Bislang konnten nur Fahrzeuge von Tesla kostenfrei an den Schnelladestationen aufgeladen werden.

Bislang konnten nur Fahrzeuge von Tesla kostenfrei an den Schnelladestationen aufgeladen werden. Jetzt will Elon Musk das Supercharger-Netz seines Unternehmens auch für andere Hersteller öffnen und damit quasi einen industrieweiten Standard etablieren. Bild: Tesla / press-inform

“Wir können bestätigen, dass Führungskräfte der BMW Group sich am Mittwoch mit Tesla-Managern getroffen haben”, sagte ein Sprecher der BMW Group gegenüber der Fachzeitung Produktion. “Beide Unternehmen sehen sich dem Erfolg der Elektromobilität stark verpflichtet. Sie haben diskutiert, wie man die Entwicklung der Elektromobilität auf einem internationalen Niveau weiter stärken kann.”
Laut amerikanischen Medien ließ Tesla-Boss Musk durchblicken, dass es insbesondere um leistungsstarke Ladestationen für die Akkus von Elektrofahrzeugen ging. Somit könnten auch die Fahrer von BMW-Elektroautos Teslas Ladesäulen nutzen, um die Batterien ihrer Fahrzeuge wieder mit elektrischer Energie zu füllen. Bislang sind Teslas Supercharger nicht kompatibel mit den Anschlüssen von fast jedem anderen Hersteller. Auch die Möglichkeit einer tiefergehenderen Zusammenarbeit sei besprochen worden.

Tesla hatte bereits mitgeteilt, seine Patente an andere Autobauer weiterzugeben. Tesla werde keine Patentklagen gegen all diejenigen anstreben, die „in guter Absicht unsere Technologie nutzen wollen“, so Tesla-Chef Musk. “Gestern gab es noch eine Mauer aus Tesla-Patenten in der Lobby unseres Hauptsitzes in Palo Alto. Das ist nicht mehr der Fall. Sie wurde entfernt, im Geist der Open-Source-Bewegung, für den Fortschritt der Elektrofahrzeugtechnologie”, erklärt Musk in blumigen Worten auf Teslas Firmenblog. Tesla sei gegründet worden, um die Einführung nachhaltiger Elektromobilität zu beschleunigen. Deshalb dürfe man auch den Konkurrenten nicht durch das Beharren auf Patentrechte, Steine in den Weg legen.

Die Konkurrenten seien nicht die anderen Elektroautobauer, sondern die Hersteller, die Fahrzeuge mit fossilen Kraftstoffen produzieren. „Wir glauben, dass Tesla und andere Unternehmen, die Elektroautos bauen, und die ganze Welt von einer gemeinsamen, sich schnell entwickelnden Technologieplattform profitieren würden“, erläutert Musk.

Tesla besitzt immerhin gut 160 Patente. Dazu zählen Systeme, die Batterien vor dem Überladen schützen sowie verbesserte Rotor-Konstruktionen in Elektromotoren. Die letzten öffentlich zugänglichen Patentanmeldungen von Tesla beziehen sich laut US-Patentamt auf Computer-User Interfaces und einen speziellen Anschluss für Not-Wartungen an Hochenergie-Batterien.

Ob Musks Vorstoß den Durchbruch für die Batterietechnik bringt, ist allerdings offen. Denn die Patente des Panasonic-Konzerns, der alleiniger Produzent in der von Tesla geplanten Batterie-Fabrik werden soll, bleiben außen vor.

Daimler nutzt bereits Tesla-Technologie

Schon im Januar hatte Daimler Chef Dieter Zetsche verlauten lassen, dass sein Unternehmen offen sei für eine tiefergehende Partnerschaft mit dem US-Unternehmen. Tesla liefert bereits Elektromotoren und Akkus für die Elektroversion der Mercedes B-Klasse. Die Stuttgarter sind mit 4,3 Prozent an dem US-Unternehmen beteiligt.

Die Freigabe der Technologien des E-Auto-Herstellers könnte nach Ansicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer dem Elektroauto aus seinem Nischendasein helfen. “Das System E-Auto kriegt dadurch einen starken Schub”, sagte der Chef des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen am Freitag der dpa.

Wettbewerber die Technologien kostenlos nutzen zu lassen, sei ein großer Schritt nach vorn für die Branche, betonte Dudenhöffer. Davon könne auch Tesla-Gründer Elon Musk profitieren. “Andere Hersteller haben keine Chance mehr, die Technologie links liegen zu lassen.”

Der Elektro-Pionier aus dem Silicon Valley hat sich zum Ziel gesetzt, mittelfristig 500.000 Fahrzeuge jährlich zu produzieren. Außerdem sollen durch den Bau einer großen Akku-Fabrik die Produktionskosten weiter gesenkt werden. Des Weiteren plant Tesla, laut Medienberichten, eine Fabrik in Europa. Voraussetzung dafür ist, dass das Unternehmen mehr als 160.000 Autos auf dem europäischen Kontinent verkauft. 2013 verkaufte Tesla gut 24.000 Fahrzeuge weltweit. Dabei wurden drei Viertel des Umsatzes im Heimatland Amerika erwirtschaftet. Im Jahr 2014 will der Elektroautobauer seinen Absatz verdoppeln.

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Gabriel Pankow/Reuters/dpa-AFX