| von Andreas Karius

„Der weltweite Automarkt hat einen Gang zurückgeschaltet“, kommentiert Peter Fuß, Partner bei EY. „Nachdem die Umsätze der größten Autokonzerne im Vorjahresquartal noch um zehn Prozent nach oben geschnellt waren, legten sie im abgelaufenen Quartal gerade einmal um ein Prozent zu. Einige wichtige Absatzmärkte – etwa Russland und Brasilien – befinden sich in einer tiefen Krise, in den USA stagnieren die Verkäufe auf hohem Niveau, derzeit sorgen nur noch Westeuropa und China für Wachstum.“

Vor allem in Westeuropa lief es im zweiten Quartal gut: Insgesamt stiegen die Pkw-Verkäufe der analysierten Autokonzerne hier um neun Prozent, die deutschen Konzerne legten um acht Prozent zu. In China konnten die deutschen Autobauer ihren Absatz um neun Prozent erhöhen, während das Wachstum aller 16 Unternehmen bei sieben Prozent lag.

Dank der guten Entwicklung in China gewann das Reich der Mitte für die deutschen Autobauer im ersten Halbjahr weiter an Bedeutung: Fast jedes dritte Auto (32 Prozent) verkauften die deutschen Autokonzerne in China – im Gesamtjahr 2015 lag der Anteil Chinas am weltweiten Gesamtabsatz bei 31 Prozent, im Vorjahr bei 30 Prozent. „China ist weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber für die deutschen Autobauer, während der US-Markt ihre größte Baustelle bleibt“, stellt Fuß fest. In den USA gingen die Verkäufe der deutschen Autobauer im zweiten Quartal deutlich – um sieben Prozent – zurück, der Gesamtmarkt schrumpfte nur um ein Prozent.

Die Hauptgründe für den Gewinnrückgang der deutschen Konzerne waren im zweiten Quartal zum einen die zusätzlichen Rückstellungen im Zusammenhang mit der rechtlichen Aufarbeitung der Diesel-Affäre aus, die das Ergebnis des Volkswagenkonzerns um 1,6 Milliarden Euro verringerten. Obendrein mussten die drei Unternehmen Rückstellungen im Zusammenhang mit möglicherweise fehlerhaften Takata Airbags in Höhe von insgesamt geschätzt 800 Millionen Euro vornehmen.

Zusätzlich drücken zum Teil hohe Rabatte auf die Gewinnmarge, beobachtet Fuß: „Die Weltkonjunktur schwächelt, der weltweite Pkw-Absatz wächst nur noch leicht, viele wichtige Absatzmärkte bleiben im Krisenmodus – da greifen die Anbieter gerade im Volumensegment vermehrt zu Rabatten, um die Verkäufe anzukurbeln und Marktanteile zu verteidigen oder zu gewinnen. Das belastet die Marge massiv.“

Fuß rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einer weiterhin schwachen Wachstumsdynamik auf dem weltweiten Neuwagenmarkt: „In den USA dürfte der Zenit des jahrelangen Aufschwungs erreicht sein, dort wächst der Markt vorläufig nicht mehr. Und auch Europa wird beim Wachstum voraussichtlich bald das Ende der Fahnenstange erreichen – da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Die Autokonzerne müssen sich auf niedrigere Zuwächse einstellen – der Verdrängungswettbewerb dürfte zunehmen.“

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