Ian Robertson

Ian Robertson: "Wir erwarten, dass sich die Wachstumsraten in den kommenden Jahren normalisieren werden. Die hohen Zuwächse der Vergangenheit dürften in China daher nicht erreicht werden." - Bild: BMW Group

Die Münchener erwarten nur noch ein Verkaufswachstum mit einer hohen einstelligen Rate. Im vergangenen Jahr war es für BMW in China noch um rund 40 Prozent nach oben gegangen.

“Wir erwarten, dass sich die Wachstumsraten in den kommenden Jahren normalisieren werden”, sagte BMW-Vertriebsleiter Ian Robertson während der Automesse in Schanghai am Wochenende. Die hohen Zuwächse der Vergangenheit dürften in China daher nicht erreicht werden. “Der Markt wird ein Stück weit erwachsen”, erklärt Robertson.

Chinas Autobauer drängen nach vorne

Marktbeobachter führen die verhaltene Prognose von BMW auf das sich ändernde Umfeld im Reich der Mitte zurück. Die Wirtschaftslokomotive China verliert immer mehr an Dampf. Im ersten Quartal hat sich das Wirtschaftswachstum sogar überraschend stark verlangsamt. Der Wettbewerb auf dem Automarkt wird zudem härter, und die Regierung des Landes versucht den inländischen Herstellern immer mehr unter die Arme zu greifen.

Für BMW und die Mitwettbewerber sind das keine guten Vorzeichen. Die Münchener sind einer der größten Premiumautobauer in China und konnten beim Wachstum bisher ganz vorne mitfahren. Aber nicht nur BMW baut auf das China-Geschäft: Auch Audi und Mercedes-Benz profitieren von der rasant wachsenden Mittel- und Oberschicht in China, die sich immer mehr Autos aus der Oberklasse leistet. Dabei ist der Erfolg des Trios ungleich verteilt: Die Stuttgarter hinken BMW und Audi bisher noch hinterher.

Im ersten Quartal kletterten die Verkäufe der Marke BMW um 7,4 Prozent auf 80.570 Fahrzeuge. Das Wachstum liegt damit zwar noch etwas über dem des gesamten Automarktes in China. Die Rivalen aus Ingolstadt steigerten ihren Absatz mit 14 Prozent auf 102.800 Fahrzeuge aber deutlich stärker. Bei Mercedes-Benz ging es dagegen um 12 Prozent bergab. Marktbeobachter gehen allerdings davon aus, dass die Marke mit dem Stern in den nächsten Monaten aufholen wird.

Mercedes-Benz will neue Modelle auf den Markt bringen und hat die Vertriebsstruktur auf Vordermann gebracht. Das alles dürfte Mercedes-Benz in China gegenüber BMW Auftrieb geben, erwartet Andreas Gräf von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Zudem könnte BMW versuchen, das Preisniveau zu halten, um sich eher auf die Margen als auf Marktanteile zu konzentrieren. “Das könnte das Absatzwachstum von BMW beeinträchtigen”, resümiert Gräf.

Daimler bringt seine Vertriebsstruktur “auf Vordermann”

Während BMW sich mit Blick auf China zurückhaltend zeigt, sendet Daimler weiter zuversichtliche Töne für den größten Automarkt der Welt aus. China-Vorstand Hubertus Troska räumt zwar ein, dass es in China schon dynamischere Zeiten gab als jetzt. Das Wachstum werde aber ordentlich bleiben. Auch die Auswirkungen der Maßnahmen, Regierungsmitgliedern den Kauf einheimischer Automarken nahezulegen, sollten begrenzt bleiben. Auch Audi spielt diese Entwicklung herunter. 90 Prozent der Audi-Käufer seien in China Privatpersonen, sagte China-Chef Dietmar Voggenreiter.

Den Optimismus der Premiumautobauer stützen bisher auch Analysten. Bei IHS Global Insight rechnen die Experten für das Oberklassesegment im laufenden Jahr noch mit einem Wachstum von 17 Prozent. Die jüngsten Aussagen von BMW könnten nun aber darauf hindeuten, dass sich der Markt stärker abkühlt als bisher gedacht. “Das sollte eine bedeutendes Warnsignal für Hersteller von Premium- und Luxusgütern sein”, betont Gräf von A.T. Kearney.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke