen Währungseffekte abzusichern und von niedrigeren Kosten zu profitieren. Für BMW spielen Wechselkursschwankungen eine recht große Rolle, denn der Konzern baut die meisten Fahrzeuge in Deutschland und zahlt dafür in Euro. Verkauft werden viele der Wagen aber in den USA, Großbritannien und China, wo das Unternehmen Dollar, Pfund und Yuan verdient.

Dow Jones Newswires