Norbert Reithofer

Norbert Reithofer: "BMW blickt nach dem Rekordjahr 2012 vorsichtig optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr." - Bild: BMW Group

Man wolle auch in diesem Jahr den Erfolgskurs fortsetzen, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer auf der Bilanzpressekonferenz. “Wir wollen unseren Absatz im laufenden Jahr erneut steigern und damit eine neue Bestmarke bei den Auslieferungen erreichen”. Angesichts hoher Aufwendungen für neue Technologien und Produkte sowie Investitionen in das Produktionsnetz werde der Vorsteuergewinn allerdings in der Größenordnung des Jahres 2012 liegen.

Finanzchef Friedrich Eichiner hatte noch vor wenigen Monaten eine Gewinnsteigerung als eigenen Anspruch ausgegeben. Damals war aber auch noch nicht endgültig klar, wie stark das Jahr 2012 tatsächlich war. Wie sich heute sagen lässt, war es das bislang erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte: 2012 verkaufte BMW fast 1,85 Millionen Wagen der Marken BMW, Rolls-Royce und Mini – fast elf Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor.

China und USA bleiben die Wachstumstreiber für Premiummarken

Vor allem in China und den USA legte der Absatz deutlich zu. Die Kernmarke mit dem blau-weißen Emblem verkaufte sich 1,54 Millionen Mal. Damit lag der Branchenprimus erneut vor der Konkurrenz: Audi schaffte rund 1,45 Millionen Verkäufe, Daimlers Pkw-Tochter ein vergleichsweise schmales Plus auf gut 1,42 Millionen, wobei 1,32 Millionen Autos den Stern auf der Kühlerhaube trugen.

Mit den Rekordverkäufen stiegen auch BMWs Einnahmen und Gewinn in bisher ungeahnte Höhen: Die Erlöse legten um knapp zwölf Prozent auf gut 76,8 Milliarden Euro zu. Operativ verdienten die Bayern 8,3 Milliarden Euro, vor Steuern waren es gut 7,8 Milliarden Euro und unter dem Strich rund 5,1 Milliarden Euro – jeweils etwas mehr als im Vorjahr.

Im Kerngeschäft mit Luxusautos schaffte BMW eine operative Rendite von 10,9 Prozent und lag damit in etwa auf dem Niveau von Audi und deutlich vor Mercedes-Benz, musste aber wie auch die Konkurrenten einen Rückgang hinnehmen. Alle Hersteller von Oberklassewagen hatten bereits im vergangenen Jahr mit massiven Investititionen in alternative Antriebstechnologien, die Internationalisierung des Produktionsnetzes sowie neue Modelle zu kämpfen, weshalb die Gewinne sich nicht so stark entwickelten wie die Verkäufe. Aber auch der zunehmend schärfere Wettbewerb lastete auf der Profitabilität.

In diesem Jahr geht BMW davon aus, dass die vielbeachtete Rendite im Automobilgeschäft im langfristigen Zielkorridor von acht bis zehn Prozent des Umsatzes liegen wird, wie Reithofer erklärte. Auch Audi peilt für diese Jahr einen Wert am oberen Rand dieses Bandes an.

Im Vergleich zu den Konkurrenten aus dem Volumensegment sind leichte Rücksetzer bei der Profitabilität allerdings Luxusprobleme. Vor allem jene Massenhersteller, die vorrangig auf dem kriselnden europäischen Markt unterwegs sind, schrieben zuletzt tiefrote Zahlen und stehen vor massiven Einschnitten oder haben diese schon umgesetzt.

Unternehmenschef Reithofer warnte trotz der guten Ergebisse und des “vorsichtig optimistischen” Ausblicks vor “zahlreichen Risiken” für die Geschäftsentwicklung und zählte unter anderem die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte, die anhaltende Rezession in der EU und die Abschwächung des Wachstums in China auf. Das Umfeld sei ungewiss und volatil, sagte er.

Deutlicher Ausbau der Modellpalette geplant

Um seinen Erfolgskurs zukünftig fortsetzen zu können, wird BMW angesichts der hohen Nachfrage nach Fahrzeugen des Unternehmens weiter in den Aus- und Aufbau von Kapazitäten investieren. Auch die Entwicklungskosten für neue Technologien und Fahrzeugkonzepte werden weiter steigen. Das Unternehmen wird 2013 allein elf neue Modelle an den Start bringen. Bis Ende 2014 wird die Modellpalette um insgesamt 25 neue Modelle erweitert, zehn davon ohne Vorgänger.

Mit dem Rückenwind durch die zahlreichen Modelle wollen die Bayern in den kommenden Jahren deutlich wachsen. 2016, im Jahr des 100-jährigen Firmenjubiläums, soll dann die Marke von zwei Millionen Verkäufen geknackt werden. Damit wollen die Münchener weiter die Nummer eins der Branche sein. Audi und Mercedes-Benz machen BMW den Platz an der Spitze der Oberklassehersteller jedoch streitig und wollen ihn bis spätestens 2020 erobern.

Wie Finanzvorstand Friedrich Eichiner sagte, sind die Werke bereits heute zu über 100 Prozent ausgelastet. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, seien weitere Investitionen in den Aufbau von Kapazitaeten notwendig. Wesentlich sei eine flexible Auslegung der Werke.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke