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BMW und Porsche teilen sich mit 627 Punkten den Platz 1, gefolgt von Mercedes-Benz auf Platz drei mit 621 Zählern, knapp geschlagen mit nur einem Punkt Abstand vom einzigen Exoten unter den Top 5 Toyota. - Bild: BMW/Porsche/Habrich-Böcker

Welcher Automobilhersteller ist des Zulieferers liebster Kunde?, fragt seit 2006 das Beratungs- und Analyseunternehmen IHS Automotive. Wer die Favoriten sind…

Auf den ersten Rängen des aktuellen Supplier Relationship Index sind die deutschen Premiumhersteller fast unter sich: Während BMW und Porsche sich mit 627 Punkten Platz 1 teilen, folgt auf Platz drei mit 621 Zählern Mercedes-Benz, knapp geschlagen mit nur einem Punkt Abstand vom einzigen Exoten unter den Top 5 Toyota. Dahinter Audi, allerdings mit deutlichem Abstand (602 Punkte).

Top-Platzierungen für die deutschen Autobauer

Das ist das Ergebnis der internationalen Studie von IHS Automotive, die jährlich die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Zulieferern untersucht ? 2013 bereits zum siebten Mal. Fünf Kategorien wurden dabei abgeklopft: Profitpotenzial, Organisation/Kommunikation, Vertrauen, Qualitätsziel sowie der Ausblick für die Zusammenarbeit. Tenor: “Die Stimmung ist gut, aber der Profit verschlechtert sich”, sagt Reinhard Schorsch, Director Automotive Consulting bei IHS gegenüber der AUTOMOBIL PRODUKTION.

“Stimmung ist gut, aber der Profit verschlechtert sich”

Über dieses Fazit hinaus zeichnen die Bewertungen in den Einzeldisziplinen ein interessantes Stimmungsbild: BMW holte neben dem ersten Rang in der Gesamtwertung die Bestnote in der Kategorie “Pursuit of Excellence”. Dafür fährt Porsche den Sieg in der Kategorie “Vertrauen” ein. Hier wurde gefragt, ob der OEM dazu tendiert zu günstigeren Zulieferern zu wechseln, geistiges Eigentum respektiert und schützt, sowie getroffene Preisvereinbarungen einhält.

Audi konnte hier ebenfalls punkten. Die Volkswagen-Tochter schaffte es beim Ausblick auf den ersten Platz. Gefragt wurde nach Attraktivität und langfristigen Aussichten (auch auf die Zunahme des Geschäfts und die Offenheit für neue Lieferantenbeziehungen). Auch Porsche brachte es auf eine Bestwertung in der Kategorie “Vertrauen”, die unter anderem den Umgang mit geistigem Eigentum und die Solidität der Preisvereinbarungen bewertet.

Die Volumenhersteller bekamen zum Teil auch gute Zeugnisse. Toyota holte Platz 1 bei der Organisationsbewertung, in der unter anderem die technische Kompetenz, die Vorbereitung einer Modell-Neueinführung, die Kommunikationsqualität oder die Unterstützung bei der Verbesserung der Qualität untersucht. Und Subaru wurde von den Befragten zum besten OEM beim Thema Profitpotenzial gewählt.

Profitabilitäts-Schere zwischen Volumen- und Oberklassehersteller schließt sich immer mehr

Eine weitere Erkenntnis bringt die Gesamtbetrachtung: Die Top 4 unterscheiden sich kaum im Bewertungsniveau. Und führt dazu, dass sich die Profitabilitäts-Schere zwischen Volumen- und Oberklassehersteller immer mehr schließt. Beleg dafür: Allein elf von 35 bewerteten Autoherstellern bekamen in der Kategorie Profitpotenzial schlechtere Bewertungen als im Vorjahr.

Ungeachtet dessen büßen die Premiumautobauer nichts an Attraktivität ein. Matteo Fini, IHS-Experte und der Autor der Studie, begründet das mit der DNA der Beziehung: “Premiumanbieter wie BMW sehen in ihren Zulieferern eher Technologiepartner. Volumenhersteller sind mehr preisgetrieben. Da richtet sich beim Umgang der Fokus natürlich eher auf den Preis.”

Im diesjährigen Ranking konnten sich einige Kandidaten gegenüber dem Vorjahr stark verbessern: Skoda signifikant um 77 Punkte auf 567, Subaru um 56 auf 568. Auf die Punktzahl kam auch Ford und war somit 55 Zähler besser als im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Die beiden Sieger Porsche und BMW brachten es auf 627 Punkte. Auf den hinteren Rängen tummeln sich (noch) die chinesischen und indischen OEMs, die es im Schnitt 365 Zähler brachten.

Teilnehmer stufen die Aussichten für 2013 als unsicher ein

“Die Befragung wird immer Anfang des Jahres durchgeführt”, so Reinhard Schorsch. “Interessant in diesem Jahr war, dass die Teilnehmer die Aussichten für 2013 als unsicher einstuften. Aber das hat sich zwischenzeitlich geändert: Die Stimmungslage hat sich nach den ersten Monaten ins Positive gedreht.”

Aber auch das von Unsicherheit geprägte Stimmungsbild zeigt eine grundsätzliche Verbesserung gegenüber 2012. Alle OEM auf den Spitzenplätzen konnten in der Gesamtwertung punkten konnten. Nur Jaguar/Landrover verlor auf den vorderen Rängen im Vergleich zum Vorjahr, wenn auch nur um vier Zähler. Da erstaunt es nicht, dass auch Eigner Tata die Laterne mit dem höchsten Punkteverlust (minus 83) trägt.

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Christiane Habrich-Böcker