Rückruf wegen defekter Bremsunterdruckpumpe: 345.000 Fahrzeuge der 5er- (Bild), 6er- und

Rückruf wegen defekter Bremsunterdruckpumpe: 345.000 Fahrzeuge der 5er- (Bild), 6er- und 7er-Baureihe sowie 5.800 Rolls-Royce Phantom sind betroffen. - Bild: BMW

Betroffen seien weltweit 345.000 Fahrzeuge der 5er-, 6er- und 7er-Baureihe aus den Jahren 2002 bis 2008 sowie 5.800 Rolls-Royce Phantom von 2003 bis 2010, sagte ein Sprecher des Münchener Automobilkonzerns.

In allen Wagen sei eine möglicherweise defekte Bremsunterdruckpumpe eingebaut worden.

Es handele sich jedoch nicht um ein sicherheitsrelevantes Problem, betonte der Sprecher. Im Extremfall müsse der Fahrer beim Bremsen mehr Kraft aufwenden. Alle Kunden seien angeschrieben worden, um das Teil kostenlos austauschen zu lassen.

Mit am stärksten betroffen sind die USA, wo BMW in den vergangenen Jahren regelmäßig mehr Neuwagen verkauft hat als auf dem Heimatmarkt Deutschland. Jenseits des Atlantiks riefen die Münchener vorsorglich 198.000 Autos ihrer Kernmarke BMW und Rolls-Royce zurück. Schadenersatzklagen wegen Materialfehlern können in den USA teuer werden.

Die gesamte Automobilbranche reagiert seit dem Rückruf-Debakel bei Toyota bei technischen Pannen nervös, heißt es in einem Agenturbericht von Dow Jones Newswires. Toyota musste wegen klemmender Gaspedale, rutschender Fussmatten und kurzzeitig aussetzender Bremsen rund 8,5 Millionen Wagen zurückrufen. Neben dem enormen Imageschaden – noch immer meiden viele Autokäufer die japanische Marke – musste der Hersteller die Rekordstrafe von 16,4 Millionen US-Dollar zahlen, weil er die US-Behörden angeblich nicht rechtzeitig informiert hatte.

Die Sorge vor Strafzahlungen und einem Imageschaden bei der bayerischen Nobelmarke überlagerte zeitweise sogar die guten Verkaufszahlen. Der weltgrößte Premiumautohersteller hatte auch im September 16 Prozent mehr BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft als im Vorjahresmonat 2009, sagte Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer am Freitag am Rande des Pariser Autosalons.

BMW dürfte damit Anfang November 2010 starke Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Die Vertriebszahlen hätten sich in jedem Monat des abgelaufenen Quartals stärker als erwartet entwickelt, so Reithofer, dessen Vertrag jüngst bis 2016 verlängert wurde (siehe: http://www.automobil-produktion.de/2010/09/bmw-reithofer-bleibt-bis-2016/).

Bei Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Anfang August hatten die Münchener mit Blick auf die traditionell (absatz)schwächeren Sommermonate noch davor gewarnt, das starke Ergebnis der ersten sechs Monate auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Bereits Mitte September hieß es allerdings, die erwartete Abschwächung sei bis dato weniger stark ausgefallen als zunächst befürchtet.

Dank der boomenden Nachfrage in China und der Trendwende in den USA erholte sich der Markt für Oberklassewagen nach dem herben Einbruch 2009 in diesem Jahr deutlich schneller als erwartet. In den ersten acht Monaten verkaufte BMW insgesamt 919.258 Autos – 12,5 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Vor allem profitable Premiummodelle der Kernmarke verkauften sich gut.

Das stärkste Wachstum verbucht BMW in Asien und besonders in China: Im Reich der Mitte wurden im bisherigen Jahresverlauf insgesamt rund 106.000 Autos verkauft – mehr als im ganzen Jahr 2009. Angetrieben vom boomenden China-Geschäft lieferte der Münchener DAX-Konzern auch bei den Finanzkennzahlen ein starkes erstes Halbjahr ab: Die Einnahmen legten zwischen Januar und Juni um 13,5 Prozent auf 27,79 Milliarden Euro zu. Vor Zinsen und Steuern verdiente der weltgrößte Luxusautobauer rund 2,17 (Vorjahr: 0,11) Milliarden Euro, netto 1,15 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 34 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte.

Wies am Freitag in Paris jüngste Medienberichte über eine mögliche Ausweitung der Kooperation mit dem französischen Hersteller Peugeot auf den Carbon-Bereich zurück: BMW-Chef Dr. Norbert Reithofer. - Bild: BMW

Auf Basis dieser deutlichen Markt- und Geschäftserholung in den ersten sechs Monaten hatte BMW Mitte Juli die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Nachdem zu Jahresbeginn ein Absatzplus im einstelligen Prozentbereich anvisiert worden war, sollen die Verkaufszahlen nun um ein Zehntel auf mehr als 1,4 Millionen Fahrzeuge steigen. Die besseren Verkaufszahlen sollen sich auch positiv im Ergebnis niederschlagen. BMW rechnet im Gesamtjahr mit einer Rendite (EBIT-Marge) im Automobilgeschäft von mehr als fünf Prozent, nachdem im Vorjahr ein operativer Verlust angefallen war. Analysten halten dieses Ziel für sehr konservativ.

Reithofer wies am Freitag jüngste Medienberichte über eine mögliche Ausweitung der Kooperation mit dem französischen Hersteller Peugeot auf den Carbon-Bereich zurück. “Wir haben nicht mit Peugeot darüber gesprochen”, sagte der Manager. BMW und die Franzosen entwickeln zusammen Motoren, die im Mini eingesetzt werden.

gw, mit Material von Dow Jones Newswires