Mercedes CLS Shooting Break breit

Die Schwaben müssen sich gewaltig anstrengen. Zwar kann Daimler bei der Zahl der verkauften Autos halbwegs mithalten, aber beim operativen Gewinn ist der Rückstand auf die Spitze gewaltig. - Bild: Daimler

Und plötzlich tauchen Probleme an ganz neuer Front auf.

Elf, zehn, drei – diese krumme Zahlenfolge bringt das Wettrennen von Deutschlands Premium-Autobauern derzeit auf den Punkt. Audi, BMW und Daimler streiten um die Krone der Oberklasse-Hersteller und stellen dabei die Umsatzrenditen ihrer Pkw-Sparten nebeneinander. Also die Rechnung: Wie viel Geld verdiene ich je 100 Euro Umsatz. Hier will jeder der Maßstab sein – aber neben König Audi, der 11,10 je 100 Euro einnimmt, und Kronprinz BMW (9,90 Euro) sieht Daimler mit 3,30 Euro derzeit eher wie ein Tagelöhner aus. Sogar Volkswagens Tochtermarke Skoda ist profitabler.

Wird aus dem Dreikampf ein Duell?

Zumindest war das im ersten Quartal 2013 der Fall, zu dem BMW am Donnerstag als letzter der Hersteller die Zahlen vorgelegt hat. Das aus Stuttgarter Sicht traurige Fazit: Die Konkurrenz ist Daimler noch weiter enteilt, aus dem Dreikampf scheint zumindest in puncto Profitabilität eher ein Duell um die Spitze geworden zu sein.

Zwar kann Daimler bei der Zahl der verkauften Autos halbwegs mithalten, aber beim operativen Gewinn ist der Rückstand auf die Spitze gewaltig. Während BMW mit zwei Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) fast das Niveau von 2012 erreicht, kommt Daimler mit 917 Millionen nicht mal mehr auf die Hälfte. Audi liegt mit 1,3 Milliarden Euro auch nur knapp unter dem Wert von vor einem Jahr.

“Fit for Leadership” – bis wann?

Auf dem Papier haben sich die Stuttgarter bis 2020 Zeit genommen, um die beiden Konkurrenten zu überholen. Aber je länger erste Erfolge auf sich warten lassen, desto größer werden die Zweifel an den Chancen der Aufholjagd – und damit auch an Konzernchef Dieter Zetsche. Der gilt bereits als angezählt, seit sein Vertrag im Frühjahr nur um drei statt fünf Jahre verlängert wurde.

Schwaben setzen voll auf ihr Flaggschiff S-Klasse

In diesem Jahr setzt er vor allem auf die neue S-Klasse, die in zwei Wochen Premiere feiert und den Stuttgartern als Flaggschiff völlig neuen Schwung geben soll – möglichst noch im zweiten Halbjahr. Aber auch die in Aussicht gestellten Neuheiten der nächsten Monate und Jahre müssen zügig einschlagen. Denn gerade BMW hat seinerseits eine umfassende Modelloffensive angekündigt und will offenbar auch die letzten Nischen besetzen, bevor Mercedes-Benz ein eigenes Angebot auf die Straße bringt.

Und als wäre das nicht genug Druck, muss Daimler auch außerhalb der Pkw-Sparte Störfeuer löschen: Nach einem nur durchschnittlichen Ergebnis im Crashtest steht der kompakte Transporter Citan, der für die Stuttgarter das Segment der kleinen Lieferwagen erobern sollte, seit einigen Tagen im Zentrum der Kritik – und Zetsche damit erneut. Ohnehin hatten Branchenbeobachter moniert, was an dem Wagen noch “Premium” sein solle, wenn er auf dem wenig luxuriösen Kangoo des Partners Renault basiert und in dessen Fabrik vom Band läuft.

Citan-Crashtest sorgt für deutliche Kritik

Zumindest der Sicherheitsgedanke schien doch Kernidee aller Daimler-Autos zu sein – erst recht, wenn das Auto auch als kleiner Familien-Van gedacht ist. Und so wollte Zetsche nach dem Crash-Debakel keine Zweifel an den Ansprüchen der Stuttgarter auch beim Citan aufkommen lassen. “Das Ergebnis ist selbstverständlich völlig unbefriedigend. Damit müssen wir uns natürlich beschäftigen”, sagte er den Zeitungen der WAZ-Gruppe. “Dass unsere Wettbewerber auch nicht besser abschneiden, ändert nichts an dieser Tatsache.”

Aber das Testergebnis samt Kommentaren ist in der Welt und könnte auch ein neues Licht auf die groß angelegte Zusammenarbeit mit Renault und Nissan werfen. Schließlich hatte schon der Kangoo beim eigenen Crashtest vor fünf Jahren nicht besonders gut abgeschnitten. Und mit der französisch-japanischen Allianz wird Daimler vermutlich seinen Transporter Sprinter bauen, wenn die aktuelle Zusammenarbeit mit Volkswagen 2016 ausläuft. Beiderseitiges Interesse ist verbürgt, es geht wohl nur noch um die Frage, wo die Lieferwagen gebaut werden.

Beim Sprinter müssen die Stuttgarter auf Nummer sicher gehen. Auch weil VW nach dem Ende der Sprinter-Crafter-Kooperation zwischen Stuttgart und Wolfsburg einen eigenständig produzierten Schützling ins Rennen schicken dürfte. Eine zweite Flanke neben der Pkw-Sparte werden Daimler und Zetsche nicht öffnen wollen.

Alle Beiträge zu den Stichworten Audi BMW Daimler

dpa/Guido Kruschke