BMW Reithofer breit

Norbert Reithofer: "Trotz erheblichen Gegenwinds in vielen Automobilmärkten in Europa hat BMW ein starkes zweites Quartal eingefahren." - Bild: BMW Group

Für den Rest des Jahres rechnet der weltgrößte Hersteller von Luxusautos zwar mit weiteren Herausforderungen, bekräftigte aber den Ausblick für 2013.

Zwischen April und Juni setzte BMW mit gut 506.300 Autos 6,6 Prozent mehr ab als im Vorjahr. Starke Zuwächse gab es vor allem in den USA und China sowie bei der weiß-blauen Kernmarke, deren Verkäufe zwischen April und Juni um über acht Prozent stiegen.

Mit dem Absatz stiegen die konzernweiten Einnahmen um knapp zwei Prozent 19,56 Milliarden Euro. Vor Zinsen und Steuern verdiente BMW auf Konzernebene fast 2,07 Milliarden Euro und damit rund neun Prozent weniger als noch 2012.

Elektromobilität mit Milliardenkosten

Die Münchener stecken genau wie ihre Konkurrenten in einem massiven Investitionszyklus: Für neue Produkte und Werke sowie die Elektromobilität geben die Autohersteller momentan Milliarden aus. Das lastet ebenso auf der Profitabilität wie die schwache Nachfrage in Europa, die zu Preisnachlässen führt, sowie gestiegene Personalkosten.

In der ersten Jahreshälfte investierte BMW insgesamt 2,4 Milliarden Euro, wie Finanzvorstand Friedrich Eichiner in einer Telefonkonferenz vorrrechnete. Das sind 60 Prozent mehr als im Vorjahr. “Diese Investitionen sind notwendig für das langfristige, profitable Wachstum des Konzerns”, sagte er.

Im maßgeblichen Automobilgeschäft schrumpfte die operative Rendite BMWs unter anderem deshalb von 11,6 auf 9,6 Prozent. Im Vergleich zu anderen (Volumen-)Herstellern ist das allerdings immer noch ein hoher Wert. Nicht weniger Autobauer tun sich angesichts der Krise in Europa schwer damit, überhaupt Geld zu verdienen.

Vor und nach Steuern legte der Gewinn BMWs auf Konzernebene im zweiten Quartal sogar um rund drei beziehungsweise neun Prozent auf 2,03 beziehungsweise 1,39 Milliarden Euro zu. Die Diskrepanz der beiden Kennziffern zum gesunkenen operativen Gewinn ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Ergebnisbeitrag des chinesischen Joint Ventures mit Brilliance zulegte und im Finanzergebnis verbucht wird. Zudem ergaben sich positive Effekte aus Zins- und Währungssicherungsgeschäften.

BMW-Chef Norbert Reithofer zeigte sich zufrieden mit den vergangenen Monaten: “Trotz erheblichen Gegenwinds in vielen Automobilmärkten in Europa hat BMW ein starkes zweites Quartal eingefahren”, sagte er. Die breite globale Präsenz sei vorteilhaft gewesen, erklärte Finanzchef Eichiner in einer Telefonkonferenz. “Wir haben die rückläufige Nachfrage in Europa mit guten Zuwächsen vor allem in Asien und Amerika kompensieren können und entsprechend Fahrzeuge reallokiert”.

Mit den vorgelegten Zahlen schnitten die Münchener so ab, wie von Analysten erwartet.

Friedrich Eichiner

Friedrich Eichiner: "BMW erwartet für 2013 eine neuerliche Bestmarke bei den Auslieferungen und einen Vorsteuergewinn in der Rekordhöhe des Vorjahres." - Bild: BMW Group

BMW bleibt auf Augenhöhe mit dem Rivalen Audi

Im Vergleich zu den Rivalen können sich BMWs Zahlen sehen lassen: Im Automobilgeschäft schlugen sich die Münchener einmal mehr besser als Mercedes-Benz und liegen auf Augenhöhe mit Audi. Bei der Daimler-Tochter waren im zweiten Quartal nur 6,4 Prozent des Umsatzes als Gewinn hängengeblieben, die VW-Tochter schaffte eine Marge von 9,9 Prozent.

An den Jahreszielen hält der Branchenprimus ebenso wie die Konkurrenten fest. BMW erwartet für 2013 eine neuerliche Bestmarke bei den Auslieferungen und einen Vorsteuergewinn in der Rekordhöhe des Vorjahres. Vor allem in den USA und China sei weiter eine hohe Nachfrage zu erwarten, stellte das Management in Aussicht. Die vielbeachtete Rendite im Automobilgeschäft soll in diesem Jahr im langfristigen Zielband von acht bis zehn Prozent des Umsatzes liegen.

“Wir arbeiten hart daran, unseren erfolgreichen Weg fortzusetzen und bestätigen die Ziele”, sagte Eichiner. Dabei werden nach Aussage des Finanzvorstands Ausgaben für die Zukunftsthemen vor allem in den nächsten Monaten belasten: “Der Großteil der erwarteten Aufwendungen wird in das zweite Halbjahr fallen”, bekräftigte er. Auf Gesamtjahressicht haben die Münchener eine Milliarde an Zusatzvorleistungen für 2013 veranschlagt.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften nach Unternehmensangaben insbesondere in Westeuropa auch in den kommenden Monaten herausfordernd bleiben. “So werden die schwachen Märkte in Europa und die hohe Wettbewerbsintensität die BMW Group auch in der zweiten Jahreshälfte vor Herausforderungen stellen”, erklärte der Autobauer. Die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise würden auch über 2013 hinaus deutlich zu spüren sein und blieben ein Risiko für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung – nicht nur in der Eurozone.

Eurozone bleibt weiter kritisch

Vorstandschef Reithofer erteilte zarten Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Nachfrage auf dem alten Kontinent eine Absage: Vor dem zweiten Halbjahr 2014 werde es wohl keinen Lichtblick geben, sagte er. Der europäische Markt schrumpft das sechste Jahr nacheinander und dürfte in diesem Jahr auf das niedrigste Niveau seit Anfang der 1990er zurückfallen.

Gegenwirken will BMW den schwierigen Bedingungen mit Ausgabendisziplin und einer Modeloffensive, die den Spitzenplatz im Premiumsegment sichern soll: “In den Jahren 2013 und 2014 bringen wir 25 neue Automobilmodelle auf den Markt. Zehn davon haben keinen Vorgänger”, sagte Reithofer. Im Vergleich zu 2005 soll bis 2020 die Modellpalette verdreifacht werden, um sich den Angriffen der Konkurrenten aus Ingolstadt und Stuttgart zu erwehren.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke